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Moderne Sagen, Geisterjäger, Sex-Mythen und „Vampyre“

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Nürnberg: Einen skeptischen Blick auf paranormale Phänomene bietet die Veranstaltungsreihe „Außer Sinnen“ in diesem Jahr. Das wissenschaftliche Hands-On-Museums „turmdersinne“ hat dafür erneut Referenten aus ganz verschiedenen Fachgebieten versammelt. Den Auftakt macht am Mittwoch das populäre Podcaster-Duo „Hoaxilla“.
Montag, 2. Juni 2014
Foto: (c) Privat

Alexa und Alexander Waschkau (v.l.) berichten am Dienstagabend in Nürnberg über moderne Sagen. Foto: (c) Privat

Die Volkskundlerin und der Psychologe beschäftigen sich am 3. Juni 2014, wie auch in ihrem bekannten Podcast, mit modernen Sagen. Moderne Sagen, das sind die Geschichten von der Spinne im Haardutt, dem verschwundenen Anhalter oder den entführten Kindern im Vergnügungspark. Jeder hat sie schon einmal gehört, gelesen und mitwohligem Gruseln weitererzählt. Und stets kennt man jemanden, dessen Kollege, Tante, Kommilitone sie ganz bestimmt selbst erlebt hat...

Wie man solche modernen Sagen erkennt, verraten Alexa und Alexander Waschkau in ihrem Vortrag „Monster, Pendel, Bloody Mary“. Anhand von vielen Beispielen erklären sie, wie modern die modernen Sagen wirklich sind, wie sie entstehen und wie sie in der gegenwärtigen Medienlandschaft gedeihen.

Wohl über kaum einen Lebensbereich kursieren so viele Mythen wie über die Sexualität. Lässt die Nasengröße bei Männern tatsächlich auf die Größe seines Penis schließen? Ist der Dreier ein typischer Männer-Traum oder kommt er ebenso oft im Kopfkino von Frauen vor? Und wie unterscheiden sich die Geschlechter in ihren Porno-Vorlieben? Die Ärztin und „Science Slammerin“ Jesscia Bahr hat sich eingehend mit solchen und anderen Sex-Mythen beschäftigt. Am 17. Juni 2014 klärt sie in Nürnberg über Fakt und Fiktion in der Sexualität auf.

Illu

Auch in der "BILD" ein großes Thema: Geisterjäger!

Auf die Spuren von Geisterjägern hat sich der Psychologe Sebastian Bartoschek begeben, der beim dritten Vortrag am 1. Juli 2014 das Mikro in die Hand nimmt. Geisterjäger, das sind meist hochambitionierte Enthusiasten, die mit Hightech-Equipment dem scheinbar Unerklärlichen nachspüren – in „Spukhäusern“ oder an verlassenen Gebäuden und anderen „magischen Orten“. Gleichwohl berichten Betroffene immer wieder glaubhaft von subjektiven Spukerlebnissen. Also doch ein Hinweis auf jenseitige Mächte? Sind solche Erfahrungen Symptom einer psychischen Erkrankung? Sebastian Bartoschek berichtet von Erlebniswelten, die viel über unsere Wahrnehmung verraten.

Keine jenseitigen, sondern kognitive Kräfte werden durch die Lernmethoden Brain-Gym und Edu-Kinestetik freigesetzt – jedenfalls, wenn man den unzähligen Coaches und Trainern glaubt, die für gutes Geld entsprechende Kurse anbieten. Ein Arsenal von Bewegungs-, Druckpunkt- und Gedankentechniken soll das Hirn auf Trab und Lernschwierigkeiten zum Verschwinden bringen. Doch die Realität sieht anders aus, wie die Pädagogin Barbro Walker zeigt. Am 15. Juli 2014 wirft sie einen kritischen Blick auf die Szene.

Zum Abschluss der Reihe wird es blutig, wenn am 29. Juli 2014 der bekannte Kriminalbiologe Mark Benecke von Dracula-Mythen und „echten“ Vampiren plaudert. Schriftsteller schildern sie als blutdürstende Kreaturen der Nacht oder als Sonnyboys mit glitzernder Haut. Und in Transsylvanien glaubt das Volk seit Jahrhunderten an Blutsauger wie Dracula, heißt es. „Vampyre“ gibt es tatsächlich. Von den erfundenen Figuren unterscheidet sie das „y“ im Namen; sie bilden eine kleine Subkultur, die sich vor allem mit den Abgründen der menschlichen Seele beschäftigt. Mark Benecke hat solche „echten“ Vampyre getroffen. Außergewöhnliche Persönlichkeiten, viele von ihnen hochintelligent, depressiv oder beides zusammen. Gemeinsam ist ihnen das Verlangen nach Blut, Lebenskraft oder – Schokolade. Doch der Kriminalbiologe kennt auch die Ursprünge des klassischen Glaubens an die Untoten und zeigt dazu originale, teils eindeutige Fotografien von Leichen. Interessenten, die sich davon abgestoßen fühlen könnten, werden daher gebeten, dies bei ihrer Entscheidung für den Besuch des Vortrags zu berücksichtigen.

Alle Veranstaltungen finden im Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Einzelvortrag 7 Euro (ermäßigt 5 Euro), Gesamtreihe 28 Euro (keine Ermäßigung). Mehr Informationen finden Sie beim turmdersinne online.