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Vegan für Anfänger

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Rehrücken, Entenbrust, Schweine-, Puten- und Gänsebraten: In einem Monat beginnt für die meisten Menschen die Weihnachtszeit. Und mit ihr wieder das große Fressen. Grund genug, um eingeübte Ernährungsgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Zum Weltvegantag ein erster Bericht über ein Experiment mit dem eigenen Gaumen.
Donnerstag, 1. November 2012
© Liddy Hansdottir - Fotolia.com

© Liddy Hansdottir - Fotolia.com

„Oh je du fröhliche“  – so klingt es für mich, wenn ich daran denke, dass in weniger als zwei Monaten wieder „das große Fressen“ beginnt. Andere bezeichnen diese Zeit auch als Fest der Liebe und Besinnlichkeit. Die Rede ist von Weihnachten. Aber denken Sie, ich übertreibe?

Nun ich bin mir sicher, dass viele Menschen sich darüber freuen die Verwandten wiederzusehen, Zeit mit der Familie zu verbringen oder einfach nur froh sind ein paar Tage frei zu haben. Doch mal abgesehen von den Feiertagen und dem traditionellen Kirchenbesuch vieler Christen und vor allem der W(eihnachts)-Christen ist Weihnachten für viele Menschen eine sehr anstrengende Zeit.

Auch abgesehen vom heutigen Konsumterror, der viele Eltern und Ältere verzweifeln lässt, nötigen wir unsere Körper oft zur Ausführungen von Bewegungen, welche sich nur noch zwischen Herd, Esstisch und der gemütlichen Couch im Wohnzimmer abspielen. Und wir führen ihm Nahrungsmengen zu, die in keinster Weise mehr gesund sind.

Ich erinnere nur an den Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen, ein weitverbreitetes traditionelles Essen am sogenannten Heiligen Abend. An die Feiertagsbraten, bei denen wir uns mit unseren Liebsten um aufwändig verarbeitete Körper von Gänsen, Puten und Enten versammeln. In der Mitte unserer Tafeln präsentieren sich den leuchtenden Augen die Teile der Körper von Schweinen, Kühen und anderen Paarhufern. Von den Unmengen an Süßigkeiten mal ganz abgesehen.

Sicher kann man sagen, dass es sich hierbei um Feiertage handelt und da darf man auch mal großzügiger sein. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch bedenken wir wieder einmal zwei Dinge.

Erstens sind wir in unserer heutigen Zeit, insbesondere in den westlichen Industrienationen, überversorgt mit Nahrungsmitteln, die teilweise so intensiv verarbeitet sind, dass eine Mahlzeit ausreicht um seinen Energiebedarf für den gesamten Tag zu decken. Das Argument, dass es sich bei Weihnachten um Feiertage handelt, verliert dabei sehr schnell seine Glaubwürdigkeit. Zweitens gibt es zu jeder Mahlzeit an den Festtagen Fleisch. Kann das wirklich gesund sein?

© Svenja98 - Fotolia.com

Gänsebraten: Traditioneller Mittelpunkt vieler Festtafeln. © Svenja98 - Fotolia.com

Ich habe mir daher die Frage gestellt: Gibt es nicht auch gesündere bzw.  leichtere, aber dennoch absolut köstliche Gerichte um über die Festtage zu kommen?  Es geht! Zumindest suggerieren es mir rund  acht Millionen Vegetarier und knapp 800.000 Veganer in Deutschland.

Was ist also dran an dieser fleischlosen Ernährung? Und kann diese Form der Ernährung wirklich eine Alternative sein? Nicht nur für die kommenden Festtage. Wenn man den Begriff „Vegetarier“ oder noch schlimmer „Veganer“ hört, assoziiert man als erstes Menschen, die meinem Essen – also den Tieren – das Essen weg essen. Einige denken an Leute, die in schmuddeligen Baumwollklamotten und Rasterzöpfen umher rennen. Leicht wird der Eindruck erzeugt, dass es einige Menschen nicht aus den 70igern in die moderne Zeit geschafft haben und immer noch glauben, dass man mit Blumen und Liebe die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern kann.

Beschäftigt man sich jedoch genauer mit dieser Thematik, stellt man relativ leicht fest, dass es tatsächlich ganz normale Menschen sind wie du und ich, welche in der Normalbevölkerung nicht mehr auffallen. Selbst in der Antike wurde Vegetarismus schon thematisiert und heute bekennen sich berühmte Persönlichkeiten als Vegetarier bzw. Veganer, darunter Peter Singer, Alyssa Milano oder Kate Winslet. Bill Clinton ernährt sich sogar fast ausschließlich nur noch vegan.

In diesem Zusammenhang haben mich meine wissenschaftliche Neugier und der Ehrgeiz gepackt. Was ist dran an dieser fleischlosen Ernährung?  Sowohl von Seiten der Pflanzen- als auch der Fleischfresser werden mittlerweile „Glaubenskriege“ geführt, welche Form der Ernährung nun besser ist. Teilweise gelten gar keine Argumente mehr, sondern mit Beschimpfungen und Beleidigungen (von beiden Parteien!) wird gegeneinander angegangen.

Daher habe ich angefangen, tiefer in die Materie vorzudringen und mich mit diesen Arten der Ernährung genauer beschäftigt. Ich habe mich nach einer Weile dazu entschlossen, die vegane Lebensform auszuprobieren. Grund ist, dass ich während meines bisherigen Lebens noch nie viel Fleisch gegessen habe und in den letzten Monaten meinen Fleischkonsum sowieso auf ein Minimum – maximal noch einmal die Woche Fleisch – reduziert hatte. Weiterhin habe ich mich auf einen Zeitraum von 30 Tagen beschränkt. Vorerst geht es ja nur um ein Experiment.

Ein Anfang ist gemacht: Moussaka Reloaded, 20 Minuten Zubereitungszeit.

Ein Anfang ist gemacht: Moussaka Reloaded, 20 Minuten Zubereitungszeit.

Für mich stehen vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie ist es möglich im Alltag die vegane Ernährung umzusetzen, ohne jeden Tag nur an grünen Salatblättern herumzukauen? Wie reagiert meine Umwelt auf die Entscheidung mein Leben radikal umzustellen? Gibt es positive Effekte auf meine körperliche Gesundheit und mein mentales Wohlbefinden? Ist der Veganismus eine dauerhafte Alternative? Kann ich die Welt durch mein Verhalten wirklich zum Positiven verändern? Gibt es überhaupt leckere Gerichte, die einem den Veganismus schmackhaft machen?   

Diese und viele weitere Fragen möchte ich in den nächsten vier Wochen untersuchen – auch wenn es sich dabei um keine grundlegende, umfassende wissenschaftliche Arbeit handelt. Es ist ein Versuch am eigenen Gaumen und Magen. Ich möchte Sie dennoch einladen, daran teilzunehmen und mich bei meinem Experiment zu begleiten.

Hierzu werde ich mich in regelmäßigen Abständen berichten, wie meine persönlichen Erfahrungen mit dieser Form der Ernährung sind und was noch viel wichtiger ist: Was gibt es zu essen und schmeckt dies auch? Ich selbst bin gespannt wie sich mein Leben im nächsten Monat ändert. Und wie wird es danach weitergehen?

Wie bei einem Experiment im Labor weiss man nie, was am Ende wirklich dabei herauskommt und gerade das macht es so spannend. Entweder man entdeckt etwas ganz tolles oder man muss die Sache verwerfen und von neuem beginnen. Seien Sie also gespannt, denn ich bin es erst recht.