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Fehlt es an einer Humanistischen Symbolik

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Taugt der "Happy Human" als säkulares Symbol? Ein Vorschlag des HVD-Hessen fordert die Verwendung des internationalen Symbols. Erste Reaktionen sind verhalten, eine ähnliche Initiative scheiterte bereits 2007.
Donnerstag, 24. März 2011

Die Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte kamen in Ihrem Urteil zum Fall Lautsi zu der Feststellung, dass das Kreuz in den Klassenzimmern nicht vordergründig ein religiöses Symbol sei, sondern darüber hinaus auch für die westliche Demokratie und Zivilisation stehe. Man kann davon halten, was man will, aber diese Äußerung zeigt auch deutlich, dass es scheinbar an einer säkularen Alternative zum Kreuz als Symbol für die westliche Zivilisation, Aufklärung und Menschenrechte fehlt.

Die Säkularen diskutieren nun zweierlei. Zum einen, ob es sich bei dem Urteil um einen Erfolg der Kirchenlobby oder eher um ein Phyrrussieg handelt und zum anderen, ob dem Kreuz nicht ein humanistisches, säkulares oder atheistisches Symbol entgegengesetzt werden sollte.

Humanistische Symbolik

Säkulare auf der Suche nach einem Symbol.

Nun liegt ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch. Dieser sieht die Lösung in der einheitlichen Verwendung des international verwendeten "Happy Human"-Symbols an. Dieses soll nach Vorschlag des Landesvorsitzenden des HVD-Hessen Carsten Werner neben den bereits etablierten Organisationslogos in allen Veröffentlichungen, Webseiten, Werbebroschüren, Büchern und Zeitschriften der säkularen Organisationen auftauchen. Damit will Werner das Problem der fehlenden Wahrnehung eines gemeinsamen Wertekonsens lösen. Bisher "wurde unterlassen, zusätzlich [...] eine Symbolik zu pflegen, die einen sei es auch nur groben humanistischen Wertekonsens widerspiegelt", schreibt er in einer E-Mail an die Verantwortungsträger für Öffentlichkeitsarbeit in den einzelnen Organisationen.

Von einer einheitlichen Verwendung des Symbols verspricht sich Werner eine einheitliche Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. "Das 'Happy Human' symbolisiert dann so eine sichtbare gemeinsame Wertebasis, ohne die bestehenden Unterschiede in Details, Schwerpunkten oder Vorgehensweisen einzuebnen oder die Eigenständigkeit in Frage zu stellen. Ferner muss es dahingehend ein Angebot an 'Devotionalien' geben und es wird versucht, diesem Symbol auch im öffentlichen Raum in Konkurrenz oder Ergänzung zum Kreuz Geltung zu verschaffen."

Die ersten Reaktionen der Organisationen sind noch verhalten. Der Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS) Michael Schmidt-Salomon sagte gegenüber diesseits, dass so ein Symbol sicher "hilfreich" wäre, ob es allerdings das "Happy Human"-Symbol sein müsse, ließ er offen. Denkbar wäre aus Sicht der GBS auch eine Symbolik nach dem Vorbild der "menschlichen Proportionen von Vitruv" von Leonardo da Vinci. Angelehnt an diese hatte der Chefredakteur des Humanistischen Pressedienstes Dr. Carsten Frerk bereits vor vier Jahren einen Anlauf gestartet. Die jeweiligen Verbände sollten nach seinem Vorschlag das da-Vinci-Symbol in ihrer jeweiligen Verbands Organisationsfarbe erhalten und verwenden. Thomas Bailly vom Berliner Landesverband der Deutschen Freidenker meinte, dass die säkularen Verbände doch bereits unter dem Dach des KORSO versammelt seien. Das Logo des KORSO könne problemlos auch als gemeinsames Logo verwendet werden, sagte Bailly gegenüber diesseits. Eine Reaktion der anderen Verbände steht noch aus, aber sollte der Vorschlag die 2007 bereits einmal geführte Diskussion noch einmal anstoßen können, wird diesseits darüber berichten.