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Nur ein Drittel der Deutschen bezeichnet sich als religiös

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Eine aktuelle Umfrage des internationalen Markt- und Meinungsforschungsverbundes WIN Gallup liefert neue Belege dafür, dass nur noch eine Minderheit der Menschen in Deutschland tatsächlich religiös ist. Zwischen männlichen und weiblichen Befragten zeigten sich nur sehr geringe Unterschiede.
Dienstag, 14. April 2015

Laut eigenen Angaben hatte WIN Gallup anlässlich der diesjährigen Osterfeiertage, an denen christliche Gläubige der Auferstehung ihres Religionsstifters von den Toten gedenken, die Befragung von mehr als 63.000 Menschen in 65 Ländern ausgewertet. Diese waren Ende letzten Jahres gefragt worden, ob sie sich als „eine religiöse Person“, „eine nichtreligiöse Person“ oder „überzeugter Atheist“ bezeichnen. Die Ergebnisse wurden gestern in London vorgestellt. Die Länder mit dem höchsten Anteil religiöser Menschen an der Bevölkerung sind laut der Untersuchung Thailand (94 Prozent) sowie Armenien, Bangladesch, Georgien und Marokko (jeweils 93 Prozent). Der geringste Anteil religiöser Menschen zeigte sich in der sozialistischen Volkrepublik China (7 Prozent), wo allerdings unter anderem Christen sich massiven staatlichen Repressionen ausgesetzt sehen. Freiheitlichere Länder mit einem niedrigen Anteil religiöser Einwohner sind Japan (13 Prozent), Schweden (19 Prozent), Tschechien (23 Prozent), die Niederlande (26 Prozent) und das Vereinigte Königreich (30 Prozent).

Von den Befragten aus Deutschland gaben lediglich 34 Prozent an, eine religiöse Person zu sein. Als nichtreligiös bezeichneten sich 42 Prozent. Weitere 17 Prozent meinten, überzeugte Atheisten zu sein. Die Umfrageergebnisse untermauern die schon länger existierende Diagnose, dass insbesondere die kirchliche Bindung der deutschen Bevölkerung nur noch sehr begrenzt Rückschlüsse auf die innerliche Verbundenheit der Menschen zu den Glaubenssätzen und theologischen Positionen der jeweiligen Religionsgemeinschaften zulässt.

Einblicke bot die Umfrage insofern erneut zum Verhältnis zwischen persönlicher Religiosität und der Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft. Bekannt ist, dass konfessionsfreie Menschen nicht immer zugleich auch nichtreligöse Menschen sind. Und keine religiöse Person zu sein und sich trotzdem als Angehöriger einer Religionsgemeinschaft zu bezeichnen, ist für viele Menschen offenbar ebenfalls kein Widerspruch. So erklärte jeweils ein knappes Fünftel derjenigen Befragten, die sich als Angehörige einer der christlichen Konfessionen sahen, nichtreligiös oder Atheist zu sein. Besonders hoch war der Anteil nichtreligiöser Befragter bei Personen, die sich als Juden sehen. Zwei Prozent der Befragten, die sich als Atheisten bezeichneten, gaben an, religiös zu sein.

Interaktive Karte der britischen Tageszeitung The Telegraph

Im Geschlechtervergleich lieferte die Umfrage zudem einen Beleg gegen die Theorie, dass Frauen eine wesentlich stärkere Veranlagung zu Religiosität als Männer besitzen: 62 Prozent der männlichen und 64 Prozent der weiblichen Befragten bezeichneten sich als religiöse Person. Hier zeigte sich eine im Vergleich mit anderen Untersuchungen [1][2][3], die sich auf die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft oder bestimmte religiöse Praktiken fokussierten, sehr geringe Differenz zwischen Männern und Frauen.