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Gießen: Humanisten gründen Kreisverband für Mittelhessen

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Eine bessere Interessenvertretung für Menschen ohne Religion, gemeinsame Veranstaltungen zu wissenschaftlichen und politischen Themen und die Förderung von humanistischer Feierkultur in der Region gehören zu den Zielen des neuen Kreisverbands. Humanisten, Atheisten, Agnostiker und Skeptiker aus Gießen und Umgebung sind herzlich zur Mitarbeit eingeladen.
Dienstag, 8. Juli 2014
Gießen: Universitätsstadt und Umland sind eine Hochburg konservativer Protestanten.


Bereits seit einigen Monaten treffen sich Humanistinnen und Humanisten in Gießen regelmäßig zum geselligen Austausch und zur Planung gemeinsamer Veranstaltungen. Die Zahl der Teilnehmer und das Interesse an humanistischen Themen wachsen beständig. Nicht zuletzt, weil in Mittelhessen konfessionsfreie und nichtreligiöse Menschen vor besondere Herausforderungen gestellt sind: Etliche Freikirchen, christliche Privatschulen und eine Freie Theologische Hochschule in Gießen prägen die Region. Die Universitätsstadt gilt als Hochburg konservativer Protestanten. 2006 sprach sich die damalige Kultusministerin Hessens, Karin Wolff, sogar für die Lehre der Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht an öffentlichen Schulen aus.

Dass in Gießen und den umliegenden Kreisen jedoch auch viele Menschen ohne religiöse Überzeugungen leben und sich auf Basis humanistischer Ideen und Grundsätze in die Gesellschaft einbringen, ist im öffentlichen, politischen und kulturellen Leben kaum sichtbar.

Foto: privat

Treffen bei Pohlheim im Juni. Mit der neuen regionalen Gemeinschaft soll in Gießen endlich ein offizieller Anlaufpunkt für Menschen ohne Religion in Mittelhessen entstehen.

Durch die Gründung eines Kreisverbands, welcher Menschen in den Landkreisen Gießen, Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill-Kreis und Vogelsberg vereint, soll aber nicht nur eine Interessenvertretung für Konfessionsfreie vor Ort entstehen. Eine stärkere Vernetzung soll langfristig auch in Mittelhessen zur Förderung einer humanistischen Feierkultur beitragen, die als positive Alternative zu den zahlreichen kirchlichen Feiertagen auch Menschen ohne Konfession und Glauben anspricht und einlädt. Denn eine weltanschaulich reflektierte Feiertagskultur ist kein Alleinstellungsmerkmal der Religionen. Das gut besuchte Fest zum internationalen humanistischen Feiertag, dem World Humanist Day am Tag der Sommersonnenwende, konnte hier am 21. Juni dieses Jahres bereits einen ersten Ausblick geben.

Weiterhin soll es künftig regelmäßig Veranstaltungen zu wissenschaftlichen und politischen Fragestellungen geben, in denen Themen aus humanistischer und säkularer Perspektive beleuchtet, diskutiert und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Unter anderem wird noch in diesem Jahr gemeinsam mit der Biologiedidaktik der Universität Gießen am 6. November 2014 zu einem Science Slam eingeladen.

„Mit der geplanten Gründung des Kreisverbands wollen wir vor Ort eine offizielle Adresse und Anlaufstelle für Humanisten, Atheisten, Agnostiker und Skeptiker schaffen, die den Austausch und die Zusammenarbeit suchen“, sagt Anna Beniermann, Vorstandsmitglied im Humanistischen Verband Hessen. Die Biologin und Doktorandin an der Justus-Liebig-Universität Gießen lädt deshalb am 16. Juli ab 20.15 Uhr in das Café Melange am Schiffenberger Weg. „Alle Interessierten sind herzlich willkommen“, so Beniermann. „Es wäre nicht nur schön, sondern auch wichtig, wenn Menschen mit humanistischen Grundsätzen in Zukunft als eigenständige und wertvolle gesellschaftliche Kraft in Mittelhessen wahrgenommen und anerkannt werden.“