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Was denken säkulare Humanisten über Papst Franziskus?

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Charmeoffensive aus der katholischen Kirche: Seit seiner Wahl zum Papst hat der Argentinier und Jesuit Jorge Mario Bergoglio Gläubige und Nichtgläubige gleichermaßen überrascht. Papst Franziskus gibt sich bescheiden und verzichtet auf Prunk, erinnert deutlich an das Leiden von armen und kranken Menschen. Humanisten sind trotzdem teilweise zutiefst skeptisch.
Dienstag, 26. November 2013
Foto: © C.H. Beck

Foto: © C.H. Beck

Herbert Schnädelbach, Philosoph und Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie

Von Papst Franziskus gehen Impulse aus, die man sich auch als Außenstehender schon viel früher gewünscht hätte. Ich glaube aber nicht, dass sie in absehbarer Zeit zu greifbaren Reformen führen werden. Die Trägheit dieses uralten Riesentankers und der Widerwille seiner Besatzung - vor allem der außereuropäischen - gegenüber wirklichen Veränderungen sind einfach zu stark. Der absurde Pflichtzölibat, für den es keine theologische Begründung gibt, der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt, die weltfremde und sozial unveranwortliche offizielle Sexualmoral und anderes mehr belegen das halsstarrige Verharren des vatikanischen Systems in der Prämoderne. Um das zu ändern bedürfte es vor allem einer inneren Demokratisierung der Kirche, die der Protestantismus seit bald 500 Jahren vorexerziert hat.