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Philosophische Knabbereien

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Mittwoch, 16. Februar 2011
Dr. Michael Schmidt-Salomon und Lea Salomon

Dr. Michael Schmidt-Salomon und Lea Salomon

Gibt es doch glatt Butterkekse die Leibniz heißen, genau wie ein deutscher Philosoph des 17. Jahrhunderts – Gottfried Wilhelm Leibniz. Nomen ist bekanntlich Omen und vielleicht verhilft uns der Genuss von Keksen zu etwas mehr Gelehrtheit und salomonischer Weisheit, wenn wir sie zur Lektüre „dieser etwas anderen Einführung in die Philosophie” knabbern. Das Vorwort macht zunächst wenig Hoffnung.

Mann, Papa! sagte Lea, als sie mein Büro betrat. Dein neues Buch […] Willst du denn nicht mal zur Abwechslung etwas schreiben, das man auf Anhieb kapiert?

Vater und Tochter (Schmidt-)Salomon chatten etwas über die Schule, über die Unverständlichkeit der Philosophie im Allgemeinen und der Schmidt-Salomonischen Bücher im Besonderen bis sie zum Anliegen des Buches gelangen:

Das Buch sollte für alle geeignet sein, die sich hin und wieder den Luxus erlauben, über den Sinn und Unsinn des Lebens auf diesem Staubkorn im Weltall nachzudenken.

Keine schlechte, aber keineswegs so neue Idee, wie es uns die beiden Autoren vermitteln wollen. Immer wieder gab es hochwertige „philosophische Reisen” mit ähnlichem Anspruch. Diese vorliegende hat ihre Schwächen, zumal der gewöhnungsbedürftige Ton der Einleitung, der mit Stilblüten und gehaltsleeren Interjektionen an eine innerfämiliäre Talkshow erinnert, in dem philosophischen Dialog von Vater und Tochter immer wieder auftritt.

Leibniz war kein Butterkeks

Michael Schmidt–Salomon & Lea Salomon: Leibniz war kein Butterkeks

Dennoch bleibt dem Leser weitaus mehr, als ein paar Kekskrümel auf dem Sofa. Denn den (Schmidt-)Salomons gelang ein Buch, das dem oben erwähnten Anspruch dennoch gerecht wird. Es bleibt einigen großen und kleinen Fragen des Lebens, der Philosophie und der Wissenschaft auf der Spur und verhilft aufgrund überzeugender Argumentation zu Durchblick und Verständnis. In den drei Hauptkapiteln werden grundlegende Fragen wie Gibt es einen Grund dafür, dass wir existieren? „Warum gibt es so viel Leid in der Welt?, Wie finden wir den Weg zum Glück? oder Warum macht Sex Spaß, Sterben jedoch nicht?” unter philosophischen und wissenschaftlichen Gesichtspunkten alltagstauglich beleuchtet.

Bleiben wir bei der ersten Frage. Zunächst klären Vater und Tochter im Dialog was beispielsweise die Urknall- und Evolutionstheorie beinhalten, dann welche Begrifflichkeiten in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind, um schließlich zu einer ersten plausiblen These zu kommen: Wahrscheinlich gibt es gar keinen Grund für unsere Existenz im Universum, sondern bloß Ursachen. Es folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Argumente. Mittels dieses Schemas verstehen es die Schmidt-Salomons im Laufe des Buches nicht nur, die aktuellen Fakten aus Wissenschaft und Forschung verständlich zusammenzutragen, sondern sie diskutieren diese auch hinsichtlich ihrer weltanschaulichen Implikationen. Wie Menschen den Sinn des Lebens finden, ob die Existenz eines Gottes wahrscheinlich oder inwiefern das Töten von Säugetieren ethisch zu verantworten ist, solche Fragen werden unterhaltsam und strukturiert diskutiert. Auch die aus anderen Publikationen von Schmidt-Salomon bekannte, unkonventionell-provokative Art der Argumentation fehlt nicht; so wie er sich auch nicht scheut, seine humanistische Haltung und sein naturalistisches Weltbild einfließen zu lassen.

Fehlt was? Ja, der ganze Anhang! Keine Anmerkungen, kein Register, keine Literaturangaben. Stattdessen ein Bild von Vater und Tochter mit dem Verweis auf die Website zum Buch, wo selbiges zu finden sei. Lieber Verlag, wenn wir uns schon den Luxus erlauben, mit Hilfe eurer Bücher über den Sinn oder Unsinn des Lebens nachzudenken, bitte leistet euch und uns den Luxus, auch alles zu drucken, was zu einem ernst zu nehmenden Buch gehört!

Michael Schmidt–Salomon & Lea Salomon: Leibniz war kein Butterkeks – Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur. Pendo-Verlag 2011. 256 S. 17,95 Euro.

Das Buch ist ab 10. März im Buchhandel erhältlich.

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