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Antike Mysterienreligionen

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Bis zum 18. Mai 2014 zeigt das Badische Landesmuseum in Karlsruhe die Ausstellung „Imperium der Götter. Isis, Mithras, Christus. Kulte und Religionen im Römischen Reich“. Der ausführliche Katalog bietet aber auch danach noch die Möglichkeit, sich mit den antiken Mysterienreligionen und ihren Beziehungen zum frühen Christentum auseinanderzusetzen.
Dienstag, 6. Mai 2014
Foto: Badisches Landesmuseum

Foto: Badisches Landesmuseum

Das Römische Reich bot einer Vielzahl von Religionen Entfaltungsmöglichkeiten, wobei durch das mobile Militär und Händler sich etwa der aus Ägypten stammende Isis-Kult, der ursprünglich in Anatolien entstandene Kybele-Kult oder der aus dem iranisch-persischen Kulturraum stammende Mithras-Kult im gesamten Reich ausdehnen konnten. Auch der griechische Dionysos-Kult breitete sich in Rom aus und war Anlass für einen der wenigen frühen staatlichen Eingriffe. 186 v.u.Z. wurden die dionysischen Bacchanalien verboten mit der Begründung, dass die Initiation die Form einer homosexuellen Vergewaltigung habe. Zudem gab es Vorwürfe sexueller Ausschweifungen. Bedrohlich erschien dem Senat auch die große Zahl beteiligter Frauen. Zudem stammten einige der Anhänger aus einflussreichen Familien. Kurz: Der Senat vermutete eine Verschwörung. 

In der Folge soll es zu tausenden Todesurteilen gekommen sein. Das Ende der dionysischen Mysterien bedeutete es allerdings nicht, denn noch zu Zeiten Cäsars fanden sie statt, allerdings wohl in einer harmloseren Variante. Was sich tatsächlich genau abspielte, wissen wir ebenso wenig wie bei den anderen Mysterienreligionen, die als Geheimkulte ihre Riten nicht preisgaben. Die heute bekannten Informationen stammten oft von Gegnern.

Foto: Badisches Landesmuseum

Schmuckplatte: Osiris-Sarapis, der Gemahl der Göttin Isis, herrschte über Unterwelt und Jenseits und war zugleich einer der wichtigsten Fruchtbarkeitsgötter, die für segenspendendenden Wohlstand angerufen wurden. Seine Krone besitzt daher die Form eines Getreidescheffel. Foto: BLM

Sicher ist, dass das Römische Reich im Allgemeinen eine recht liberale Religionspolitik verfolgte. Selbst gegen die monotheistischen Religionen Judentum und Christentum wurde nur selten vorgegangen, meist aus politischen Gründen, etwa bei den zahlreichen jüdischen Aufständen. Nur wenige Kaiser wie etwa Nero verfolgten das Christentum massiv. Kaiser Decius (regierte von 249 bis 251) erließ das erste allgemeine Opferedikt in der römischen Geschichte. Dies führte zur Hinrichtung zahlreicher Christen, die das Opfer verweigerten. Durch die Toleranzedikte des Kaisers Gallienus (253-268) wurde das Christentum anerkannt, unter Kaiser Diokletian (284-305) aber wieder verfolgt. Ab Konstantin, der 311 Christ wurde, begann die staatliche Verfolgung der Paganen, aber auch von christlichen Häretikern – unterbrochen von einer kurzen paganen Restauration unter Julian II. zwischen 361 bis zu seinem frühen Tod 363. Julian II., ein Anhänger des Mithras- und des Sonnenkultes, versuchte nach dem Vorbild der hierarchischen Strukturen des Christentums eine pagane Kirche aufzubauen, mit ihm selbst an der Spitze.

Die staatliche Repression und die hierarchische Struktur (gegenüber der lokalen Organisation der Mysterienkulte, deren einzelne Tempel oft nur lose miteinander verbunden waren und zwischen denen es z.T. erhebliche Unterschiede gab) waren einige der Gründe, warum sich das Christentum letztlich durchsetzte. Ein weiterer wichtiger Aspekt war das soziale Engagement z.B. für Arme und Witwen. Julian wies 362 in einem Brief an einen Vertreter des alten Glaubens darauf hin: „Da es nämlich, so meine ich, dahin gekommen ist, dass die Armen von unseren Priestern unbeachtet blieben und vernachlässigt wurden, haben die gottlosen Galiläer [d.h. Christen, d. Red.], die das bemerkten, sich auf diese Praxis der Menschenliebe verlegt und so die ärgste ihrer Unternehmungen durch den äußeren Schein ihrer Betätigung zur Geltung gebracht.“

Doch übernahmen die Christen durchaus Elemente der Mysterienreligionen. So erinnert etwa die Eucharistiefeier an das Kultmahl im Mithraskult, eine besonders im Militär beliebte Religion um Mithras als göttlichem Träger des Lichtes und der Helligkeit. Die Einweihung im Mithraskult in sieben Weihegrade wurde – ebenfalls eine Ähnlichkeit zum Christentum (Taufe!) – als Wiedergeburt verstanden.

Foto: © Rom, Museo Nazionale Romano - Terme di Diocleziano

Kultrelief des Mithras: Das marmorne Relief mit gut erhaltenen Farb- und Vergoldungsspuren zeigt den Gott Mithras bei seiner zentralen Tat, der Stiertötung. Foto: © Rom, Museo Nazionale Romano - Terme di Diocleziano

Franz Cumont (1868-1947) hatte bereits 1900 „Die Mysterien des Mithras“ (dt. 1903) analysiert. In „Die orientalischen Religionen“ (1906) sah er diese als Verbindungsglied zwischen dem antiken Polytheismus und dem Christentum. Der Ex-Katholik und Kirchenkritiker Cumont musste schließlich seinen Lehrstuhl an der Universtität Gent aufgeben. Zwar irritiert heute sein romantisierender Orientalismus und einige seiner Thesen haben sich als unhaltbar erwiesen, aber Cumont hat entscheidend dazu beigetragen, das Aufkommen des Christentums historisch zu erklären.

Schon in der Aufklärung war es im Zuge der Ausgrabungen von Pompeji zu einer Renaissance des Isis-Kultes gekommen, die etwa Wolfgang Amadeus Mozart („Zauberflöte“) und Friedrich Schiller beeinflusste. Im 19. Jahrhundert griff die Theosophin Helena Petrovna Blavatsky in „Die entschleierte Isis“ den Isis-Kult wieder auf, der bis in Rudolf Steiners Anthroposophie ausstrahlte.

Leider fällt die Ausstellung hinter den sehr informativen und reich illustrierten Katalog zurück. So wird in diesem recht ausführlich auf die christlich inspirierte Unterdrückung der paganen Kulte eingegangen, während dies in der Ausstellung nur am Rande erwähnt wird. Eine kompakte, leider kaum illustrierte Einführung in die Thematik bietet Klofts „Mysterienkulte der Antike“, das ebenfalls auf die Bezüge zum Christentum eingeht.  

Image of Mysterienkulte der Antike: Götter, Menschen, Rituale

Hans Kloft: Mysterienkulte der Antike: Götter, Menschen, Rituale. C.H.Beck 2010, Taschenbuch, 128 Seiten