Direkt zum Inhalt

Humanisten in Mecklenburg-Vorpommern haben jüngsten Vorstandsvorsitzenden

Druckversion
Die Humanisten in Mecklenburg-Vorpommern wollen künftig verstärkt auf Mitgliedersuche gehen und setzen dabei auf die jungen Mitglieder. Als jüngster Vorstandsvorsitzender eines humanistischen Landesverbandes wurde der 23-jährige Alexander Rabe, Student der Molekularbiologie in Greifswald, gewählt. Arik Platzek führte nach seiner Wahl ein kurzes Gespräch mit ihm.
Dienstag, 8. November 2011

Alexander Rabe ist neuer Vorsitzender des HVD Mecklenburg-Vorpommern. Die letzte Mitgliederversammlung Ende Oktober sprach dem 23-jährigen Studenten der Molekularbiologie an der Universität Greifswald ihr Vertrauen aus. Rabe, der seit 2009 auch im Greifswalder Hochschulsenat sitzt, war seit zwei Jahren als stellvertretender Vorsitzender im Vorstand aktiv. Er ist der bisher jüngste Vorsitzende eines Landesverbandes.

Auf ihrer Mitgliederversammlung analysierten die Humanistinnen und Humanisten die Arbeit der zurückliegenden Monate. Der bisherige Vorsitzende Jochen Stopperam verwies dabei auf die erfolgreiche Mitarbeit in der Initiative „Pro LER“, auf die gute Zusammenarbeit mit Jugendweihe-Mecklenburg-Vorpommern e.V. und darauf, dass künftig im Land das Tätigkeitsfeld um die Patientenverfügung stärker bearbeitet werden kann.

Zur Bilanz der zurückliegenden Zeit gehören auch zwei öffentliche Konferenzen der Initiative Pro LER für ein Schulfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, die maßgeblich von den Humanisten des Landes vorbereitet und durchgeführt worden sind. Jochen Stopperam wird nun künftig als stellvertretender Vorsitzender aktiv bleiben, um den Verein mit seiner Erfahrung zu unterstützen.

Breiten Raum in der Diskussion nahm die Gewinnung neuer Mitglieder für den HVD ein. Bislang sind in Mecklenburg-Vorpommern nur wenige Humanisten organisiert. Durch persönliche Gespräche und gezielte Werbung soll ihre Anzahl erhöht werden, vor allem an den Universitäten des Landes. Die Mitgliedergewinnung soll künftig an konkrete Aufgaben gebunden werden. Als besonders wichtig erachteten die Versammlungsteilnehmer zudem, ihren Zusammenschluss zu einer Konkurrenz von Netzwerken religiöser Organisationen zu entwickeln.

Die Mitglieder beschlossen auch, sich an den künftigen Bildungsminister in Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Brodkorb (SPD) zu wenden, um Aufgaben und Ziele des HVD vorzustellen und die Stellung der Landesregierung zu den organisierten Humanistinnen und Humanisten im Land zu ergründen.

Arik Platzek sprach nach der Mitgliederversammlung mit dem neuen Vorsitzenden des Landesverbandes, Alexander Rabe:

Alexander Rabe

Molekularbiologiestudent Alexander Rabe. Mit 23 Jahren schon Vorstandsvorsitzender des HVD Mecklenburg-Vorpommern.

Wo siehst du bisher Schwächen oder Mankos in der Vereinsarbeit?

Die größte Schwäche sehe ich in der Öffentlichkeitsarbeit. Der Landesverband muss es schaffen, sich beständig zu den Geschehnissen im Land zu äußern. Desweiteren hoffe ich auf die verstärkte Mitarbeit der Mitglieder, die sich bisher noch nicht bzw. gering aktiv beteiligt haben.

Was sollte getan werden, damit das Thema LER voran kommt?

Zum ersten muss die Arbeit in dem Initiativkreis kontinuierlich fortgesetzt werden. Als zweites müssen wir endlich über einen Initiativkreis hinauskommen und ein richtiges Bündnis bilden, wo nicht nur einzelne Vertreter von zum Beispiel Parteien oder Vereinen sitzen, sondern, dass sich die gesamte Partei oder Verein dazu bekennt und hinter diesem Projekt steht. Als drittes muss mindestens pro Halbjahr eine öffentliche Veranstaltung zu diesem Thema stattfinden. Zum einen, damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät und zum anderen, um neue Leute und Vereine für diese Idee begeistern zu können.

Wie wertest du die Koalition nach der neuen Landtagswahl in M-V?

Erst einmal beglückwünsche ich Herrn Sellering zu dem Wahlsieg und hoffe auf eine produktive Arbeit der großen Koalition, um unser Land voranzubringen. Allerdings sehe ich gerade für den LER-Unterricht keine guten Chancen in dieser Legislaturperiode umgesetzt zu werden, auch da die CDU bereits angekündigt hat, dass es mit ihr in einer Koalition keinen gemeinsamen Werte vermittelnden Ethikunterricht geben wird.

In welchem Bereichen hoffst du auf Unterstützung und wo zunächst auf Fortschritt?

In unserem Landesverband wollen wir vier Themenschwerpunkte bearbeiten. Die Patientenverfügung, die Stärkung der humanistischen Hochschulgruppe, LER und die mögliche Etablierung der Humanistik an der Universität Rostock. Für die ersten drei genannten Themengebiete wurde uns die Unterstützung bereits zugesichert und diese wollen wir verstärkt nutzen. Für die Humanistik hoffe ich vor allem auf die Erfahrungen des Berliner Landesverbandes insbesondere auf die von unserem Präsidenten Frieder Otto Wolf.

Was wünschst du dir mit Blick auf den HVD insgesamt, also nicht nur auf M-V bezogen?

Für den gesamten Bundesverband wünsche ich mir, dass wir intensiv und produktiv am humanistischen Selbstverständnis arbeiten. Es wird Zeit, dass wir dieses aktualisieren und in vielen Bereichen konkreter werden und uns nicht nur auf allgemeine Floskeln, wie es bereits jetzt der Fall ist, verständigen. Wir besitzen in vielen Bereichen schon Kompetenzen, die auf viele Jahre der Erfahrung aufbauen, wie zum Beispiel der Jugendarbeit oder die Patientenverfügung. Diese Kompetenzen müssen unbedingt berücksichtigt werden.