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Was bin ich wert?

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Dieser Frage geht der deutsche Journalist und Autor Peter Scharf in seinem gleichnamigen Dokumentarfilm auf den Grund – und es ist nicht nur eine rein philosophische Frage, denn Scharf will es auf Heller und Pfennig genau wissen.
Dienstag, 30. September 2014
Menschenwertspezialist Kenneth Feinberg berechnete den Wert jedes einzelnen Opfers des 11. September

Menschenwertspezialist Kenneth Feinberg berechnete den Wert jedes einzelnen Opfers des 11. September. Foto: W-film / Bildersturm Filmproduktion

Eine akute Erkrankung, die Peter Scharf im Alltag und bei der Ausübung seiner beruflichen und väterlichen Pflichten behindert, konfrontiert ihn mit der Frage, welchen Wert er als Einzelner in einer Gesellschaft der Vielen hat. Die rege Korrespondenz mit seinem Krankenversicherer deutet schon zu Beginn der 101-minütigen Dokumentation darauf hin, dass die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger diese Frage schon längst geklärt haben – hierzulande und andernorts.

Doch der Wert eines Menschen hängt nicht nur von der Finanzkraft der zuständigen Krankenkasse ab. Die Personalabteilungen der Großkonzerne berechnen ihr humanes Kapital nach Wissensstand, Erfahrung und Motivation. Wenn man bereit ist, mehr zu geben als nur seine Arbeitskraft, kann man auch nachwachsende menschliche Ressourcen wie Blut und Haar zu Geld machen. Als gesunder, potenter, zeugungsfähiger Mann hat man noch mindestens eine Option mehr. Innere Werte kann man offenbar nur geltend machen, wenn man willens oder verzweifelt genug ist, auf eine Niere zu verzichten. Den Jackpot bei der Monetarisierung des menschlichen Lebens knackt man durch einen möglichst gewaltsamen und unverschuldeten Tod – allerdings nur wenn das Unglück, das den Tod verursacht hat, über die notwendige Medienrelevanz verfügt und mit dem juristischen Streitwert eines eventuellen Verfahrens gegen die Verantwortlichen gegengerechnet werden kann.

Der Schweizer Tim Steiner hat seinen Rücken an einen Künstler verkauft. Sein Leben lang und darüber hinaus.

Der Schweizer Tim Steiner hat seinen Rücken an einen Künstler verkauft. Sein Leben lang und darüber hinaus. Foto: W-film / Bildersturm Filmproduktion

Diese von Scharf beleuchteten Begebenheiten haben teilweise einen leicht morbiden und polemischen Charakter. Aber die Frage nach dem Wert des menschlichen Lebens muss gestellt und immer wieder neu diskutiert werden. Und Scharf stellt sie dort, wo sie beantwortet wird, nämlich in Politik, Wissenschaft, Kunst und dem freien (Schwarz-)Markt. Auch interviewt er Menschen, die auf sehr außerordentliche Weise mit dieser Frage persönlich konfrontiert sind und sicherlich aufgrund ihres bewegten Schicksals eine eigene Dokumentation verdient hätten.

Bei einigen der durchaus interessanten Interview-Partner hätte man sich von Scharf, der nicht nur als Akteur, sondern neben Oliver Held auch als Regisseur fungiert, die eine oder andere kritische Nachfrage gewünscht. Für alle Menschen, die sich zum ersten Mal diesem Thema nähern, ist der Dokumentarfilm „Was bin ich wert?“ ein höchst sehenswerter Einstieg.

Was bin ich wert? Ein Dokumentarfilm von Peter Scharf. Deutschland 2014, 90 Minuten, OmdU, FSK: 0 Jahre. Filmstart in Deutschland: 9. Oktober 2014.


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Was sind Sie sich wert? Wären Sie bereit, etwas von Ihrem Körper zu verkaufen – und falls ja, was und für wie viel? Falls nicht, warum nicht? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an redaktion@diesseits.de. Unter allen Einsendungen bis zum 9. Oktober 2014 verlosen wir 2 x 2 Kinofreikarten (an allen vorführenden Kinos einlösbar, nur bei verfügbaren Plätzen) für den Dokumentarfilm „Was bin ich wert?“ von Peter Scharf.