Direkt zum Inhalt

Leitsätze und Prinzipien des Humanismus

DruckversionEinem Freund senden
Übersetzung der Leitsätze von Paul Kurtz, die in der Januar-Ausgabe des Free Inquiry erschienen sind
Freitag, 15. April 2011
Paul Kurtz

Paul Kurtz (geb. 1925) ist emeritierter Professor für Philosophie der Universität Buffalo (SUNY). Er ist der Gründer und Vorsitzender des Committee for Skeptical Inquiry (CSI), des Council for Secular Humanism und von Prometheus Books. Kurtz ist außerdem Chefredakteur der Zeitschrift Free Inquiry, dem Blatt des Council for Secular Humanism. Er war Co-Präsident (2. Vorsitzender) der International Humanist and Ethical Union (IHEU). Er ist Präsident der International Academy of Humanismus.

Woran können sich Humanisten orientieren und worin liegen ihre Werte un Normen. Der Philosoph und Humanist Paul Kurtz hat in der Januar-Ausgabe des Magazins Free Inquiry Leitsätze und Prinzipien des Humanismus aufgestellt. diesseits dokumentiert seine Ausführungen.

"Wir nutzen unsere Vernunft und die Wissenschaft, um das Universum zu verstehen und um die Probleme der Menschen zu lösen.

Wir halten es für eine Missachtung der menschlichen Intelligenz und lehnen es deshalb ab, wenn versucht wird, uns die Welt mit übernatürlichen Kräften zu erklären und außerhalb der Natur nach Heilung gesucht wird.

Wir glauben, dass sowohl wissenschaftliche Forschung wie technischer Fortschritt zur Verbesserung des menschlichen Lebens beitragen können.

Wir glauben, dass eine demokratische, offene und pluralistische Gesellschaft den besten Schutz für die Menschenrechte garantiert  - und zwar gegenüber Übergriffen autoritärer Eliten und repressiver Mehrheiten.

Wir fühlen uns dem Prinzip der Trennung von Staat und Kirche verpflichtet.

Wir versuchen durch Verhandlungen und sinnvolle Kompromisse, Differenzen zu beheben und gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

Weiterhin ist es uns wichtig, Gerechtigkeit und Fairness in der Gesellschaft zu sichern und gleichzeitig Diskriminierung und Intoleranz abzuschaffen.

Wir glauben, dass Hilfe zur Selbsthilfe, Benachteiligten und Behinderten helfen kann, ihr Leben frei zu gestalten.

Wir versuchen Einstellungen zu überwinden, die Menschen eher trennen und einschränken. Damit sind beispielsweise gemeint: Diskriminierungen aufgrund von Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Religion, Klasse und sexueller Orientierung. Stattdessen versuchen Humanisten sich für das gemeinsame Gut der Menschlichkeit einzusetzen.

Wir wollen die Erde schützen und für spätere Generationen bewahren; sinnloses Leiden für andere Arten wollen wir vermeiden.

Wir glauben, dass wir uns des Lebens im Hier und Jetzt erfreuen und wir unsere kreativen Talente möglichst vollständig entwickeln können.

Wir glauben, dass eine hervorragende moralische Kompetenz ausgebildet werden kann.

Wir respektieren das Recht auf Privatsphäre. Erwachsenen soll es erlaubt sein, sich ihre Wünsche zu erfüllen, ihre sexuellen Vorlieben auszudrücken und sie sollen die Freiheit haben, Kinder zu bekommen und Zugang zu einem modernen Gesundheitssystem haben.

Wir glauben an gemeinsame moralische Werte wie Menschenfreundlichkeit, Integrität, Ehrlichkeit und Verantwortlichkeit. Humanistische Ethik ist offen für Kritik und orientiert sich an Rationalität. Moralische Prinzipien bewähren sich in ihrer praktischen Anwendung.

Die moralische Erziehung unserer Kinder liegt uns sehr am Herzen. Wir fördern vor allem Vernunft und Mitgefühl.

Wir engagieren uns gleichermaßen für die Künste und die Wissenschaften.

Wir sind Bewohner dieses Universums und freuen uns über immer neue Entdeckungen.

Ungeprüften Aussagen gegenüber sind wir skeptisch, aber wir sind wir offen für neue Ideen und suchen immer wieder nach neuen Denkweisen.

Wir unterstützen den Humanismus als eine realistische Alternative zu Theologien der Hoffnungslosigkeit und zu Ideologien der Gewalt. Er ist für uns eine wichtige persönliche Quelle, um sich für andere zu engagieren.

Wir glauben an den Optimismus anstelle von Pessimismus, an Hoffnung statt an Verzweiflung, an eigenständiges Lernen anstatt an Dogmen, an Wahrheiten statt an Unwissenheit, an Freude statt an Schuld und Sünde, an Toleranz anstelle von Furcht, an Liebe statt an Hass, an Mitgefühl anstelle von Selbstbezogenheit, an das Schöne statt an das Hässliche und letztlich an die Vernunft anstelle von blinden Glauben und Irrationalität.

Wir glauben daran, dass es möglich ist, die besten und edelsten Fähigkeiten der Menschheit vollständig zu verwirklichen."

Übersetzt von Hannah Lamprecht und Ulrich Tünsmeyer im Januar 2011