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Vegan für Anfänger: Einkaufen mal anders

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Der zweite Bericht über den Selbstversuch am eigenen Gaumen und Magen zeigt, wie der Besuch eines gewöhnlichen Lebensmitteldiscounters das vorweihnachtliche Veganismus-Experiment auf eine erste harte Probe stellen kann.
Montag, 5. November 2012
Vegan einkaufen: Am Anfang gar nicht so einfach. Foto: silence / 123RF Stock Foto

Vegan einkaufen: Am Anfang gar nicht so einfach. Foto: silence / 123RF Stock Foto

Die wichtigste Frage, welche sich bei einer veganen Ernährung stellt: Was darf ich überhaupt noch essen? Zuerst hieß es für mich jede Menge Bücher, insbesondere Kochbücher, sowie das Internet zu durchforsten. Denn was Veganer nicht essen dürfen: Fleisch, Fisch, Eier, sämtliche Milchprodukte – das war mir klar. Was gibt es aber für Alternativen?

Glücklicherweise habe ich feststellen können, dass ich mich die nächsten vier Wochen nicht nur von Salat ernähren werde. Denn zu jedem „verbotenen“ Produkt für Veganer gibt es mittlerweile hervorragende Äquivalente, die sie so ziemlich alle durch Soja ersetzen können. Das gilt sogar für Fleischprodukte.

Die eigene Ernährung gut zu planen und sie vielfältig und abwechslungsreich zu gestalten ist wichtig, damit keine Mangelerscheinungen auftreten. Punkt eins, welcher also festzuhalten ist, ist, dass eine gute Lebensmittelkenntnis vorhanden sein muss!

Der erste Einkauf fiel mir tatsächlich ziemlich schwer und hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen.  Ich hatte mir zwar eine Liste angefertigt mit den Dingen, die ich brauche. Allerdings war es trotzdem schwer an den Lebensmitteln vorbeizugehen, die ich früher gerne gegessen habe: Schokolade, Pudding oder auch das geliebte Steak. Insgeheim hatte ich gehofft, dass noch ein oder zwei meiner Lieblingssachen übrig bleiben würden. Naja, bis auf das Steak.

Trauriges Resultat meiner ersten Untersuchung war, dass grob geschätzt 80 bis 90 Prozent der angebotenen Produkte in Lebensmittelläden für Veganer tabu sein sollten. Dabei gilt: Je stärker die Lebensmittel verarbeitet wurden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie für Veganer ungeeignet sind.

Die Einkaufsliste: Oliven-, Leinsamen-, Walnuss-, Rapsöl Ÿ* Tofu, am besten in rauen Mengen und verschieden zubereitet: Natur-, Räuchertofu etc. Ÿ* Kichererbsen und Erbsen, aus der Dose oder getrocknet *Ÿ Sämtliche Bohnensorten – oder so viele, wie Sie bekommen können *Ÿ Amaranth  *Ÿ Quinoa *Ÿ Mandel-, Erdnuss-, Cashew- und Sesammus Ÿ* Vollkornreis und Nudeln, die Nudeln dürfen kein Ei enthalten! Ÿ* Grüner Tee, Matcha Tee Ÿ* Kurkuma und viele weitere Gewürze, am besten geeignet sind Kräuter in Töpfen Ÿ* Sojabutter Ÿ Soja-, Hafer- und Reismilch* Ÿ Agavendicksaft, als Zuckerersatz Ÿ* Vollkornmehl Ÿ* Kakao Ÿ* Mandeln, Sonnenblumenkerne, Lein- und Kürbissamen Ÿ* Tomatenmark Ÿ* Knoblauch und ZwiebelnŸ * Nüsse jeder Sorte – sofern Sie nicht allergisch darauf sind

Der Grund ist, dass die Hersteller nicht alles deklarieren müssen bzw. dies versteckt tun. Auch wenn darauf steht „natürliche Aromen“ können diese tierischer Herkunft sein und dies lässt sich im Supermarkt nicht überprüfen. Auch bestimmte sogenannte „E-Stoffe“, z.B. E 120 (Echtes Karmin) oder E 901 (Bienenwachs) sind tierischer Herkunft. Da man nicht alle 316 in Europa zugelassenen E-Stoffe kennen kann, lässt man diese aus der Ernährung weg. Zumal man auch nicht weiß, wie gesund diese Zusatzstoffe wirklich sind.

Ein weiteres Problem ist, dass man nicht alle benötigten Grundzutaten einer veganen Ernährung in einem Geschäft findet. Man muss bedenken, dass meine derzeitige Heimatstadt Greifswald ist. In Berlin, Hamburg oder anderen Großstädten mag dieser Umstand anders aussehen. Zum Glück handelt es sich dabei um Zutaten, die man auf Vorrat kaufen kann, weil diese für lange Zeit haltbar sind. Einen Vorteil hatte die Sache aber doch:  Man schwingt sich dabei auf sein Fahrrad und fährt von Laden zu Laden. Damit ist zu mindestens gleich noch die tägliche Dosis Sport abgegolten.

Sojamilchreis in Kokosraspeln gewendet mit Zimtkirsche

Delikates Dessert: Sojamilchreis in Kokosraspeln gewendet mit Zimtkirsche.

Erschrocken habe ich mich auch über die Preise. Viele Lebensmittel sind doch etwas preisintensiver, zumal gerade die Sojaprodukte nur in Bioqualität erhältlich sind. Für meinen ersten Einkauf habe ich schließlich rund 100 Euro ausgegeben. Wenn man aber bedenkt, dass die Zutaten über einen langen Zeitraum haltbar sind und man nicht allzu viel davon benötigt, relativieren sich die Kosten schnell.

Das einzige was nun noch hinzugekauft werden muss, ist frisches Obst und Gemüse. Man darf nicht vergessen, dass der Vegetarismus und erst recht der Veganismus gerade in den etwas ländlicheren Regionen noch Randphänomene sind. Produkte wie z.B. Fleisch und Milch werden zusätzlich massiv subventioniert, was der „normalen“ Ernährung einen enormen Vorteil verschafft, allerdings auch den Wettbewerb verzerrt. Auf diesen Punkt werde ich später noch genauer eingehen.

Zugegeben gestaltete sich der erste Einkauf also als recht schwierig und ganz schön kostenintensiv. Ich sehe es aber als Investition und hoffe jetzt, sie lohnt sich auf längere Sicht hin und wieder einmal.