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Eine Filmreise, die Barack Obama zum Weinen brachte

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Mit dem schlicht betitelten Drama „Der Butler“ kommt am 10. Oktober ein Film in die Kinos, den man guten Gewissens als ein Epos der amerikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts bezeichnen kann. Regisseur Lee Daniels ist mit „Der Butler“ ein Porträt der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gelungen, das berührt und inspiriert.
Donnerstag, 10. Oktober 2013
Bild: Prokino

Von der Baumwollplantage durch drei Jahrzehnte Weißes Haus: Wort- und bildgewaltig lässt Regisseur Lee Daniels die Akteure durch das Zeitgeschehen trudeln. Bild: PROKINO

Cecil Gaines, ein in die Jahre gekommener Bediensteter des Weißen Hauses, resümiert in „Der Butler“ über seine Vergangenheit. Angelehnt an das Leben von Eugene Allen, der 34 Jahre lang als Butler im Dienst von acht US-Präsidenten stand, beginnt auch Gaines Geschichte auf einer Baumwollplantage in den amerikanischen Südstaaten.

Das noch immer gesetzlich legitimierte und von der breiten Bevölkerung akzeptierte Unrecht, das den schwarzen Plantagenarbeitern täglich widerfährt, bringt den jungen Cecil in eine Lage, die man schwer als glücklich bezeichnen kann, ihm aber die seltene Möglichkeit verschafft, als Hausbediensteter zu arbeiten.

Das Leben als Angestellter bringt Würde und Ansehen mit sich, die im Licht der westlichen Gegenwart zwar ziemlich blass erscheinen, doch für Cecil (gespielt von Forrest Whitaker), der auf einer Baumwollplantage geboren wurde und dort vermutlich genau wie sein Vater umgekommen wäre, ist die Arbeit als Butler ein sozialer Aufstieg und sein ganzer Stolz.

Foto: PROKINO Filmverleih GmbH

Cecil Gaines (Forest Whitaker) und seine Frau Gloria (Oprah Winfrey) führen eine glückliche Ehe – für einige Zeit. Foto: Bild: PROKINO

Als sensibilisierter Zuschauer für die Problematik einer weißen privilegierten Gesellschaft, strapaziert man bei diesem zur Schau gestellten Stolz mitunter die eigenen Kauflächen, denn ganz egal wie gleichmütig und fleißig Cecil seiner Arbeit nachgeht – als schwarzer Amerikaner ist er noch immer ein Bürger zweiter Klasse und auch die Anstellung im Weißen Haus, kann daran nichts ändern.

Und genau mit dieser Ungemütlichkeit ist Lee Daniels und Screenwriter Danny Strong ein kleiner Geniestreich gelungen, denn aus diesem Dilemma wird schnell das eigentliche Thema des Films, das sich langsam annähert und den Zuschauer erst emotional einbindet, bevor es sich sichtbar auf der Leinwand manifestiert. Während man noch befürchtet, dass man irrtümlicherweise für eine Glorifizierung des Bedienstetenstatus farbiger Menschen sein Geld auf die Kinotheke gelegt hat, fängt der Film erst richtig an.

Cecil Gaines arbeitet sich mit seinem Verdienst in den Mittelstand hoch und gründet eine kleine Familie. Dabei werden die eventuellen Probleme, die man als Zuschauer mit seiner Arbeit haben könnte, zu den Problemen seiner Frau Gloria (gespielt von Oprah Winfrey) und ihrer beiden Söhne.

Cecil verbringt mehr Zeit damit, dem aktuellen US-Präsidenten das Tee-Porzellan hinterherzutragen, als mit seiner Familie. Vor allem sein Sohn Louis übt Kritik an der Arbeit seines Vaters. Aus dieser Unzufriedenheit entsteht bald ein handfester Konflikt. Louis lässt das College schleifen und engagiert sich in der zunehmend lauter werdenden schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Cecil hat wenig Verständnis dafür, dass sein Sohn für diese fixe Idee der Gleichberechtigung sein Leben, seine Würde und das hart verdiendte Geld seines Vaters in die Waagschale wirft.

Wort- und bildgewaltig lässt Lee Daniels seine Akteure durch das Zeitgeschehen trudeln. Dabei schafft er eine gute Balance zwischen amerikanischer Geschichte und dem persönlichen Schicksal einer Gruppe von Menschen, die alle auf ihre Weise ihren Kampf kämpfen. Ästhetisch und einfühlsam begleitet die Kamera Cecils Leben durch die Jahrzehnte. Aus den unterschiedlichen Perspektiven seiner Frau Gloria und seines ältesten Sohnes Louis haben wir teil am zivilen Widerstand der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, aber auch an dem unverwechselbaren Zeitgeist der 50er und 60er Jahre.

Bild: PROKINO Filmverleih

Präsident John F. Kennedy (James Marsden), seine Frau Jackie (Minka Kelly) und Tochter Caroline begrüßen die Angestellten beim Amtsantritt im Weißen Haus. Bild: PROKINO

„Der Butler“ ist nicht nur eine Hommage an die Vordenker und Aktivisten des bewegten 20. Jahrhunderts, sondern auch an die vielen Facetten des zivilen Widerstands. Während Louis Gaines und seine Freunde an vorderster Front kämpfen und die Missstände einer rassistischen Gesellschaft in das mediale Bewusstsein zwingen, arbeitet sich ein Butler von der untersten Stufe des gesellschaftlichen Gefüges in die höchsten Kreise politischen Geschehens. Dabei hat Cecils aufrechter und friedvoller Charakter genau so viel Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung, wie die Unnachgiebigkeit seines Sohnes.

Regisseur und Produzent Lee Daniels hat einen Film abgeliefert, der durch die Nähe zu seinen Charakteren berührt und ein Stück Geschichte, wenn auch nicht immer ganz so historisch korrekt dargestellt, erfahrbar macht. Dabei darf das Publikum aber nicht nur mitleiden, sondern sich auch am Soundtrack und einer großartigen Schauspielerriege erfreuen.

Forrest Whitaker verleiht dem einfachen und gutmütigen Charakter des Cecil Gaines eine subtile Stärke. Auch Oprah Winfrey, die weltberühmte US-amerikanische Talk-Show-Moderatorin, hat schon in „Die Farbe Lila“ bewiesen, dass sie auch als Schauspielerin überzeugen kann. Mit Mariah Carey und Lenny Kravitz tauchen weitere Größen des Show-Business in Nebenrollen auf. Desweiteren sehen wir Robin Willians, John Cusack, Jane Fonda und Alan Rickman als historische Persönlichkeiten und Cuba Gooding, Jr. als Dienstkollegen und engen Freund der Familie.

Mit „Der Butler“ hat man keinen Film vor sich, sondern eine Reise durch das 20. Jahrhundert, dessen bewegte Geschichte man nicht nur aus sicherer Distanz des Kinosessels, sondern vor allem aus den Perspektiven verschiedener Charaktere  betrachten kann. Dabei brennt kein heroisches Bild eines einsamen Widerstandskämpfers auf der Netzhaut nach, sondern die Geschichte mehrerer Menschen, von denen jeder Einfluss auf die Welt nimmt, indem er sich entscheidet, wie er sich darin bewegt.

Der Butler. Regie: Lee Daniels. 125 Minuten. USA 2013.