Atheistischer Thriller
Elliot Hall porträtiert in Den Ersten Stein ein Amerika nach der Machtübernahme fundamentalistischer Christen. Juden werden zur Auswanderung nach Israel gedrängt, Nichtgläubige und Homosexuelle offen diskriminiert. Geheimpolizisten jagen Drogenkonsumenten und Ehebrecher. Zudem führen die USA Krieg gegen jeden Staat, der sich ihrem Weltbeherrschungsanspruch entgegensetzt. Kurz: Käme die Tea Party an die Macht, würden die USA vielleicht ganz ähnlich aussehen.
Für Spannung sorgt v.a. ein weiteres Merkmal der religiösen Rechten: ihre Neigung, sich aufzusplitten, wobei die Fraktionen einander unbarmherzig bekämpfen. Als ein führender Vertreter des „Kreuzzugs“ ermordet wird, beauftragt ein Führer eines anderen Flügels den atheistischen Privatdetektiv Felix Strange mit den Ermittlungen. Strange scheint in den Augen der Fundamentalisten leicht erpressbar zu sein und jenseits der internen Konflikte zu stehen. Als nützlicher Idiot soll er einen Mord aufklären, der so gar nicht zum Image der moralischen Saubermänner passt.
Strange stößt auf allerlei Ungereimtheiten und viel Scheinheiligkeit. Er entdeckt Intrigen und tödliche Konflikte zwischen unterschiedlichen Strömungen. Dazu trifft er die attraktive Geheimagentin Iris, die anfangs „moralische Abweichler“ aufspürt. Nach und nach bringt Strange Iris‘ religiöse Vorurteile ins Wanken und am Schluss kommt es fast zu einer Liebesaffäre. Auch ein fragwürdiger Großkapitalist und dessen ungeratener Sohn mischen mit als unfreiwillige Gegner der Fundamentalisten.
Hall gelingt ein unkonventioneller Thriller mit verstörendem Wirklichkeitsbezug. Gesellschafts- und Religionskritik geben einer mitreißenden Handlung Tiefgang. Die Fundamentalisten erscheinen nicht als Dumpfbacken, sondern als zwar fehl geleitete, aber doch ernst zu nehmende Charaktere. Insgesamt ein rundum empfehlenswerter Roman zu einem aktuellen Thema.
Elliot Hall: Den Ersten Stein. dtv 2011. 352 S. 14,90 Euro.








