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Berliner Dom: Vorerst kein Platz für religiöse Fanatiker

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Der Dom auf der Museumsinsel ist das größte Kirchengebäude der Stadt – Platz für Fanatiker gibt es dort allerdings nicht. Homophobe Ansichten und Forderungen nach einem gesetzlichen Gebärzwang sollen zu den Gründen für die Ablehnung eines Gottesdienstes christlicher Fundamentalisten zählen. Wie lange werden die Dom-Vertreter der Kritik standhalten?
Montag, 16. September 2013

An Hunderten großer Holzkreuze sind sie schon von weitem zu erkennen: Auch in diesem Jahr werden wieder Tausende Gläubige vor dem Bundeskanzleramt im Berliner Regierungsviertel eine Prozession durch das Zentrum der Hauptstadt beginnen. Mehr als ein Dutzend christlich-fundamentalistische Gruppierungen organisieren jährlich die Demonstration, bei der Forderungen nach dem Verbot der Möglichkeit zur Beendigung einer ungewollten Schwangerschaft und nach Gesetzen gegen das Recht todkranker, leidender Menschen auf ein würdiges und selbstbestimmtes Lebensende auf ein politisches und mediales Echo hoffen.

Doch offenbar stoßen die intoleranten Streitstifter in Gottes Namen wenigstens bei nicht allen Vertretern der Evangelischen Kirche in Berlin auf offene Arme. Gegenüber dem katholischen Nachrichtenportal kath.net beklagte in einem Interview am Montag ein Sprecher der radikalen Gruppierungen, dass Anträge auf Genehmigung eines Gottesdienstes, der traditionell den abschließenden Höhepunkt der Kreuze-Prozession bildet, durch das Domkirchenkollegium und die Dompredigerin abgelehnt worden sind. Die wiederholten Absagen habe es, so Demo-Sprecher Martin Lohmann gegenüber kath.net, wegen „unserer christlichen Positionen beim Lebensschutz und zur gelebten Homosexualität“ gegeben.

Foto: T. Hummitzsch

Demo-Sprecher Lohmann (l.): Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung ist „tragische Erscheinung“. Foto: T. Hummitzsch

Das im August als Reaktion auf die Forderungen gegründete Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, das auf die Unterstützung bekannter Mitglieder des Deutschen Bundestages sowie des Berliner Abgeordnetenhauses zählt, bezeichnete Lohmann als „verfassungsfeindlich“. Lohmann sagte weiter, das Bündnis sei „eine tragische Erscheinung“, dessen Ziele „viel mit von der Lust gesteuerten Feigheit“ zu tun hätten.

Irmgard Schwaetzer, Vorsitzende des Domkollegiums und ehemalige Bundesministerin, erklärte auf Nachfrage zur Absage, man sehe es im Kollegium als „höchst problematisch“ an, wenn „die ausgesprochen sensiblen und komplexen Themen menschlicher Existenz“ zum Gegenstand solcher Demonstrationen gemacht werden.

Anderen Verlautbarungen aus der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) nach stehen die Vertreter des Berliner Doms jedenfalls nicht für den offiziellen Kurs: Auch Markus Dröge, Bischof der EKBO, honorierte neben vielen Repräsentanten aus dem katholischen Klerus die Ziele der international tätigen Bewegung mit einem Grußwort.