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Samsung unter Verdacht: Bauen Kinder Handys für Kinder?

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Laut einer Meldung des Spiegels erhebt die Nichtregierungsorganisation China Labor Watch mit Sitz in New York gegen den Elektronikhersteller Samsung schwere Vorwürfe. Bei der Produktion in China sollen Kinder als Billiglöhner missbraucht werden. Nach seiner Prozessniederlage gegen Apple ist dies die zweite Hiobsbotschaft innerhalb weniger Wochen für den unter Druck geratenen Marktführer in der Smartphone-Sparte.
Freitag, 7. September 2012
IFA 2012

Auf der IFA werden die neuesten Technik-Highlights präsentiert | Foto: Töns Wiethüchter

In sechs  Fabriken sollen „gefährliche Arbeitsbedingungen" herrschen und die Arbeiter mit „ungültigen Arbeitsverträgen" ausgestattet sein. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, Kinder als Arbeiter zu missbrauchen. Angeblich würden die Kinderarbeiter direkt von ihren Schulen vermittelt und von ihren Lehrern zur Fabrikarbeit gezwungen werden. Andersfalls würden sie keine Abschlusszeugnisse erhalten. Der Elektronik-Konzern hat laut Spiegeleine Überprüfung der Vorwürfe angekündigt. „Wir kennen den Bericht von China Labor Watch und analysieren die Situation vollständig."

Anscheinend wurde dem Spiegel der brisante Report, der Samsung eine Art modernen Sklavenhandel vorwirft, exklusiv zugestellt. Eine Veröffentlichung wird im Laufe der Woche erwartet.

Die investigativ operierenden NGO hatte bereits in einem Anfang August veröffentlichten Report herausgefunden,  dass „die Praxis der Kinder-Leiharbeit verbreitet" sei. Mitarbeiter arbeiteten im Juni und Juli 2012 als verdeckte Ermittler in der chinesischen Fabrik HGE Electronics in Huizhou, die direkt für Samsung, aber auch für Motorola und LG produziert. Dabei konnten sie sieben unter 16-jährige Kinder identifizieren und teilweise interviewen.  In der Veröffentlichung Samsung's supplier factory exploiting child labor prangern sie neben der Kinderarbeit unzumutbare Missstände an: Die Studenten und Schüler würden nur etwa 70 Prozent der üblichen Gehälter bekommen. Auch gebe es keine Bezahlung im Krankheitsfall. Mehr noch: Bei einem Arbeitsunfall würden notwendige medizinische Maßnahmen verweigert werden. Die teilweise Minderjährigen oder Kinder hätten keinen Kündigungsschutz. Im Falle der Entdeckung eines Kinderarbeiters durch Inspektoren müsste der Heimatort eine Strafe zahlen. Außerdem leisteten auch die Minderjährigen exzessiv Überstunden: Statt der offiziellen Fünf-Tage-Woche mit einer Arbeitszeit von acht Stunden pro Tag arbeiteten sie an sechs Tagen je elf Stunden. Laut dem Bericht sind acht Schulen in den Kinder- und Studentenhandel verwickelt und ihre Lehrer für die Rekrutierung und Bezahlung der Kinderleiharbeiter verantwortlich.

Smartphone oder Qualphone

Samsung ist nicht der erste Elektronik-Riese, dem unzumutbare Zustände bei der Produktion vorgeworfen werden. Mit Apple wurde auch die teuerste Marke der Welt mit schlechten Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken des Zulieferers Foxconn konfrontiert. Im Mai 2010 rückte eine Selbstmordwelle in den Fokus der Öffentlichkeit, deren Ursache nie geklärt, die aber mit den dortigen Arbeitsbedingungen in Zusammenhang gebracht wurde.  Beide Konzerne, Samsung und Apple, jagen seit geraumer Zeit von einem Rekordgewinn zum nächsten. Es bleibt der Verdacht, dass die hohen Gewinnmargen insbesondere bei den hochpreisigen Smartphones auch den schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen in den chinesischen Fabriken geschuldet sind.