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kreuz.net: Immer noch warten 20.000 Euro Belohnung

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Erste Strafanzeigen gab es zwar bereits, verwertbare Hinweise auf die Hintermänner der katholischen Hetzseite werden aber weiter angenommen. Und führen die Tipps am Ende doch zu keiner rechtskräftigen Verurteilung, sollen die aufgekommenen Spenden der Kampagne Stopptkreuz.net an eine gemeinnützige Initiative vergeben werden.
Freitag, 30. August 2013

Möglicherweise sind einige der Täter schon ermittelt: Gläubige, die sich durch ihre Mitarbeit an dem bis Ende 2012 publizierenden katholischen Portal kreuz.net wegen Volksverhetzung strafbar gemacht haben. Rechtsradikale und antisemtische Texte, Hass gegen Homosexuelle und Atheisten verbreitete kreuz.net jahrelang bis zu seinem mysteriösen und plötzlichen Ende im Dezember vergangenen Jahres.

Der Abschaltung vorausgegangen war die Kampagne Stopptkreuz.net, Anfang Oktober initiiert vom Bruno Gmünder Verlag. Nach dem Tod des Schauspielers Dirk Bach hatten die kreuz.net-Macher mit einem Eintrag unter dem Titel „Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle“ die rote Linie endgültig überschritten, eine Belohnung in Höhe von 15.000 Euro für Hinweise auf die Hintermänner wurde vom Szene-Verlag Bruno Gmünder ausgelobt und zu weiteren Spenden aufgerufen.

Nach Abschaltung der Seite liefen die Ermittlungen der deutschen und österreichischen Staatsanwaltschaften weiter. Die vom Bruno-Gmünder-Verlag initiierte Webseite wurde zwar mittlerweile ebenfalls abgeschaltet, doch im Hintergrund ging die Ermittlungsarbeit erfolgreich voran: Vor zwei Wochen gab es erste Hausdurchsuchungen in Oberösterreich und Wien. Zwei Priester mit Verbindungen zum katholischen Videoportal gloria.tv erhielten Strafanzeigen, blieben aber auf freiem Fuß. 

Aufgegeben wurde die Hoffnung, Betreiber von kreuz.net endgültig dingfest zu machen, jedenfalls nicht. Zusätzlich zu den vom Bruno-Gmünder-Verlag ausgelobten 15.000 Euro waren noch knapp 12.000 Euro an Spenden eingegangen. Was passiert nun mit dem Geld? Wie der Geschäftsführer des Verlages Tino Henn jetzt mitteilte, sind nach Abzug der bisher aufgelaufenen Kosten rund um die Kampagne in Höhe von rund 7000 Euro knapp 20.000 Euro für Tippgeber übrig. Wenn kreuz.net-Macher bestraft werden, wird der Betrag ausgeschüttet.

David Berger, Koordinator der Kampagne: „Das Geld liegt weiter unter Aufsicht eines Notars bereit, um in diesem Falle ausgezahlt zu werden. Da wir immer noch fest davon ausgehen, dass es zu einer rechtskräftigen Verurteilung kommen wird, sind uns die Hände erst einmal gebunden und wir können nicht einfach eine anderweitige Verwendung der Gelder planen, wie von manchen angefragt.“ Auf die bisherigen Tippgeber und weitere Hinweise zu Hintermännern von kreuz.net, die zu einer rechtskräftigen Verurteilung führen, warten nun insgesamt 19.690,60 Euro.

Vergebens sollen die Spenden aber in keinem Fall bleiben. Tino Henn: „Sollte die Staatsanwaltschaft das durch unsere Strafanzeige eingeleitete Verfahren einstellen oder es bei einem eventuellen Gerichtsverfahren zu keiner rechtskräftigen Verurteilung kommen, werden wir die aufgekommenen Spenden an eine gemeinnützige Initiative, die LGBTI-Anliegen vertritt weitergeben.“