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Das Hausbuch deutscher Kulturgeschichte

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Mittwoch, 16. Februar 2011

Wie man Soziologie schreibt ohne zu schreiben, sondern indem man Bilder gibt, Bilder von Gesichtern und nicht etwa Trachten, das schafft der Blick dieses Fotografen, sein Geist, seine Beobachtung, sein Wissen und nicht zuletzt sein enormes fotografisches Können,

August Sander: Menschen des 20. Jahrhunderts

August Sander: Menschen des 20. Jahrhunderts

schrieb Alfred Döblin 1929 in seiner Einleitung zu August Sanders „Antlitz der Zeit”. Darin versammelt waren die ersten 60 Aufnahmen seines Großprojekts „Menschen des 20. Jahrhunderts”, einer umfassenden Porträtsammlung mit mehr als 600 Aufnahmen, die zu seinem Lebenswerk und Vermächtnis wurden.

Im Stile der Neuen Sachlichkeit bilden die ikonischen Porträts die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen der Weimarer Republik: Bettler, Bauern, Arbeiter und Beamte ebenso wie Aristokraten und Geistliche, Sportler, Politiker und Künstler/-innen. Jede Aufnahme sollte „in absoluter Naturtreue ein Zeitbild seiner Zeit abgeben”, schrieb Sander zu seinem Projekt. So entstand nicht nur ein Panorama der deutschen Lebensverhältnisse, sondern auch ein Abbild der Weimarer Gesellschaft.

Walter Benjamin entdeckte in diesen Zeugnissen der „unmittelbaren Beobachtung” einen „unerschöpflichen Stoff zur Betrachtung” und Kurt Tucholsky rühmte Sanders Fotografien als die „fotografierte Kulturgeschichte unseres Landes”. Dieses „Kulturwerk in Lichtbildern” kann nun in einem einzigen Band wiederentdeckt werden.

August Sander: Menschen des 20. Jahrhunderts. Schirmer/Mosel 2010. 808 S. 98,- Euro.