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Hetzseite kreuz.net: Alter Hass in neuem Glanz

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Einige Beobachter hatten es schon vermutet. Ein Nachfolger zum Anfang Dezember abgeschalteten Hassportal kreuz.net werde nicht lange auf sich warten lassen. Nun ist es da, angekündigt für eine „Zeit der Überbrückung bis zum Wiederaufstehen des Projektes“. David Berger sieht jetzt die katholische Kirche in der Pflicht zum Handeln.
Freitag, 4. Januar 2013
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Gegner des einstigen kreuz.net könnten aber auch überrascht sein, denn die neue Seite, welche seit wenigen Tagen unter der Domain und dem Namen kreuz-net.info firmiert, weist ein Impressum aus. Herausgeber und Inhaber der neuen Seite ist demnach ein Günther Schneeweiß-Arnoldstein aus Wien, der sich seit langem in der erzkonservativ-reaktionären Medienszene betätigt.

Unter anderem wirkt Schneeweiß-Arnoldstein an der in Graz erscheinenden Quartalszeitschrift „Neue Ordnung“ mit, betreibt die bei der österreichischen LGBT-Bewegung bereits einschlägig bekannte Webseite coleurstudent.at und ist Unterstützer der Zeitschrift „Weiße Rose“, die sich als ein „seit dem Jahr 1988 erfolgreich existierendes Experiment konservativer und Katholischer Publizistik“ beschreibt.

Laut Auskunft der Registrierungsstelle wurde die Domain am 21. Dezember 2012 registriert, insgesamt sieben Beiträge weist die neue Seite bislang aus.

Der Inhaber macht aus seinen Ambitionen keinen Hehl, wie eine Ankündigung auf der von ihm betriebenen Seite coleurstudent.at zeigt: kreuz-net.info sei ein „Trostpflaster“ für das verschwundene Original, zu dessen „Beitragsqualität“ der Autor auf ein kolportiertes Zitat eines Aachener Pfarrers verweist: „In Rom ist es so üblich, daß man morgens, bevor man die Fensterläden aufmacht, erst mal 'kreuz.net' liest, um zu sehen, was es in Deutschland Neues gibt.“ Ferner heißt es, dass Autoren und Informationsgeber von kreuz.net „herzlich willkommen“ seien.

Die wenigen bisherigen Einträge zeigen, dass Schneeweiß-Arnoldstein auch konkret an die „Beitragsqualität“ des ursprünglichen kreuz.net anknüpfen will: Kampfschwule, Sodomie, AIDS-Schleudern, Gaystapo – Das Begriffsrepertoire schließt nahtlos an die Rhetorik der früheren Hassseite an. Auch der Antisemitismus findet sich schon in den wenigen Einträgen wieder. So wird die in Wien erscheinende Tageszeitung Der Standard als „jüdische, antikatholische“ Publikation bezeichnet.

Ob mit dem Versuch der Neubelebung von altem Hass in neuem Glanz an frühere Zeiten angeknüpft werden kann, bleibt fraglich. Bischöfe der katholischen Kirche hatten in den vergangenen Wochen wiederholt öffentlich erklärt, dass Autoren in Diensten der Kirche mit ernsthaften Konsequenzen zu rechnen hätten.

Wenig glaubhaft zwar, denn die aufgedeckte Verbindung des Pfarrers Hendrick Jolie aus dem Bistum Mainz blieb ohne dienstrechtliche Folgen. Jolie habe schließlich bereut, Texte an das seit langem als verfassungsfeindlich eingestufte kreuz.net geschickt zu haben. Kardinal Karl Lehmann, Bischof von Mainz, wollte auch nach dem Ende von kreuz.net keine Hassprediger erkannt haben und rief die Gegner von kreuz.net zu einer „Gewissenserforschung“ auf. Weshalb zuletzt auch der Journalist Rudolf Neumaier dem Vorgehen  der geistlichen Hirten in der Süddeutschen Zeitung attestierte: „Der katholische Spuk geht weiter, und die Kirche schaut wieder zu, wie Extremisten an den Normen rütteln.“

Der Hostingdienstleister netclusive GmbH im rheinland-pfälzischen Montabaur, über den die Domain registriert wurde, verwies auf Anfrage auf die Verantwortlichkeit der Seitenbetreiber für über kreuz-net.info verbreitete Inhalte. „Sollten wir zum Schluss kommen, dass die Internetseite gegen öffentliches Recht verstößt oder netclusive durch die Bereitstellung seiner Leistung an den Vertragspartner ein Schaden entsteht, werden wir nach Vorankündigung an den Vertragspartner die Inhalte zu entfernen, die Seite bis auf weiteres sperren.“

David Berger, Leiter der Kampagne Stopptkreuznet des Bruno Gmünder Verlages, die zur Abschaltung der früheren Seite geführt hatte, sieht im neuen Betreiber Schneeweiß-Arnoldstein derzeit zunächst jemanden, „der von dem Ruf von kreuznet profitieren und sich als legitimer Erbe darstellen will“. Berger weiter: „Da die Kommentarfunktion nicht da ist, schätze ich mal, wird die Seite niemals den Rang von kreuz.net bekommen.“ Wichtig sei nun auch, das Verhalten der Kirche zu verfolgen: „Jetzt wird sich zeigen, ob man schnell handeln möchte oder wieder warten will, bis es beschämend wird.“