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Aufklärer und Vorreiter des säkularen Humanismus

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Heute vor 100 Jahren starb der Psychologe und Philosoph Friedrich Jodl in Wien.
Sonntag, 26. Januar 2014

Das heute wachsende öffentliche Bewusstsein einer säkularen Wertebegründung und nicht-religiösen Lebensgestaltung hat wichtige Vorläufer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die damalige Bewegung für ethische Kultur setzte sich für einen Moralunterricht an den Schulen ein, der nicht an den Glauben der Schüler, sondern an ihre Vernunft appellieren sollte. Volksbildung und Aufklärung waren Ideale damaliger Vordenker, die im Rückblick als Pioniere eines säkularen Humanismus gelten können.

Friedrich Jodl

Friedrich Jodl.

Einer der bedeutendsten, aber heute ganz zu Unrecht fast vergessenen Köpfe dieser Zeit war der Philosoph Friedrich Jodl (1849-1914), der an Universitäten in München, Prag und Wien gewirkt, zahlreiche Bücher verfasst und gemeinsam mit Wilhelm Bolin die gesammelten Werke Ludwig Feuerbachs in zehn Bänden herausgegeben hat. Jodl hat sich in seiner Arbeit an philosophischen Grundpositionen David Humes, Auguste Comtes und Ludwig Feuerbachs orientiert. Als sein Hauptwerk gilt die zwischen 1882 und 1889 erschienene zweibändige „Geschichte der Ethik“, ein philosophisch-historisches Grundlagenwerk.

Als Sohn einer Beamtenfamilie geboren, habilitierte sich Jodl im Alter von 31 Jahren an der Universität München. Er sah sich aufgrund seiner kirchenkritischen Haltungen aber einige Jahre später dazu gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Zunächst ging er nach Prag, wo er für ein Jahrzehnt lehrte. Ab 1896 hatte er einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Wien inne und erhielt zusätzlich eine Dozentur für Ästhetik an der Technischen Hochschule Wien.

Außerhalb der Universität engagierte sich Jodl besonders in der frühen Volksbildung, die für ihn eine ethische Verpflichtung darstellte. Schon in München hielt er populärwissenschaftliche Vorträge und wurde in Wien 1898 zum Obmann des Wiener Volksbildungsvereines gewählt.

Anders als viele seiner freidenkerischen Zeitgenossen ist er jedoch nicht den Verheißungen sozialistischer Gesellschaftspolitik erlegen, sondern setzte auf liberale Reformen und sozialen Fortschritt. Seinem Ansatz kommt eine Schlüsselposition zu, mit der bis heute zwischen liberalen, sozialen und konservativen Erwartungen in säkularen Milieus vermittelt werden kann.  

Der 100. Todestag Friedrich Jodls bietet den Anlass, sich neu und vertieft mit seinem Leben und Werk auseinander zu setzen, um daraus Lehren für die politischen Diskurse der Gegenwart zu ziehen. Am 11. Oktober 2014 widmet sich seinem Wirken ein gemeinsames Symposium der Humanistischen Akademie Bayern und der Gesellschaft für kritische Philosophie in Nürnberg.