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Der Klimawandel kommt

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Experten aus Wissenschaft und Praxis plädieren für eine Anpassung an die absehbaren Folgen des Klimawandels, um Entwicklung und Klimaschutz zugleich möglich zu machen.
Donnerstag, 25. August 2011
Global aber gerecht

Es ist ein gordischer Knoten, den das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, das Institut für Gesellschaftspolitik in München, das katholischen Hilfswerk Misereor und die Münchener Rück Stiftung zu lösen versucht haben. Denn „Klima- und Entwicklungspolitik befinden sich in einer Sackgasse“, wie sie zu Beginn ihres Reports Global aber gerecht. Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen feststellen.

Der Titel beschreibt bereits, worin die derzeit wichtigste Herausforderung besteht. Darin, einen Mittelweg zu finden, um einerseits den Klimawandel erfolgreich zu bekämpfen und andererseits den von seinen Folgen überproportional stark betroffenen Entwicklungsländern durch die notwendigen Emissionsreduktionen nicht den Weg aus der Armut zu versperren. Auf 240 Seiten zeichnen sie dafür mögliche Lösungswege und Ansatzpunkte auf.

Realistische Lösungen, die sowohl den Klimaschutz als auch die Entwicklungspolitik ins Auge nehmen, verlangen eine sachliche Analyse der bisherigen Erkenntnisse und Prognosen. Mit dieser beginnen die Autoren ihren Bericht, um anschließend zu dem Schluss zu kommen, dass die naive Hoffnung auf eine Verhinderung des Klimawandels beiseite gelegt werden muss. Selbst bei größten Klimaschutzanstrengungen wird der Klimawandel der Welt in der Zukunft seinen Stempel aufdrücken. Eine realistische Gesamtlösung muss sich an dieser bitteren Wahrheit orientieren, denn die absehbare Veränderung der Ökosysteme wird mit der Ernährung und der Trinkwasserversorgung zwei Grundprobleme der Armut erheblich verstärken.

Die Lösung liege daher zum einen im Klimaschutz, der den zukünftigen Generationen tatsächliche Lebenschancen ermögliche und zweitens in der Anpassung der Entwicklungspolitik an die absehbaren Klimawandelfolgen. Ein gerechterer und effizienterer Umgang mit Wasser könne z. B. durch regionale und globale Wassermanagementpläne sowie modernere Technik sichergestellt werden. Verbessere Anbaumethoden könnten Ernteausfälle verringern. Ein globaler Agrarhandel könnte diejenigen Regionen, die vom Klimawandel negativ betroffen sind, am Profit derjenigen Regionen, in denen die Veränderungen des Ökosystems zu Erntesteigerungen führen, teilhaben lassen. Ökosysteme wie küstennahe Mangrovenwälder oder Korallenriffe müssen geschützt werden, da sie Menschen vor den bedrohlichen Klimawandelfolgen schützen. Frühwarnsysteme und Mikroversicherungen wären adäquate Formen, um sich auf die Zunahme der Wetterkatastrophen einzustellen. Die Entwicklungspolitik muss schließlich in diese Anpassungsmaßnahmen integriert werden.

Website Global aber gerecht

Eine zusätzlich eingerichtete zweisprachige Homepage zum Buch (siehe obige Abbildung) vertieft die Inhalte mit zusätzlichen Publikationen, gibt eine Übersicht zu lokalen Veranstaltungen zum Thema und präsentiert einzelne Initiativen für den sog. "Dialog mit dem Süden", den vom Klimawandel am stärksten bedrohten Staaten.

Für all das braucht es eine gesellschaftliche Vereinbarung, einen „Global Deal“, der die Bereitschaft zur transnationalen Kooperation und zum weltweiten Austausch von Wissen und Technologie erklärt. Eine Utopie möchte man nach den Erfahrungen von Kopenhagen und Cancún sagen. Doch zugleich eine Notwendigkeit, wie dieses Dokuments deutlich macht, das als Pflichtlektüre auf jeden Politikerschreibtisch gehört.

Lotze-Campen, Hermann; Edenhofer, Ottmar, Reder; Michael, Wallacher; Johannes: Global, aber gerecht. Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen. Ein Report des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und des Instituts für Gesellschaftspolitik in München im Auftrag von Misereor und der Münchener Rück Stiftung. Unter Leitung von Otmar Edenhofer, Johannes Wallacher, Michael Redner und Hermann Lotze-Campen. Verlag C.H. Beck. München 2010. 240 Seiten. 19,95 Euro.

Hier können Sie in dem Band blättern.

Warum der Einsatz eines jeden von uns wichtig ist, zeigt dieser Kurzfilm zum Report.