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Keine Sternstunde!

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Imperator der Gegenaufklärung oder König vom Katholiken-Kiez? Honoriger Staatschef oder zweifelhafter Kirchenmann? Benedikts XVI. Auftritt im Bundestag ist ein Tiefpunkt für die säkulare Republik.
Dienstag, 20. September 2011
Pope Celebrates Mass To Conclude Bishops Gathering

© istockphoto

Sein Leben begann ganz unscheinbar. Die Köchin Maria Peintner hatte ihren Ehemann über eine Annonce im katholischen Wochenblatt Altöttinger Liebfrauenbote gefunden. Wenig später folgte die Heirat, sieben Jahre danach wurde Joseph Aloisius Ratzinger am bitterkalten und verschneiten Morgen des 16. April 1927 im oberbayerischen Marktl am Inn unter den üblichen Beschwernissen einer Mutter geboren. Es heißt, er wurde das am meisten behütete der insgesamt drei Kinder der Familie. Später sei er ein besonders lerneifriger Schüler gewesen.

Heute, bald ein Jahrhundert später, gehört eben dieser Joseph Ratzinger zu den umstrittensten Persönlichkeiten der Menschheit. Richard Dawkins, Vize-Präsident der British Humanist Association, bezeichnete ihn während einer Protestveranstaltung in England im vergangenen Jahr als „Feind der Menschheit". Tausende Menschen applaudierten. Warum?

Der Philosoph und Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung (gbs), Michael Schmidt-Salomon, brachte im Manifest des Evolutionären Humanismus die Zusammenhänge auf den Punkt:

Wir leben in einer Zeit der Ungleichzeitigkeit. Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legenden geprägt. Diese Kombination von naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen wurde.

Denn die Lage ist heikel. Die Weltbevölkerung wächst weiter rasant, mehr als sieben Milliarden Menschen werden am Ende des Jahres auf der Erde leben. Ressourcenverbrauch und die Ausbeutung der Ökosysteme haben die Grenzen vernünftiger Ausmaße überschritten. Mehr Menschen als jemals zuvor versuchen mit allem Recht, am begrenzten Reichtum des klein gewordenen Planeten teilzuhaben. Globale Konzerne erlangen Souveränität, wie sie zuvor nur Nationen innehatten. Ungelöste Widersprüche lassen die Spannungen zwischen den Kulturen zunehmen, auch weil Teile des Islam nicht durch die „Dompteurschule der Aufklärung" gegangen sind. Ein breiter Bedarf für rationale und allgemein nachvollziehbare Handlungsstrategien, die weder vom persönlichen Aberglauben noch der Dogmatik von Hütern angeblich heiliger Schriften bestimmt werden, ist da.

diesseits - Nr. 96 / 3 - 2011

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Und Joseph Ratzinger, seit 2005 als Benedikt XVI. bekannt, repräsentiert wie kaum ein anderer Mensch in Europa weniger Lösungen, sondern vielmehr Ursachen für das von Schmidt-Salomon diagnostizierte Problem. Benedikt XVI. vertritt und verteidigt eine der konservativsten Formen der christlichen Religion, deren fundamentale Annahmen von Forschung und Wissenschaft widerlegt worden sind und deren Aussagen keiner kritischen und rationalen Prüfung mehr standhalten. „Kirchen sind Formen der organisierten Irrationalität", bilanzierte der Theologe Heinz-Werner Kubitza in seinem Buch Der Jesuswahn. Trifft das zu, ist Benedikt XVI. jedenfalls Leiter der größten und mächtigsten ihrer Art. Der lerneifrige Oberpfälzer wurde zum Herrscher im Zentrum der christlichen Religion.

Im September wird Benedikt XVI. nun auch nach Deutschland kommen. Das Ereignis gilt als erster offizieller Staatsbesuch und wird zugleich als „apostolische Reise", also in der Nachfolge der Apostel stehend, bezeichnet. Eine entsprechende Einladung war von Bundespräsident Christian Wulff, selbst Mitglied der katholischen Kirche, ausgegangen. Im Zuge der Reise wird Benedikt XVI. auch eine Rede im Deutschen Bundestag halten, als 32. Gast des Parlaments. Ein immer wiederholtes Argument dafür lautet, dass der Papst als Staatsoberhaupt und nicht als Führer einer Religion auftritt. Er wäre der zwölfte Staatschef, dem dieses Privileg zugestanden wird. Zu Recht? Kirchenunabhängige Gutachter haben daran erhebliche Zweifel.

Allgemein gilt Benedikt XVI. als absoluter Monarch von Vatikanstadt, einer 0,4 Quadratkilometer kleinen Enklave im Herzen der Hauptstadt Italiens. Die Größe der Enklave entspricht rund 15 Prozent der Fläche vom brandenburgischen Sanssouci. Eine Umrundung des Areals gelingt zu Fuß in einer Dreiviertelstunde. Etwa 600 Menschen, deren „Staatsbürgerschaft" stets von ihrem aktuellen Amt abhängt, gelten als Bürger des als Staat bezeichneten Stadtteil Roms, in dem Benedikt XVI. die Rolle eines Königs einnimmt. Es gibt ein eigenes Postamt mit Briefmarken, die nur auf dem Gelände des Vatikans Gültigkeit besitzen. Genügt das, um als Staat zu gelten?

diesseits - Nr. 96 / 3 - 2011

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Völkerrechtler sind sich einig: Der so genannte „Heilige Stuhl" oder auch Vatikanstadt selbst, welche das Machtzentrum der Kirche beherbergt, genügen nicht der völkerrechtlich maßgeblichen Konvention von Montevideo. Artikel 1 definiert die Kriterien, die für alle anerkannten Staaten gelten – mit Ausnahme des Vatikans. Selbst Leo Cushley, vatikanischer Diplomat am ständigen Sitz der Kirche bei den Vereinten Nationen, erklärte 2007 an einer katholischen Privat-Universität in den USA, dass es schwer wäre, den Vatikan als echten Staat zu sehen. Experten wie der ehemalige UN-Richter und Kronanwalt des Commonwealth, Geoffrey Robertson, äußerten sich klarer als der in Diensten des Klerus stehende Cushley. Wie man es auch dreht und wendet: Die Kirche in Rom erfüllt in keiner einzigen Hinsicht die Voraussetzungen, um als Staat gelten zu können.

Dass dies dennoch so gesehen wird, sei ein Tribut an die Geschicklichkeit vatikanischer Diplomaten und des Begehrens von politischen Führern nach dem Segen des spirituellen Führers von vielen ihrer Staatsbürger, so Geoffrey Robertson in seinem Buch The Case of the Pope. Dort befasste er sich mit der strafrechtlichen Verantwortlichkeit für die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen durch Vertreter der Kirche sowie der Frage, warum Benedikt XVI. als Staatsoberhaupt gilt. Robertson zeichnet nach, wie „die Kirche so lange die Camouflage als Staat auf Weltebene aufrecht erhalten und einen Einfluss erlangt hat, der allen übrigen Kirchen und Nichtregierungsorganisationen verwehrt ist."

Dass Benedikt XVI. ein Staatsoberhaupt sei, ist also ein weiterer Mythos der Gläubigen - aufrechterhalten, um der Kirche außergewöhnliche Privilegien zu bewahren. Wie kam nun das Kirchenoberhaupt dazu, in das Plenum geladen zu werden? „Es war der Wunsch des Vatikan, dass der Papst im Bundestag reden kann", erklärte der CSU-Bundestagsabgeordnete Stefan Müller im Februar gegenüber dem Deutschlandradio. Zu den Details der voraussichtlich höchst öffentlichkeitswirksamen Rede des Königs vom winzigen Fleckchen in Rom hieß es, es werde eine „politische Grundsatzrede" geben.

Die Spitzen vieler Parteien bekundeten umgehend ihre Begeisterung darüber, dass ihr Papst im Plenum reden wird – als erster Religionsführer überhaupt. Wolfgang Bosbach (CDU) prophezeite eine „Sternstunde des Parlaments". Auch einige Kritiker meldeten sich bald zu Wort. Darunter Nikolaus Schneider, Präsident des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Unser Verständnis des Amtes und der Kirche unterscheidet sich doch sehr von dem der Katholiken. Auch ich habe im Moment keine Idee, wie ich als Protestant einen positiven Zugang zum Papstamt und dem Anspruch, der damit verbunden ist, finden soll. Die Kirche als staatliches Organ – das geht gegen unser Bekenntnis", befand Schneider gegenüber der Berliner Zeitung.

Volker Beck, Grünen-Politiker und Mitglied des Ältestenrates im Bundestag, diagnostizierte den verabredeten Bruch mit säkularen Grundsätzen: „Der Papst ist in erster Linie Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft und in zweiter Linie Staatsoberhaupt." Beck hielt es anfangs für unwahrscheinlich, dass dem umstrittenen Religionsführer diese Plattform zur Selbstdarstellung geboten wird. Gegenüber dem Online-Magazin wissenrockt.de äußerte er klare Zweifel an der von Kirchenpolitikern bejubelten Aussicht auf ihren Pontifex im Parlament. „Ich gehe davon aus, dass es keinen Konsens für eine Einladung an den katholischen Bischof von Rom gibt", sagte Beck Anfang Dezember über die Diskussion im für die Entscheidung zuständigen Ältestenrat. Sein Parteikollege Hans-Christian Ströbele kündigte an, während der Rede das Plenum verlassen zu wollen. Beck, Schneider, Ströbele – alle relativierten bald darauf ihre Erklärungen und befürworteten schließlich den Auftritt. Eine verspätete Einsicht?

Welcome Emperor Palpatine

Welcome Emperor Palpatine – Anspielung auf den rücksichtslosen Imperator Palpatine aus George Lucas' „Krieg der Sterne" während der Papstproteste in Großbritannien © C. G. P. Grey

Übrig gebliebene Gegner des Auftritts formulierten ihre Kritik umso deutlicher. Beim Journalistennetzwerk Ruhrbarone lautete eine Bilanz zum Treiben der Kirche: „Wäre sie eine Partei, sie wäre in Deutschland verboten." Ähnlich befand die Frankfurter Rundschau über Benedikt XVI.: „Die Wertordnung, die er vertritt, wird nicht nur von der Mehrheit der Bevölkerung in wesentlichen Fragen nicht geteilt", stellte der Journalist Christian Bommarius fest, „sie steht auch in vielen Fällen in direktem Gegensatz zur objektiven Wertordnung, die das Grundgesetz für die Bundesrepublik bestimmt." Der Auftritt, so das Fazit, ist eine Ehre für den Papst, jedoch nicht für das Parlament.

Rudolf Ladwig, zweiter Vorsitzender beim Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), fasste im Interview mit wissenrockt.de weitere Positionen unabhängiger Beobachter zusammen:

Mit Ratzingers Rederecht im Bundestag hofiert die Volksvertretung einen absoluten Monarchen, ein Kirchenoberhaupt, welches innerkirchlich die Exorzistenausbildung verstärkt hat und nach außen von einer angeblichen Vernunft des Glaubens schwafelt. Ein Kirchenoberhaupt, welches den rechtsextremen Rand der katholischen Kirche wie etwa Opus Dei oder die Piusbruderschaft fördert und sogar Leugner der historischen Tatsache der Ermordung der europäischen Juden rehabilitiert. Das Oberhaupt einer Kirche, die Frauen diskriminiert, gegen Homosexuelle hetzt, gegen Verhütung wettert, Sexualstraftäter schützt und Straftaten vertuscht. Eine Kirche, die sich über dem weltlichen Recht stehend und als Teil des göttlichen Mysteriums begreift. Deren Vatikanbank hingegen profan Mafiagelder gewaschen hat. Es ist ein Akt schamloser Dreistigkeit, ausgerechnet diesem Religionsvertreter ein Forum vor der Volksvertretung zu geben.

Zum schnellen Verstummen der Proteste meinte er: „Erschreckend ist, wie brachial die wenigen kritischen Stimmen in den Fraktionen niedergemacht wurden."

Aber wenn schon nicht wirklich ein Staatsoberhaupt, so repräsentiert Benedikt eine religiöse Bewegung, die rund 1,2 Milliarden Menschen zu sich rechnet – so viele wie nie zuvor. Und geht es nach ihren Entscheidungsträgern, müssen es in Zukunft noch viel mehr werden. Dabei helfen sollen die schiere Masse der Gläubigen, knapp 2.000 Jahre Kirchenerfahrung sowie die menschlichen Neigungen zu Aberglauben und der ewigen Suche nach Sinn, Spiritualität und einer mitfühlenden Gemeinschaft.

Der kirchliche Anspruch ist hochgesteckt. Laut offiziellem Plan muss die gesamte Menschheit zum Glauben an „die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche" bekehrt werden. Während sie sich bereits seit Jahrzehnten ein teils folgenschweres Missionierungswettrennen mit anderen Glaubensgemeinschaften auf dem afrikanischen Kontinent und in Südostasien liefert, steht nun auch Europa wieder oben auf der Agenda.

Im letzten Jahr wurde eigens dafür eine neue Behörde gegründet, der Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung Europas. Leiter ist ein Bischof mit dem Namen Rino Fisichella. Robert Zollitsch, Chef der Deutschen Bischofskonferenz, gehört ebenfalls zum ambitionierten Gremium. Der Rat will sich um die „erneuerte Evangelisierung in den Ländern kümmern, in denen der Glaube zwar schon alt, aber durch die fortschreitende Säkularisierung schwach geworden ist."

Der „schwache Glaube" zeigt sich für den nun in das Parlament geladenen Bibelausleger in Konflikten, die auch durch eine wachsende Interessenvertretung aufgeklärterer Menschen geprägt ist: Bei den Diskussionen um Geburtenkontrolle, Präimplantationsdiagnostik oder selbstbestimmtes Sterben. Ebenso bei Regelungen für Partnerschaften, ob es sich um die Gleichstellung von homosexuellen Menschen oder das ganz gewöhnliche Scheidungsrecht handelt. Die Kirche beansprucht ohne legitimen Grund ein eigenes Arbeitsrecht und die staatliche Finanzierung ihrer Bischöfe. Und auch die Bildungspolitik, wie nicht zuletzt der Streit um den Ethik-Unterricht in Berlin zeigte, sowie die staatliche Justiz, beispielhaft sichtbar während der Enthüllung des sexuellen Missbrauchs durch den Klerus, haben sich wo nur möglich zunächst Benedikts XVI. Vorstellungen und denen seiner zahlreichen Anhänger unterzuordnen. Ziel ist jeweils, die gemäß persönlicher Vorstellungen über Götter entwickelten Meinungen wieder zum allgemeinen Gesetz werden zu lassen.

Die Bereitschaft, päpstlichen Vorgaben zu folgen, ist jedoch selbst unter den Kirchenmitgliedern in Deutschland kaum noch verbreitet. Der wiederverheiratete Christian Wulff (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) blieben von den drastischen Konsequenzen verschont, wie sie kürzlich politisch weniger nützlichen Menschen noch widerfuhren: Der Theologe David Berger verlor wegen seiner kritischen Meinung zur Kirche den Job. Demonstrationen gegen die Maßnahme beeindruckten das zuständige Erzbistum nicht. Auch reformwilligen Teilen des Kirchenvolks geht es mitunter nicht anders als den von frommen Anhängern der Kirche verfolgten Ungläubigen und ihren Anliegen. Das von Norbert Lammert (CDU) Anfang 2011 initiierte Memorandum Freiheit zum Zölibat wurde ebenso harsch abgewiesen wie die im Mai vom Bund der Katholischen Jugend entwickelten Thesen zur Reform der Kirche.

Eine klare Sprache enthalten somit Warnungen, welche Benedikt XVI. den dermaßen im Glauben geschwächten Nationen ausstellt. Kaum von der deutschen Öffentlichkeit beachtet, verkündete er gegenüber Heranwachsenden zum diesjährigen Weltjugendtag in Madrid, dass „die Erfahrung lehrt, dass die Welt ohne Gott zu einer Hölle wird, in der Egoismen, Spaltungen innerhalb der Familien, Hass zwischen Menschen und Völkern, Mangel an Liebe, an Freude und an Hoffnung vorherrschen." Eine drastische Angstmache vor den zunehmend nichtreligiösen und säkulareren Völkern Europas – laut den Ergebnissen des Global Peace Index die friedlichsten Gesellschaften weltweit. Und letzter Auslöser für Richard Dawkins scharfes Urteil über Benedikt XVI. war die gern von der Kirche verbreitete Botschaft, nichtreligiöse und säkulare Geisteshaltungen seien für die Nazi-Diktatur ursächlich gewesen. Entsprechende Erklärungen hatte der Papst vor dem britischen Königshaus abgegeben.

Richard Dawkins, London 2010

Richard Dawkins bei den Protesten während des Papstbesuches am 18. September 2010 in London. © C. G. P. Grey

Wie gut jedenfalls das kirchliche Netzwerk funktioniert, illustrierte jüngst die Empörung um den sächsischen Bundestagsabgeordneten Rolf Schwanitz. Der Entwurf eines im engsten Vertrautenkreis des SPD-Laizisten kursierenden, kritischen Rundschreibens wurde an die Rheinische Post lanciert und als Boykott-Aufruf in den Medien kolportiert. „Ausdruck von religiöser Intoleranz und politischer Unvernunft", urteilte der Fraktionschef der Kirchenparteien, Volker Kauder, über das nie gelesene Dokument. CDU-Spitzenmann Bosbach hingegen befand es „mehr als peinlich, dem Heiligen Vater schon bevor er angereist ist, zu signalisieren, dass er im Deutschen Bundestag nicht willkommen ist." Mitarbeitern von Schwanitz' Bundestagsbüro fiel es eine Woche später noch schwer, die verstörende Erinnerung an den wütenden Proteststurm aufgebrachter Kirchenmitglieder zu reflektieren. Der Schock saß tief.

Deutschlands einflussreichster katholischer Strippenzieher Robert Zollitsch sagte dem Parlament klar an, was er erwartet: „Die demokratische Grundeinstellung unserer Abgeordneten wird sich an deren Präsenz im Bundestag während der Rede zeigen. Es würde für sich sprechen, wenn jemand aus Protest dieser für unser Land historischen Stunde fern bliebe", so Zollitsch zum Nachrichtenmagazin Focus mit Blick auf die Rede des Monarchen aus Rom. Sie werde zum „Prüfstein" für die Politiker, kündigte der machtbewusste Chef-Katholik an. Neben Rolf Schwanitz will es bisher nur Andrej Hunko (Die Linke) wagen, als Zeichen des sichtbaren Protests dem fragwürdigen Spektakel fernzubleiben.

Geschieht nun also kein Wunder, wird Benedikt XVI. in Kürze unter dem Jubel der Papsttreuen im Herz der deutschen Republik seinen großen Auftritt haben. Waren aus der Perspektive der Menschenrechte schon Staatschefs wie George W. Bush oder Wladimir Putin von zweifelhafter Honorabilität, ist die Messlatte mit dem Inhaber des Heiligen Stuhls erneut abgerutscht. Gewiss: Es finden sich auch zahlreiche Menschen an der Kirchenbasis, die Benedikts Ansichten und die seiner Fans kritisch sehen. Es gilt, mit ihnen im Gespräch zu bleiben. Das nimmt aber den Verteidigern von Humanismus, Aufklärung und einer offenen Gesellschaft weder das Recht noch die Pflicht, religiöse Fundamentalisten wie Benedikt XVI. mit klaren Worten in die Schranken zu weisen. Für verbale Samthandschuhe oder philosophisches Appeasement ist die Lage zu ernst. Und schließlich, so stellte gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon fest, ist dieser Mann weder heilig noch Vater.