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Fragwürdiges Fleisch

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Hühner- und Schweinemast in riesigen Anlage, gentechnisch veränderte Pflanzen, üppige EU-Agrarsubventionen, die v.a. Großbetrieben nützen – das sind nur einige Stichpunkte, die der Agrar- und Lebensmittelindustrie einen schlechten Ruf verschafft haben. Der frühere ‘stern‘-Reporter Richard Rickelmann belegt in seinem Sachbuch ‘Tödliche Ernte‘, dass die Lage noch weit schlimmer ist als die Stimmung der meisten Konsumenten.
Mittwoch, 17. April 2013
Richard Rickelmann: Tödliche Ernte

Mit soliden Belegen widmet er sich u.a. den Global Players der Lebensmittelindustrie, wie etwa dem US-Konzern Monsanto, der durch die übernommene Firma Swann Chemical maßgeblich für die PCB-Verseuchung verantwortlich ist. Das giftige Schmier- und Kühlmittel lässt sich mittlerweile in der Nahrung und bei Menschen und Tieren nachweisen. Vermutlich langfristig kaum weniger gefährlich sind die von Monsanto entwickelten gentechnisch veränderten Pflanzen.

Auch in Deutschland treibt eine Koalition aus Wissenschaftsministerium, Firmen wie Bayer und BASF und willigen Wissenschaftlern Gentechnikprojekte voran, obwohl die bisher entwickelten gentechnisch veränderten Pflanzen weder ergiebiger noch kostengünstiger sind. Mit dabei sind Großagrarier wie Carl-Albrecht Bartmer und viele Funktionäre des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Wie Rickelmann etwa am Beispiel der Milchbauern zeigt, unterstützen DBV-Funktionäre auch sonst eher die Preisdrückerei der großen Molkereien als die Forderungen der Klein- und Mittelbauern.

Bedingt durch die Finanzkrise engagieren sich zunehmend Finanziers in der Großlandwirtschaft, da das endliche Gut Boden als sichere Investition gilt. Die massiven EU-Subventionen, die nach bewirtschafteter Fläche verteilt werden, sorgen zudem für sichere Profite. Überhaupt schlägt Rickelmann eine Schneise in den EU-Subventionsdschungel, von dem nicht nur Großagrarier, sondern auch Firmen wie Südzucker und – wegen ihrer großen Flächen für Sport und als Kanonenübungsgelände – sogar Golfclubs und Rüstungsfirmen wie Rheinmetall profitieren. Dagegen werden die bäuerlichen Betriebe nur mit durchschnittlich 1.600 Euro im Jahr subventioniert.

Eine Folge der zunehmend industriell betriebenen Land- und Viehwirtschaft ist eine Tiermast, die Hühner und Schweine produziert, die sich nicht nur während ihrer kurzen Lebenszeit kaum bewegen (können), sondern auch durch hohe Gaben von Antibiotika ein fragwürdiges Fleisch liefern. Noch ungesünder sind stark zuckerhaltige Produkte wie Nutella. Die Eier stammten dafür bis 2012 von in Käfigen gehaltenen Hühnern. Wie es der Zufall will, gehörte die Mutterfirma Ferrero übrigens zu den großen Spendern der CDU, wie sich bei der Aufarbeitung der Schwarzgeldaffäre herausstellte.

Rickelmann nennt Ross und Reiter. Er vermittelt Wissen über einen seit Jahrzehnten anhaltenden Dauerskandal mit vielen Facetten. Leider rückt dieser immer nur sehr kurz  - etwa bei BSE, Ekelfleisch usw. – ins öffentliche Bewusstsein.

Richard Rickelmann: Tödliche Ernte. Econ 2012. 315 Seiten. 18,- Euro.