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25 Jahre GWUP: Skeptiker feiern Geburtstag

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Im hessischen Roßdorf wurde am Samstag ein Vierteljahrhundert erfolgreicher Arbeit für Skepsis, wissenschaftliches Denken und Aufklärung gefeiert. Drei Skeptiker äußerten sich für uns über Prognosen und Trends für die kommenden Jahre. Voodoo, Homöopathie und alternative Heilverfahren könnten demnach als Arbeitsgebiete an Bedeutung weiter zunehmen.
Samstag, 13. Oktober 2012
Jubiläums-Logo der GWUP

Jubiläums-Logo der GWUP

Eine über 1200 Mitglieder starke Lobby für Wissenschaft und Vernunft samt Informationszentrum, Zeitschrift und vielfacher Vertretung im Internet – darauf konnten die Skeptikerinnen und Skeptiker der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften am Wochenende blicken, als das 25-jährige Jubiläum der am 11. Oktober 1987 in Roßdorf gegründeten Organisation gefeiert wurde.

Nach der Mitgliederversammlung gab es Vorträge langjährig aktiver Skeptiker, bei denen unter anderem der GWUP-Vorsitzende Amardeo Sarma und der GWUP-Chefreporter Bernd Harder Rück- und Einblicke in die Entwicklung des organisierten Skeptizismus präsentierten.

Zahlreiche Glückwünsche konnten die GWUP-Mitglieder derweil auf dem hauseigenen Blog und auch via Twitter entgegennehmen. Dort gratulierten sich Fans und Angehörige der GWUP im Laufe des Tages ausführlich und veranstalteten mit Hilfe des Twitter-Hashtags #fellowskeptic einen unterhaltsamen Empfehlungsmarathon zu den interessantesten Kanälen für skeptische Twitter-Nutzer.

Auch von den Betreibern des populären Verbraucherschutzportals psiram.com kamen Worte des Dankes für die geleistete Arbeit, wobei diese Befürchtungen äußerten, „dass eine Lobby für kritisches Denken in Deutschland auch immer nötiger wird“. Esoterische Phänomene und andere Produkte unwissenschaftlichen Denkens und der kommerziellen Scharlatanerie seien in der Mitte der Gesellschaft wie den Hochschulen, der Medizin und Politik längst angekommen, hieß es. „Das wird sich auch bestimmt in den nächsten 25 Jahren nicht ändern – eher verschlimmern, wenn man nicht kraftvoll dagegen hält.“

Das hat die GWUP in den letzten Jahren aktiv getan, wie nicht nur an diversen besucherreichen Symposien, internationalen Skeptikerkonferenzen und anderen weltweit beachteten Aktionen zu sehen war.

Unter anderem die homöopathiekritische Aktion 10:23 im Frühjahr 2011 sorgte für breite Medienresonanz. Die vehemente Kritik an pseudowissenschaftlichen Publikationen der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder führte neben breiter Berichterstattung zur Empfehlung der Brandenburgischen Hochschulstrukturkommission, das dortige Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften zu schließen. Vor wenigen Monaten konnte außerdem die Gründung der Skeptiker Schweiz gefeiert werden, womit Skeptikerinnen und Skeptiker nun offiziell im gesamten deutschsprachigen Raum vertreten sind.

Anlässlich des Jubiläums verrieten drei langjährige Mitglieder und aktive Unterstützer der GWUP-Arbeit, was sie als Skeptizismus-Trends in den kommenden Jahren beurteilen und was sie für die Zukunft erwarten.

Ulrich Berger, Professor für Volkswirtschaft an der WU Wien und Gründungsmitglied der österreichischen Gesellschaft für kritisches Denken, Angehöriger des GWUP-Vorstands und „kritisch gedacht“-Blogger. GWUP-Mitglied seit 2005.

Ich denke, die Kreationismus-Thematik wird in Europa keine große Rolle spielen. Uralt-Themen wie Wünschelruten oder Pendel werden vermutlich langsam an Bedeutung verlieren, während Voodoo-Technik, z.B. Anhänger oder Armbänder mit gespeicherten „Frequenzen“ und "Energien" nach vorne rücken wird. Alternativmedizin mit dem Flaggschiff Homöopathie wird wohl leider ein Dauerbrenner bleiben.

Rainer Rosenzweig, promovierter Mathematiker, Gründer der Regionalgruppe Mittelfranken, früheres Vorstandsmitglied der GWUP und ehrenamtlicher Geschäftsführer des turmdersinne in Nürnberg. GWUP-Mitglied seit 1990.

Die Öffentlichkeit scheint bereits akzeptiert zu haben, dass es so etwas wie „alternative“ Heilverfahren gibt. Ein fataler Irrtum: Entweder, eine Methode wirkt, dann kann sie als „Heilverfahren“ gelten. Oder nicht, dann ist es grob irreführend, sie als „Alternative“ zu bezeichnen. Skeptizismus ist für mich die Haltung, einen Standpunkt einzunehmen und zu vertreten, aber sich dabei jederzeit bewusst zu sein, dass man sich darin auch irren kann. Skeptiker sollten zu jeder Auffassung, die sie vertreten, auch angeben können, was passieren müsste, damit sie ihre Meinung ändern.

Sebastian Bartoschek, Psychologe, Dozent und Journalist, Science-Slammer und Blogger. Mitglied der GWUP seit 2007.

Wichtiger wird es, den Skeptizismus als Bewegung zu sehen. Weg vom Verein, hin zur Vernetzung mit anderen Vereinen, Initiativen und zu einer zielgruppengerechten Ansprache. Auch ein offeneres Zugehen auf seriöse Esoteriker könnte wichtiger werden, genauso wie eine eigene wissenschaftliche Forschung bspw. in der Parapsychologie sowie der Verbraucherschutz vor Esoterikangeboten insb. im Gesundheitssektor, das Thema Ghosthunting und die Analyse von Artefakten. An Bedeutung verlieren werden meiner Einschätzung nach Wundererscheinungen, Kryptozoologie, UFOlogie und Astrologie.