Direkt zum Inhalt

Statt magischer Show evangelikale Mission

Druckversion
Hinter der von einem US-amerikanischen Magier angebotenen Zaubershow „The Maze“ steht eine europaweite Missions-Kampagne der christlichen „European Initiative“, die von amerikanischen Predigern initiiert und von mehreren europäischen evangelikalen Gemeinden unterstützt wird.
Montag, 9. September 2013
The Maze - Screenshot

Die Ankündigung von „The Maze“ im Netz lässt unfreiwillig die Entmündigungsstrategie der Show durchblicken | Screenshot

The Maze (dt. Das Labyrinth) bewirbt sich selbst als „eine Erfahrung, die jede Barriere von Erklärungsversuchen sprengt,… eine einzigartige Kombination aus Illusion, Intuition, Psychologie, Humor, Geheimnis und Gefahr.“ Das klingt zunächst ja ganz interessant. Seltsam an dieser Show ist aber schon im Vorfeld, dass vor allem intensiv um jugendliche Besucher – Schüler und Studierende – geworben wird. So wird beispielsweise verblüfften Studenten während ihres Mensaessens unaufgefordert als eine Art Teaser vorgeführt, wie sich scheinbar mittels geistiger Kraft Löffel und Gabeln aus der Mensa verbiegen – ein seit Uri Geller allseits bekannter mechanischer Trick und kein paranormales Kantinenwunder. Dennoch: reichlich verteilte Freikarten und ein geringer Eintrittspreis von nur 5 Euro sorgten für Interesse und schließlich einen vollen Saal.

Nachträglich klagten viele Besucher der Show in Berlin über die Überrumpelungstaktik der Show, die sie wie folgt beschrieben: Nach den ersten 45 Minuten kippt die Show von einem „gar nicht schlecht gemachten“ Programm aus Illusionen und Mentaleffekten in eine „hardcore Missionsveranstaltung“. „Angefangen von der mit Bildern, Videos und Musik unterlegten tragischen Geschichte des Zauberer selbst: Eine rührselige Geschichte über die Heilung seiner Krebserkrankung und seiner Wiedergeburt als Christ.… Dann noch weitere Gedanken zu Gott und Jesus – alle im charismatischen amerikanischen Predigerstyle – schließlich ein gemeinsames Gebet. Dann wird aufgefordert, die Fragebögen unter jedem Stuhl aufzuheben und neben Fragen zur Spiritualität und Lebensgefühl seinen Namen, Adresse, Handynummer einzutragen. Viele machen mit, tragen alles sauber ein.“

Das alles ist weder Zufall noch ein Einzelfall: Denn The Maze ist Teil einer professionellen evangelikalen Promotionskampagne, deren Ziel es ist, „Gottes Königreich im spirituell verdorrten Europa“ zu errichten. Seit 2008 schickt die European Initiative als Veranstalter der Show Missionsteams aus den USA nach Europa und insbesondere nach Berlin, um junge Menschen zu bekehren. Dabei arbeiten sie mit lokalen evangelikalen Freikirchen zusammen. Nach der The Maze-Show 2012 hat es allein in Berlin in 20 evangelikalen Gemeinden Nachbereitungstreffen gegeben, was auf eine deutliche Unterstützung der dubiosen Kampagne durch die hiesigen Gemeinden hinweist. Federführend in Berlin scheint die fundamentalistisch und charismatisch ausgerichtete Gemeinde auf dem Weg zu sein.

The Maze 2

Wer genau hinschaut, der sieht, dass hier im Stile des „Uncle-Sam-Kampagne“ missioniert wird | Screenshot

Ob die teilweise in SS Runen dargestellter Missionskampagne mittels faulem Zauber und Täuschung erfolgreich sein wird, ist selbst bei einem vorwiegend jugendlichen Publikum nicht sehr wahrscheinlich. Allerdings sollte man bei Missionsversuchen Evangelikaler bei Kindern und Jugendlichen hellhörig sein. Unter der Überschrift Bekehrung mit Magie - die spirituelle Luftbrücke wies die Leitstelle für Sektenfragen des Berliner Senats in der vergangenen Woch auf die „befremdliche Missionierung“ hin und riet aufgrund häufig negativer Berichte in diesem Zusammenhang dazu, folgende Fragen immer zu klären:

  • Werden Kinder und Jugendliche auf unseriöse Weise (Lockmittel Süßigkeiten, Geld, Gutscheine) für die Angebote eines Vereins geworben?
  • Erfolgt die Ansprache und Betreuung ohne das Einverständnis der Eltern und  Sorgeberechtigten? Wird den Eltern die Entscheidungsgewalt mehr oder weniger entzogen?
  • Erfolgen übergriffige Kontaktaufnahmen zu Kindern und Eltern auch in privaten Bereichen?
  • Kommt es in der Familie zu Belastungen, Brüchen und Entfremdungen, etwa durch das Gebot, Gott mehr zu gehorchen als den Eltern?
  • Wird die Intoleranz gegenüber anderen Glaubens- und Lebensmodellen gelehrt?
  • Sind die Eltern über die religiöse Ausrichtung eines Vereins ausreichend informiert worden? („evangelisches Glaubensbekenntnis“ könnte den Anschein erwecken, es handele sich um eine Landeskirche)
  • Hat der Weg zu Gott – die Bekehrung – Vorrang vor der autonomen Entfaltung und dem Wohl der Kinder und Jugendlichen?

In diesem Sinne heißt es daher weiterhin, aufmerksam zu sein, um die selbstbestimmte Entfaltung von Kindern und Jugendlichen nicht für religiöses Hokuspokus aufs Spiel zu setzen.