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Das Geschäft mit dem Tod

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Von 1997 bis 2001 repräsentierte der in Kapstadt geborene Andrew Feinstein den ANC in der südafrikanischen Nationalversammlung. Mittlerweile lebt der weiße Journalist in London. Sein Blick hinter die Kulissen des weltweiten Waffenhandels ist erhellend und schockierend.
Freitag, 19. April 2013
Andrew Feinstein: Waffenhandel

Zu Andrew Feinsteins Ernüchterung über die südafrikanische Befreiungsbewegung trug das große Waffenbeschaffungsprogramm bei, das die ANC-Regierung 1999 verkündete. Die geplanten Kosten von 3 Milliarden US-Dollar verdreifachten sich, etwa 300 Millionen Dollar flossen als Schmiergelder. Beteiligt waren u.a. BAE (Großbritannien), Saab (Schweden), Ferrostaal (Deutschland). Zwar wurde später gegen die Firmen ermittelt und es wurden etliche Geldbußen gezahlt, aber an den Praktiken der Firmen hat sich wohl nichts verändert.

Feinstein belegt dies genauer für BAE, die durch ein komplexes System von Tochtergesellschaften immer wieder Regierungsvertretern Geldern zukommen ließ und sich so – nicht nur in Südafrika – Aufträge sicherte. Protegiert wurde die aus British Aerospace hervorgegangene Firma, zu der u.a. die deutsche Heckler & Koch gehört, sowohl von konservativen wie auch von sozialdemokratischen Regierungen.

Ähnliches gilt für die US-Waffenschmiede Lockheed. Die Manager der amerikanischen Rüstungsindustrie wechseln in Regierungsämter und wieder zurück. Abgeordnete unterstützen mit dem Argument, Arbeitsplätze zu sichern, noch die absurdesten Rüstungsinitiativen.

Opfer sind die Steuerzahler in den westlichen Ländern, die eine oft verschwenderische Rüstungsindustrie finanzieren, die sich hinter Geheimhaltungsvorschriften verschanzt und tatsächlich kaum Arbeitsplätze schafft. Doch weit schlimmer betroffen sind die Bevölkerungen etwa in Ruanda, im Kongo, in Angola, in Somalia und in der Elfenbeinküste. Aus lokalen Auseinandersetzungen wurden hier durch die große Menge gelieferter Waffen blutige Kriege. Selbst wenn Waffenembargos verhängt wurden, gelangen die Waffen aus den westlichen Rüstungsschmieden über ein Netzwerk von mal mehr, mal weniger illegal operierenden Händlern in die Konfliktregionen.

Zwar sind die großen Waffenlieferanten weiterhin die USA, Großbritannien und Frankreich, aber China und Israel, das Feinstein ausführlicher behandelt, haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung zugenommen. China, auf das Feinstein nur am Rande eingeht, ist mittlerweile der wichtigste Waffenlieferant für Afrika. Leider beschäftigt er sich kaum mit der deutschen Rüstungsindustrie. Trotzdem ist das mit 847 Seiten sehr umfangreiche Buch unbedingt lesenswert. Nicht nur liefert es solide Informationen über die großen, sich seriös gebenden Rüstungskonzerne, sondern es taucht auch in die brutale kriminelle Unterwelt der Händler ein. Zudem ist es recht flott geschrieben.

Andrew Feinstein: Waffenhandel. Das globale Geschäft mit dem Tod. Hoffmann und Campe 2012. 847 Seiten. 29,99 Euro.

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