Helm ab zum Gedenken!
Eine Binse ist, dass ungeschriebene Gesetze unseren Alltag regeln. Dass aber auch inoffizielle Regeln den politischen Alltag wesentlich bestimmen, kann man als durchaus bemerkenswert einschätzen. Eine solche, nicht amtliche Regelung, auf die jedoch immer wieder zurückgegriffen wird betrifft die so genannte staatliche Rangfolge in der Bundesrepublik bei Staatsakten. Diese hat beträchtliche Auswirkungen auf die staatliche Einladungspolitik und damit auch darauf, welche Religions- und Weltanschauungsvertreter bei Staatsakten anwesend sind.
Demzufolge hat der Bundespräsident die wichtigste Stellung. Es folgen Staatsoberhäupter fremder Staaten, die Regierungschefs anderer Staaten, der Kanzler bzw. die Kanzlerin. Es folgen der/die Präsident/-in des Deutschen Bundestags, Bundesrates und des Bundesverfassungsgerichts. Und nun wird es spannend: Denn noch vor den Fraktionsvorsitzenden des Bundestags und des Europäischen Parlaments und den Vizepräsidenten dieser Parlamente stehen seltsamerweise der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie die Kardinäle der katholischen Kirche. Zu finden ist diese Liste in Jürgen Hartmanns Grundlagenbuch Staatszeremoniell, Seite 126.
Hartmann war es auch, der den Eröffnungsvortrag zur Tagung Nachdenken über feierliche Staatsakte, hielt, die am ersten Novemberwochenende in der Friedrich Ebert Stiftung in Berlin in Kooperation mit der Humanistischen Akademie stattfand. Dabei fragte der pensionierte Jurist, wie die demographischen Realitäten (35 Prozent aller Deutschen sind konfessionsfrei) hinsichtlich der Gestaltung von Staatsfeierlichkeiten zu interpretieren sind. Denn diese Realität findet sich bislang in den Staatsakten nicht wieder. Weder gibt es dezidiert humanistische Staatsakte noch sind sie weltanschaulich neutral gestaltet. Ganz im Gegenteil werden sie meist christlich-religiös aufgeladen, entweder durch die Anwesenheit der Vertreter der Religionen oder durch die Verlagerung in eine Kirche. Gedenk- oder Trauerveranstaltungen, wie etwa nach dem Unglück in Duisburg, werden gleich ganz in die Hände der Kirchen gegeben und die Staatsführung sitzt brav in der Kirchbank. Einen weltanschaulich neutralen Staatsakt hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben.
Staatsakt für Rudolf Augstein: Eine respektlose Vereinnahmung der Kirchen eines dezidierten Nicht-Christen
Ein besonderer Tiefpunkt in Sachen Staatsakte war aus humanistischer Perspektive zweifelsohne das Begräbnis des Publizisten Rudolf Augstein im November 2002. Für Augstein, den bekennenden Atheisten, der sich immer wieder deutlich gegen die Kirche positioniert hatte, wurden zwei Gottesdienste veranstaltet, einer davon als Staatsakt im Hamburger Michel. Joachim Kahl erinnerte in seinem Vortrag an diese „respektlose Vereinnahmung der Kirchen eines dezidierten Nicht-Christen“, der nach dem Tod seiner katholischen Mutter im Jahr 1968 aus der Kirche ausgetreten war. Der Einwurf des evangelischen Weltanschauungsexperten Andreas Fincke, dass es zur religiösen Ausrichtung der Trauerfeier doch nur gekommen sei, weil es sich um einen Staatsakt gehandelt habe, machte das ganze Dilemma mehr als deutlich. Denn hätte es einem Staat, der sich der weltanschaulichen Neutralität verpflichtet, nicht angestanden, für den Humanisten Augstein einen Staatsakt zu veranstalten, der der weltanschaulichen Gesinnung des Journalisten entsprochen hätte? Aber ein solcher ist im ungeschriebenen deutschen Staatszeremoniell eben nicht vorgesehen.
Wie konnte es aber dazu kommen? Um dies zu erfahren, musste man sich an die Worte von Jürgen Hartmann erinnern, der zu Beginn der Tagung ausführte, dass eine weltanschauliche Prägung der Staatsakte durchaus möglich ist, wenn die Familie es wünscht. Hatten sich die Augsteins 2002 also nicht ausreichend ins Zeug gelegt? Dies ist mehr als unwahrscheinlich. Aber wenngleich die Angehörigen über das Bestattungszeremoniell bestimmen können, will sich der Staat dort doch gleichzeitig auch repräsentierten. Und um dies im gewohnten, sprich religiösen Sinne, tun zu können, ist zwischen Familie und Staat ein Apparat geschaltet, der unmissverständlich sagt, welche Vorgehensweise üblich ist, wie Hartmann in seinem Vortrag deutlich machte.
Staatsakte machen in unserer Gesellschaft keinen Sinn
Vor diesem Hintergrund liegt die Frage nahe, ob feierliche Akte eines offenbar nur formal weltanschaulich neutralen Staates grundsätzlich noch einen Sinn haben – zumindest wenn es um Staatszeremonien für dezidiert Nicht-Gläubige geht. Der Religionswissenschaftler Jörg Rüpke hatte eine unmissverständliche Antwort auf diese Frage parat. Der Staat scheide aufgrund des Fehlens einer gemeinschaftlichen Weltanschauung als Veranstalter staatlicher Rituale aus, erklärte er. Es könne daher auch nicht mehr Aufgabe des Staates sein, Staatsakte mit dem Ziel der gesellschaftlichen Integration zu organisieren. Solange staatliche Zeremonien mit dieser Absicht ausgeführt werden, könne dies nur scheitern, denn die Pluralisierung der Lebenswelt habe die Rituale in der aktuellen Ausrichtung sinnlos gemacht.

Religiös-weltanschaulich differenzierte Gedenkkultur durch Individualisierung des Gedenkens. Die Historikerin Insa Eschebach (links) erklärte, wie das funktioniert.
Wie religiöse und nicht-religiöse Rituale gleichberechtigt nebeneinander stattfinden können, machte die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück Insa Eschebach deutlich. Mit zahlreichen Fotografien führte sie aus, wie in dem Frauenkonzentrationslager in der Vergangenheit und der Gegenwart der ermordeten Frauen gedacht wurde und wird. Die simple Erklärung der religiös-weltanschaulich differenzierten Gedenkkultur liegt in der Individualisierung des Gedenkens. Das persönliche Gedenkritual von Einzelpersonen oder Besuchergruppen führt automatisch zur Diversifikation des Andachtsrituals. Bedauerlicherweise gelang es im weiteren Verlauf der Tagung nicht, diese praktische Erfahrung der Historikerin in die weiteren Diskussionen gewinnbringend einzubinden. Die Bilder und Erläuterungen Eschebachs blieben leider nur kurzfristige Impressionen, ohne die Debatte essentiell zu beeinflussen.
Säkulare Rituale & Zeremonien oder: Wer von den Anbietern aus der säkularen Szene kann bei Kindern und Jugendlichen punkten?
Der ehemalige Beauftragte für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche Andreas Fincke brachte den knapp einhundert anwesenden Gästen im Anschluss das Ritual der Jugendweihe bzw. dessen freidenkerische und humanistische Ausprägungen nahe. Fincke, der aktuell als Pfarrer in Brandenburg aktiv ist, ist der beste Kenner der säkularen Szene innerhalb der evangelischen Kirche. Jahrelang hat er die Szene beobachtet und über sie berichtet. Die Jugendweihe bzw. die Jugendfeier, wie sie beim Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) heißt, stellt ein bemerkenswertes und durchaus relevantes Thema im Zusammenhang mit Staatsakten dar, denn diese traditionellen Rituale belegen, dass es atheistische Zeremonien gibt, die von der Bevölkerung angenommen werden. Ein mögliches Argument, es fehle an Ritualkultur in der säkularen Szene, würde als ins Leere greifen.

Evangelischer Experte für Säkulares. Der Pfarrer Dr. Andreas Fincke sprach über Jugendweihen und Jugendfeiern.
An keinem Thema zeige sich die mentale Teilung Deutschlands so sehr, wie an diesem Ritual erklärte Fincke. Während man in den alten Bundsländern erklären müsse, warum es das noch gibt, sei im Osten erklärungsbedürftig, was es an der Jugendweihe denn zu erklären gäbe. Wenngleich die Landkarte der Jugendweihe die Karte der früheren deutschen Teilung nachzeichne, sei dies jedoch nicht ausschlaggebend für ihre aktuelle und künftige Bedeutung, erklärte Fincke. Entscheidend sei, dass sich ihr Charakter verändere. Sie habe in den vergangenen Jahren zunehmend an atheistischem Profil verloren und habe den Charakter eines „entpolitisierten Familienfests“ angenommen. Fincke konnte sich bei der Präsentation dieser Entwicklung einen moralisierenden Unterton nicht verkneifen. Aber ist die Frage, ob diese Tendenz tatsächlich ein Skandalon darstellt oder nicht vielmehr ein Erfolgsrezept sein kann. Denn wenn Finckes Beobachtung zutrifft – und einiges spricht dafür – dann nähert sich das Ritual der Jugendweihe an den Charakter der Konfirmation oder Firmung an. Denn auch diese werden zunehmend als traditionelles Familienfest, als familiäres Gewohnheitsritual vollzogen, ohne enge Bindung an die Kirche und deren politische Haltung.
Entscheidend für die säkulare Szene und ihre Bedeutung sei, ob die Säkularen künftig strukturell in der Lage sein werden, gute, lebensbejahende Angebote für Kinder und Jugendliche zur „weltanschaulichen Begleitung“ des Alltags zu machen. Andreas Fincke hätte an dieser Stelle die weltanschauliche Positionierung des Humanistischen Verbandes nicht betonen müssen, um dessen Rolle ins Bewusstsein zu rufen. Denn er scheint momentan die einzige Organisation in der säkularen Szene zu sein, der mit seinem Jugendverband und spezifischen Angeboten im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit in mehreren Bundesländern die Grundlagen für diese weltanschauliche Begleitung besitzt. Wie stark er diese betreibt, liegt im Entscheidungsbereich des Verbands. Sich dabei immer bewusst zu sein, dass er hier in Konkurrenz zu den beiden Kirchen und ihren zweifelsfrei weltanschaulich geprägten Angeboten steht, kann hier nicht schaden.
Die Ökumene wird falsch verstanden - statt Trauergottesdiensten braucht es Trauerfeiern

„Die intellektuelle Redlichkeit gebietet es, bei Katastrophen keinen ökumenischen Gottesdienst, aber durchaus eine ökumenische Trauerfeier abzuhalten!“
Humanisten, Freireligiöse und Freidenker bieten aber auch andere Übergangsrituale an, etwa Namensfeiern, Hochzeiten oder Trauerzeremonien. Diesen humanistisch geprägten Ritualen fehle es jedoch an Profil und Bekanntheit. Ursächlich sei dafür auch die institutionelle Schwäche der zersplitterten säkularen Szene, meinte Joachim Kahl. Was er an dieser Stelle nicht erwähnt ist das Fehlen von universitären Fakultäten, die sich, analog zu den theologischen Fakultäten, mit Fragen des Humanismus in seinen Dimensionen auseinandersetzen. Darunter würde auch die Profilierung dieser Übergangsrituale fallen. Da es an diesen aber ebenso fehlt wie an einer einheitlichen säkularen Szene, sei es immer wieder möglich, dass sich die alte Lehre der Ecclesia Triumphans, der streitenden und triumphierenden Kirche, immer wieder durchsetzen könne. Dies liege aber auch daran, dass ein falsches Verständnis von „Ökumenizität“ herrsche, erklärte Joachim Kahl. Die so genannten ökumenischen Gottesdienste bei Katastrophen und Schicksalsschlägen würden nicht der Bekundung menschlicher Anteilnahme gelten, sondern aufgrund der Einbettung in eine religiöse Feier die ungerechtfertigte Deutungshoheit der Kirchen über solche Ereignisse ins Auge nehmen. „Die intellektuelle Redlichkeit gebietet es, bei Katastrophen keinen ökumenischen Gottesdienst, aber durchaus eine ökumenische Trauerfeier abzuhalten!“ Denn bei einem ökumenischen Gottesdienst würde mit dem Gottesbezug eine „unzuständige Instanz“ in den Mittelpunkt eines Rituals gestellt werden, das von der bitteren Realität längst eingeholt sei, machte Kahl sein Anliegen deutlich. „Die schnöde Realität untergräbt alle theologischen Lehren mit Schutzengeln, Helfern und einem allmächtigen Gott.“
Wer Joachim Kahl kennt, der weiß, dass er der Frage nach einer humanistischen Spiritualität durchaus aufgeschlossen gegenüber steht. Und diese forderte er infolge auch ein. Es brauche einen weltlich-humanistischen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Trauerkultur, bei dem das reale Schicksal mit realen Menschen als Bezugs- und Angelpunkt im Zentrum einer solchen Feier stehen müsse. Dieser Beitrag könne ohne Spiritualität im Sinne der Selbstfindung und eines Mit-sich-selbst-Übereinstimmens kaum auskommen, auch wenn Trostlosigkeit manchmal nüchtern ausgehalten werden müsse.

Das "Nachdenken" im Veranstaltungstitel war durchaus wörtlich zu verstehen (hier Dr. Andreas Fincke)
Nach diesen Worten war es dann auch wenig verwunderlich, dass der studierte Theologe Kahl die Entwicklung eines weltlich humanistischen Begriffs der Seelsorge nach Wilhelm Schmid einforderte. Aufhorchen ließ diesbezüglich Kahls Bemerkung, dass der Humanistische Verband, den er hier in der Pflicht sieht, Bündnisse mit anderen schließen müsse, um dieses Projekt einer humanistisch-ökumenischen Trauerfeier umzusetzen, die Vertreter eines „provokativen Kampfatheismus bzw. Bürgerschreckatheismus“ dafür jedoch nicht infrage kämen. Kahl ist bekannt für seine kritische Position gegenüber den sog. neuen Atheisten um Richard Dawkins, denen er Selbstüberschätzung und „eine bodenlose Unkenntnis“ in Sachen Religion und Religionskritik, ihrer historischen Entwicklungen und ihrer inhaltlichen Komplexität vorwirft. Auch deren deutsche Vertreter Karlheinz Deschner und Michael Schmidt-Salomon hatte Kahl kritisiert.
Vom Ausbluten der Humanismuskultur oder: Warum es eine Dachmarkenkampagne Humanismus braucht?
Akademiedirektor Horst Groschopp warnte abschließend vor einer „Krise der Humanismuskultur“. Darunter versteht er das Fehldeuten von Geschichtskultur und in Konsequenz eine daraus resultierende Politik, die weder die Verdienste des Humanismus kennt, noch in der Lage ist, sie zu erkennen. Dazu kommt ein Phänomen, welches Horst Groschopp nicht konkret anspricht, während der Tagung aber immer wieder auftaucht – die Umdeutung der humanistischen Kultur, die im Modewort der Sakralisierung aktuell ihren Niederschlag findet. Der Philosoph Hans Joas reüssiert momentan im deutschen Feuilleton mit seinem Essay zur Sakralisierung der Person, in dem er die Genealogie der Menschenrechte in einen christlich-religiösen Kontext zu stellen sucht. Der konservative Kulturjournalismus jubelt, wenngleich Joas sprachlich-dialektische Argumentation auf hohem Niveau aufgrund des fehlenden Realitätsbezugs eher hemdsärmelig daherkommt.

Nicht immer einer Meinung, aber stets einander zuhörend. Dr. Dr. Joachim Kahl (links) und Akademiedirektor Dr. Horst Groschopp
Wie kann man so etwas verhindern? Groschopp schlägt drei Dinge vor. Um der grundsätzlichen Fehldeutung von gelebter Geschichte zu verhindern, solle ein staatlich finanziertes Projekt die humanistischen Beiträge zur Geschichtskultur ergründen. Um dies im politischen Zentrum Deutschlands stärker in die Köpfe zu bringen, fordert er eine sichtbare Verankerung der Ursprünge des Humanismus im Berliner Stadtbild. Und nicht zuletzt forderte er eine Humanismusausstellung, ähnlich der Dachmarkenkampagne zum Lutherjahr 2017. Doch wer soll das Fordern? Und wer wissenschaftlich begleiten? Auch hier wird das Fehlen eines oder mehrerer Humanismuslehrstühle schmerzlich bewusst.
Brav lauscht der Säkulare den lächerlichen Ausführungen der Kirche. Und schweigt.
Die anschließende Podiumsdiskussion brachte nicht wirklich zusätzliche Erkenntnis, zumal die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche Petra Bahr nicht erschien. Bemerkenswert, und daher hier auch nicht zu unterschlagen, war allerdings der Auftritt des Weltanschauungsbeauftragten der Erzdiözese München, Axel Seegers. Ganz selbstverständlich forderte er die Achtung christlicher Werte bei Staatsakten ein, da es keine anderen gemeinsamen Werte gebe, die unsere Gesellschaft zusammenhielten. Grundgesetz, BGB und StGB als gesellschaftliche Leitlinien – im Kopf von Axel Seegers offenbar irrelevant.
Umso befremdlicher war es dann, als der Katholik Seegers aus der Position eines Mitglieds einer die Staatsakte maßgeblich beeinflussenden Organisation süffisant die in der Tagung an den Horizont gezeichnete Konkurrenz annahm, um Humanisten und Atheisten einzuladen, mit der katholischen Kirche „um das Bessere zu ringen“. Dieser Bemerkung vorangegangen war die ebenso lächerliche, wie abschätzige Behauptung Seegers, dass er „erst kürzlich“ offizielle Zahlen eingesehen hätte, denen zufolge der Bevölkerungsanteil der Atheisten bei etwa zwei Prozent liege, wenn man alle Schamanen, Esoteriker und andere Nicht-Christen abziehe. Nur lachte keiner der Anwesenden Gäste, obwohl diese Absurdität ausreichend Anlass geboten hätte. Angesprochen darauf, um was für eine Statistik es sich dabei handele, wies er unspezifisch auf das Statistische Bundesamt hin. Eine solche Statistik ist dort jedoch nicht zu finden. Seine Behauptung blieb ohne großen Widerspruch im Raum stehen – ein Ärgernis, welches die aus einer schüchtern-zuvorkommenden Grundhaltung resultierende Schwäche der anwesenden Humanisten deutlich machte.

Bis in die späten Abendstunden wurde in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin rege diskutiert und argumentiert.
Bilanzierend kann man feststellen, dass es in einer entstehenden Weltgesellschaft weniger um mehr oder weniger festgezurrte Rituale gehen muss, als vielmehr um verlaufs- und ergebnisoffene Verfahren, will man das Zusammenleben der Menschen friedlich organisieren. Für solche Verfahren haben Humanisten formal die besten Voraussetzungen, institutionell und strukturell sind diese aber noch weit im Hintertreffen gegenüber den Kirchen. Und solange staatliche Institutionen und Würdenträger nicht willens sind, ihre Haltung zu Staatsakten kritisch zu überdenken, wird sich daran wohl kaum etwas ändern. Statt „Helm ab zum Gedenken!“ wird es dann noch lange heißen: „Helm ab zum Gebet!“
Nachtrag: Die von Jürgen Hartmann aufgestellte Liste zur staatlichen Rangfolge wird übrigens in keinem einzigen Regierungsdokument aufgeführt. Kommt es aber zu Staatsakten, wird stets auf Hartmanns Aufstellung zurückgegriffen. Wie kommt der Präsident bzw. die Präsidentin des HVD dann in diese Liste? Horst Groschopp stellte diese Frage, eine Antwort erhielt er nicht. Aber vielleicht sollte der Verband demnächst einfach mal bei Jürgen Hartmann anfragen, ob er die Humanisten in einer möglichen Neuauflage seines Staatszeremoniell-Buches nicht auch berücksichtigen will.
Die nächste Veranstaltung der Humanistischen Akademie widmet sich dem Thema Laizismus und Gleichbehandlung und findet am Freitag und Samstag, den 2./3. Dezember 2011 in Berlin statt.










