Direkt zum Inhalt

„Notausgang“: Filmpremiere in Berlin

Druckversion
Am nächsten Donnerstag wird in Berlin eine bislang einzigartige Dokumentation zum Thema Sterbehilfe uraufgeführt. Der 90-minütige Film zeigt die Situation in fünf Ländern, darunter in Deutschland, anhand von Fallgeschichten.
Freitag, 2. Mai 2014
Foto: Medienprojekt Wuppertal

Foto: Medienprojekt Wuppertal

„In über 90 Jahren Erdendasein durften wir 59 Jahre gemeinsam durch das Leben gehen. Jetzt haben wir beschlossen, auch den letzten Schritt gemeinsam zu tun. Wir werden am 15.01. in die Schweiz fahren, um dort den Freitod zu finden. Wir danken Euch für die schönen gemeinsamen Stunden und grüßen Euch ein letztes Mal.“

So schrieb das Ehepaar K., welches über viele Jahre sich verschlechternde chronische, multimorbide Erkrankungen hatte, aus ihrem katholischen Pflegeheim in einem kleinen Ort am Schwarzwald an ihre Freunde ihren Abschiedsbrief. Im Januar 2014 starben sie dann gemeinsam durch einen ärztlich unterstützten Suizid in der Schweiz.

Ehepaar K. ist ein Fall, den der Film „Notausgang“ darstellt. Die Dokumentation wurde vom Medienprojekt Wuppertal produziert, das im vergangenen Jahr bereits die Dokumentation „Sterbefasten – Freiheit zum Tod“ der Öffentlichkeit vorstellte. Nun hat das Medienprojekt ein Thema aufgegriffen, das in der Gesellschaft derzeit für Auseinandersetzungen sorgt. Denn die Unionsparteien streben an, die bislang in Deutschland legale Suizidbeihilfe zu verbieten. Mit dem Ehepaar K. stellt die Dokumentation auch die Motive und Gedanken von Menschen dar, die den hierzulande strafbaren ärztlich assistierten Suizid in Anspruch genommen haben.

Ehepaar K.: „Unser Leben ist schön gewesen. Keiner von uns soll alleine leben müssen. Wir haben so viele Jahre gehabt, das war auch ein Geschenk. Jetzt wollen wir miteinander sterben.“ Der Film begleitet das Ehepaar in dieser selbstbestimmten Entscheidung bis in den Tod.

„Zum Leben gehört der Tod“, sagt die Schweizer Ärztin Dr. Erika Preisig, die Palliativmedizinerin und Sterbehelferin zugleich ist. „Zum Leben könnte auch ein guter Tod gehören, ein schöner Tod, vielleicht ein geplanter Tod. Es ist für mich immer noch fremd, den Tod so zu planen, aber wir können dem Tod alle nicht entrinnen. Und warum müssen wir uns am Leben fest klammern und im Leiden weiterziehen? Es ist nicht so, dass wir nichts mehr tun können, wir können wenigstens noch den Menschen einen ganz friedlichen Tod im Beisein ihrer Angehörigen bescheren.“

Neben der Suizidbegleitung des Ehepaars K. lässt der Film auch andere Sterbewillige mit schweren, chronischen lebensverkürzenden Erkrankungen zu Wort kommen. Im Interview beschreibt der Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Putz die rechtliche Lage zur Sterbehilfe in Deutschland. Mehrere deutsche Sterbehelfer werden nach ihren Motivationen und Erfahrungen befragt. Aus den Ländern Schweiz, Niederlande, Belgien und Oregon (USA), in denen Sterbehilfe in verschiedenen Formen legalisiert wurde und praktiziert wird, kommen Vertreter zu Wort und beschreiben die dortige Lage. So versucht der Film den gesellschaftlichen und politischen Diskurs in Deutschland über Sterbehilfe und insbesondere den ärztlich assistierten Suizid über den Blickwinkel der tatsächlich Betroffenen, d.h. den hilfesuchenden, leidenden Patienten und den Sterbehelfern, zu unterstützen und Aufklärung hierüber zu geben.

Im Anschluss an die Filmpremiere am 8. Mai um 19.30 in der Berliner Urania gibt es eine Publikumsdiskussion, zu der aus der Schweiz die Palliativärztin und Sterbehelferin Dr. Erika Preisig eingeladen ist. Außerdem diskutieren mit dem Publikum der Sterbehelfer und Psychiater PD Dr. Johann F. Spittler, der betroffene MS-Patienten Stefan Daniel und die Lebens- und Sterbebegleiterin Gita Neumann vom Humanistischen Verband Deutschlands sowie der Regisseur Andreas von Hören. Eine zweite Aufführung des Filmes findet am 12. Mai um 19.30 Uhr im Wuppertaler CinemaxX (Eintritt 1 Euro), ebenfalls mit anschließender Publikumsdiskussion.