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Die Rolle der Frau im Judentum

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Der israelische Film „Gei Oni“ setzt sich mit der Frauenfigur in der jüdischen Kultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts auseinander und erzählt dabei die Geschichte der Diaspora der russischen Juden.
Montag, 6. Juni 2011

Im Rahmen des 17. Jüdischen Filmfestivals in Berlin wurde der Film Gei Oni (Valley of Fortitude) in Anwesenheit des Regisseurs Dan Wolman gezeigt. Darin geht es um die jüdische Frau Fania, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Russland auswandert, um in Palästina ihr Glück zu finden. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.

Gei Oni

Fania, die Hauptdarstellerin, lernt einen Mann kennen, heiratet und zieht zu ihm aufs Land. Dieser erwartet von ihr, dass sie die traditionelle Rolle der Frau einnimmt: Kochen, Kindererziehung und immer das Wohl des Mannes im Blick. Fania bemüht sich, hat aber aufgrund einer gehobenen Bildung in Russland und zur Verwunderung ihres Mannes, spezifische Interessen, wie Lesen, Schreiben oder gar Klavier spielen. Daraus ergeben sich Konflikte, die beide lösen müssen.

Der Film spiegelt den besonderen Reiz der jüdischen Kultur und Lebensweise wider. Einerseits fremdartig und voll rätselhafter Zeremonien, andererseits eine besondere Stimmung von Tradition und Melancholie. Besonders die Dramatik und die Darstellung der schwierigen historischen Lebensumstände produzieren die besondere Stimmung, die den Film ausmacht.

Die Geschichte der Juden, die der Film erzählt, ist eine lange Geschichte des Leidens. Es begann mit Paulus, der die Juden beschuldigte, Jesus verraten zu haben. Im 14. Jahrhundert wurden Juden dann zu den Sündenböcken der Pestepidemie erklärt. Im 19. Jahrhundert war die französische Dreyfus-Affäre nur der Höhepunkt der antijüdischen Stimmung in Europa und wo dies endete, wissen wir. In der Judenvernichtung während der NS-Zeit. Auch Russland bildete keine Ausnahme, Antijudaismus war weit verbreitet. Die Pogrome und die Flucht, die Fanias Familie im Film erleiden musste - ihre Eltern kamen bei den Pogromen ums Leben und ihr Kind ist die Frucht einer brutalen Vergewaltigung, die Fania bei den Übergriffen erlitt - durchlebten viele Juden in Russland. Alleine durch Pogrome am Anfang der 20. Jahrhunderts verloren dort tausende Menschen ihr Leben. So waren im Großfürstentum Moskau Juden gar nicht erst geduldet. Die Folge der Pogrome und judenfeindlicher Erlasse war, dass ca. zwei Millionen Menschen das Land verließen, um etwa nach Amerika und Palästina auszuwandern.

Diese Geschichte erzählt der Film am Beispiel Fanias und ihrer Familie. Das Tal der Tränen, das sie dabei durchquert ist gleichzeitig ein Tal der Stärke, ihrValley of Fortitude.

Regisseur Dan Wolman hat für Gei Oni den Gerhard Klein Filmpries des Festivals erhalten. Vor dem Hintergrund, dass Wolman in Israel keinen Verleiher für seinen Film fand und ihn nun im Selbstverleih herausbringt, ist dies mehr als ein Achtungserfolg. Es ist die Bestätigung seines Tuns. International fanden bereits insbesondere seine Filme The Dreamer und The Floch Beachtung, die bei den Festivals in Cannes (The Dreamer) und Venedig (The Floch) als Wettbewerbsbeiträge liefen.

Hier geht es zur Website des Regisseurs Dan Wolman und hier zur Website des Films.

Gei Oni (Trailer)