Wie machen die das? - Was Zauberei über unser Gehirn verrät
Sandra Blakeslee, Susana Martinez-Conde und Stephen L. Macknick stellen uns die Ergebnisse ihrer spannenden Forschungsexpedition in die Welt der Magie in dem ersten neurowissenschaftlichen Buch über Zauberkunst unter dem Titel Die Tricks unseres Gehirns – Wie die Hirnforschung von den großen Zauberern lernt vor. Denn womit sich die Neurowissenschaften erst in den letzten Jahrzehnten intensiver beschäftigen, darüber wissen Zauberer schon seit langem gut Bescheid, so ihre Argumentation. Wie Aufmerksamkeit und Bewusstsein funktionieren und wie sie sich manipulieren lassen, erklären die beiden Neurowissenschaftler in ihrem Buch.
Zauberkünstler täuschen unsere Sinne, lenken uns ab, spielen mit unseren Erwartungen und erzeugen Illusionen. Die Methoden, mit denen sie uns überlisten, basieren auf ihrem tiefen Wissen um die neuronalen Prozesse im Gehirn der Zuschauer.
Deshalb beobachteten die Wissenschaftler viele berühmte Zauberer bei ihrer Arbeit, um ihr Wissen zu entschlüsseln. Gleichzeit stülpten sie den Zuschauern, während sie auf Tricks hereinfielen, die Elektrokappe über den Kopf. Und so fanden sie heraus, warum das menschliche Gehirn so anfällig für Tricks und Täuschungen ist: „Zaubertricks funktionieren, weil der Mensch einem im Gehirn festgelegten Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsprozess folgt, der anfällig für 'Hacker' ist.“ Wenn man versteht, wie Zauberkünstler mit unserem Gehirn spielen, erkennt man, dass dieselben kognitiven Tricks auch in Werbestrategien, Geschäftsverhandlungen und zwischenmenschlichen Beziehungen am Werk sind. Wenn man versteht, wie beispielsweise der Löffelverbieger Uri Geller mit bestimmten Mechanismen unseres Wahrnehmungsapparates spielt, statt – wie von ihm selbst über Jahrzehnte behauptet – übernatürliche Fähigkeiten einzusetzen, trägt das Buch auch bei, sich vor Scharlatanerie zu schützen.
Natürlich diskutieren die Autoren auch ein zentrales Thema der Neurowissenschaften: Hat der Mensch einen freien Willen? Für sie wird die gängige Vorstellung, wir Menschen hätten einen freien Willen, gerade durch die Zauberei relativiert. Sie zeigen, dass wir zwar annehmen, unsere Handlungen erfolgten aus freiem Willen, doch in Wahrheit sind sie Resultat unbewusster Abläufe und Reaktionsmuster in unserem Gehirn, die wir nur nachträglich bewusst und vernünftig versuchen zu begründen.
Summa summarum bietet dieses Buch eine faszinierende Verbindung von Magie und Forschung, die – flüssig geschrieben und auch für Laien gut verständlich – neue Erkenntnisse der Hirnforschung für unseren Alltag nutzbar macht. Für diejenigen, die sich in der Zauberkunst nicht auskennen, werden diverse Hinweise im Internet aufgeführt, wo sie sich die besprochenen Tricks ansehen können. Wer noch nach Weihnachtsgeschenken für seine lesenden Lieben sucht, Die Tricks unseres Gehirns ist ein sicherer Tipp.
Stephen L. Macknik, Susana Martinez-Conde, Sandra Blakeslee: Die Tricks unseres Gehirns - Wie die Hinforschung von den großen Zauberern lernt. Aus dem Amerikanischen von Maren Klostermann. Verlag Kreuz/Herder 2011; 360 S. 24,95 Euro








