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Warnung vor der „Apotheken Umschau“

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In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) bezeichnet der Physiker und frühere Hochschullehrer an der Technischen Universität Berlin, Martin Lambeck, das populäre Ratgeber-Magazin als ein „Sprachrohr der Homöopathie“.
Freitag, 13. Dezember 2013

Mittlerweile könnte jedes Kind wissen, dass homöopathische Mittel keine Wirksamkeit haben, die über einen Placebo-Effekt hinausgeht. Doch die Umsätze mit den Zuckerkügelchen lagen 2011 allein in Deutschland im mittleren dreistelligen Millionenbereich, weltweit sollen sie sich laut Schätzungen des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller auf etwa zwei Milliarden Euro belaufen. Deutschland gehört hier mit zu den größten Märkten. Wie kommt das?

Eine Ursache ist offenbar, dass sich das reichweitenstarke Ratgeber-Magazin „Apotheken Umschau“ für die gesellschaftliche Akzeptanz der fragwürdigen Pillen einsetzt. Darauf weist der Physiker und renommierte Fachpublizist Martin Lambeck in einem Beitrag der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Skeptiker hin. Unter der Überschrift „Die Placebo-Republik“ beschäftigt er sich in einem Beitrag mit der „politischen und gesellschaftlichen Akzeptanz von Parallelwissenschaften“.

Lambeck erinnerte dabei, dass die kostenfrei verteilte Ratgeber-lllustrierte in den letzten Jahren unter anderem ausdrücklich auf extrem verdünnte Mittel verwiesen hatte. So etwa in einem Beitrag mit dem Titel „Uns hilft die Homöopathie“ aus dem Jahr 2010.

Auch im Netz findet sich eine ganze Reihe von „Umschau“-Artikeln zum Thema. Deutliche Hinweise auf das Fehlen wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweise gibt es nicht immer. Stimmen, die darauf hinweisen, werden am Rande erwähnt oder als „Kritiker“ deklassiert. Immer wieder bemühen sich Beiträge, die zugrunde liegenden Lehren verständlich zu machen und plausibel erschienen zu lassen.

Und mitunter rät das Blatt sogar: „Wer für die Behandlung von Alltagsbeschwerden gerüstet sein will, kann sich eine homöopathische Hausapotheke zulegen, die die wichtigsten Mittel in geeigneten Potenzen enthält.“

Zum Einfluss der Illustrierten, die zwei Mal pro Monat mit einer Auflage von rund 9,5 Millionen Exemplaren erscheint, erklärt Martin Lambeck: „Sie ist besonders wirksam, da sie in Apotheken verteilt wird, also in Institutionen, denen die Bevölkerung besonderes Vertrauen entgegenbringt.“

Die mediale Ausstrahlungskraft der dort verbreiteten Inhalte, in denen die Anwendung homöopathischer Mittel unkritisch und einseitig behandelt wird, in die Gesellschaft, liegt somit um ein Vielfaches höher als die von an wissenschaftlichen Fakten ausgerichteten Zeitschriften.

Cover

Alternativmedizin-Experte Lambeck zeigt anhand des Vergleichs der „Apotheken Umschau“ und des Magazins der GWUP, dass das Kräfteverhältnis zwischen beiden Publikationen bei 1:1625 liegt – zum Vorteil der wenig kritischen Homöopathie-Artikel der Illustrierten aus dem „Wort & Bild“-Verlag. „Bedenkt man, dass Inhalte der Apotheken-Umschau auch im Fernsehen verbreitet werden, wird das Kräfteverhältnis noch stärker zugunsten der Homöopathie verschoben“, schließt Lambeck.

Und das geschieht sicherlich nicht ohne triftigen Grund. Denn nicht nur Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe werden den Herstellern durch die große Beliebtheit homöopathischer Mittelchen beschert. Auch manch ein Arzt mag sich mitunter verleitet fühlen, bei dem einen oder anderen Patienten dessen Selbstheilungskräfte durch die Verschreibung eines Placebos mit Hahnemannschem Ursprung zu nutzen – und so in der Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens an die Wirksamkeit der Zuckerpillen beizutragen.

Ein ziemlich handfestes Motiv findet sich jedenfalls beim Blick auf die möglichen Gewinnspannen bei der Produktion der populären Pseudo-Medizin gegen zahlreiche Alltagserkrankungen. Zahlen zu den Rohgewinnen wurden zwar noch nie publiziert. Berechnungen gehen aber von Erträgen aus, die das Hundertfache der Rohstoffkosten betragen.