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Die 360-Grad-Variante des Interreligiösen Gartens

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Ein „Garten der Begegnung“ soll derzeit in Darmstadt als Symbol für den Dialog auf Augenhöhe zwischen Religionen und Weltanschauungen entstehen. Die Idee des Interreligiösen Gartens soll auch auf areligiöse Weltanschauungen ausgedehnt werden, damit der Blick auf alle gesellschaftlich prägenden Überzeugungen geöffnet wird.
Mittwoch, 14. Mai 2014
Foto: J. Grebe

Foto: J. Grebe

In Darmstadt hat eine Initiative die Schaffung eines Gartens der Begegnung  im öffentlichen Raum angeregt.  Die Initiative geht derzeit auf die in der Stadt vertretenen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu, um für diese Idee zu werben. Der Arbeitskreis christlicher Kirchen, eine islamische Moscheegemeinde und ein Vertreter des Humanistischen Verbandes in Hessen haben schon ihr Interesse an der Idee bekundet.

Die ersten gestalterischen Ideen beschreiben einen Garten mit kreisförmigem oder quadratischen Grundriss, der von einer Hecke umgeben und durch vier Tore zugänglich ist.  Eine runde Wasserquelle oder eine runde Brunnenschale könnte einen schönen Mittelpunkt bilden, um den man auf Bänken oder Sitzsteinen in angenehmer grüner Umgebung verweilen kann. Es soll ein Ort fröhlicher und ungezwungener Geselligkeit sein, wo man sich treffen und kennenlernen kann. In vereinbarten Zeitfenstern soll das Innehalten in der Stille möglich sein. Der Garten soll außerdem ein Ort für gemeinsame Veranstaltungen der beteiligten Organisationen sein, die dem Dialog zwischen Religionen und Weltanschauungen gewidmet sind.  

Die teilnehmenden Religionen und Weltanschauungen bzw. die betreffenden Konfessionen und Richtungen sollen – zum Beispiel auf Tafeln – symbolisch repräsentiert sein. Jede vertretene Richtung soll den gleichen Raum haben, wichtige Symbole und Inhalte prägnant darzustellen – alle auf gleicher Augenhöhe unabhängig von ihrer zahlenmäßigen Stärke oder gesellschaftlichen Dominanz. Durch diese Form der Darstellung wird das gesamte Spektrum der Überzeugungen sichtbar und in das Projekt des Dialogs und der Begegnung einbezogen.

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Erste Entwürfe, wie der Garten in Darmstadt gestaltet sein könnte, gibt es bereits. Entwurf links: Doaa und Michael Müller-Ahlheim, Entwurf rechts: Joachim Grebe.

Die Darmstädter Initiative – der Interreligiöse Arbeitskreis – findet es nicht nur wichtig, dass solch ein symbolischer Ort der Begegnung in einer geeigneten Parkanlage in Darmstadt errichtet wird. Sie sieht schon in dem jetzt angestoßenen Prozess die Chance, dass Vertreter der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zusammentreffen, sich bei der Konkretisierung der Ideen besser kennenlernen und sich auf ein von möglichst vielen Seiten getragenes Konzept verständigen.

Die Initiative erwartet, dass ein Garten der Begegnung Rückwirkungen auf die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Religionen und Weltanschauungen in der Stadt hat. Die Differenz der Perspektiven und Überzeugungen soll nicht verwischt werden. Toleranz ist ja gerade da erforderlich, wo solche ernstzunehmenden Unterschiede bestehen.

Symbolisch und in der Interaktion der Beteiligten soll aber hervorgehoben werden: Christen, Juden, Muslime, Buddhisten, Atheisten, Agnostiker, weltliche Humanisten und so weiter haben ein Interesse an einem gedeihlichen Zusammenleben der Menschen in ihrer Stadt und in der Welt, sie können miteinander leben, reden, schweigen und feiern.