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Esoterisches Wasser

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Der Wasserwissenschaftler und Chemiker Helge Bergmann überprüft in seinem Buch „Trübes Wasser“ die Behauptungen von Esoterikern über angeblich energetisiertes Wasser und ähnliche Wasserfantasien.
Donnerstag, 14. Juli 2016
Cover: Alibri Verlag

Im großen esoterischen Markt spielt Wasser, das nach einer wundersamen Behandlung Wunder bewirken kann, eine wichtige Rolle. Mal wird es durch einen „Wasseraktivator“ in heilsame Schwingungen versetzt, mal wird es durch Töne bespielt oder durch Farben beleuchtet. Das Ergebnis soll ein harmonisiertes und energetisiertes Wasser sein, das durch angebliche Schwingungen den Anwendern hilft. Aber weder lässt sich eine Energetisierung des Wassers nachweisen, noch eine heilsame Wirkung.

Ein weiterer Hit im esoterischen Wassermarkt ist „Edelsteinwasser“. Angeblich vitalisieren es die in das Wasser eingelegten Bergkristalle und Rosenquarze. Danach trägt es zur Gesundung bei. Ähnliches wird auch „rechtsdrehendem Wasser“ zugeschrieben, das – im Gegensatz zum angeblich schädlichen „linksdrehenden“ – positive Konsequenzen haben soll. Wissenschaftlich nachweisen lässt sich nichts davon.

Genauso wenig lassen sich die Wirkungen eines „Wasserenergetisierungsstabs“ belegen, der angeblich „positive Schwingungen auf die im Gefäß befindliche Flüssigkeit [überträgt]“ (S. 65), zu einer Geschmacksverbesserung führen und zudem bei Allergien helfen soll. Auch das „heilige“ Wasser von Lourdes hilft bestenfalls bei denen, die daran glauben. Wirkungen von Beten und Segnen auf Wasser liegen günstigstenfalls im nichtmessbaren Bereich.

Auch das von Johann Grander gefundene Quellwasser, das zur angeblichen „Grander Wasserbelebung“ durch Informationsübertragung auf anderes Wasser dient, hat bisher keinem seriösen Test standgehalten. Das angebliche „Elixier des Lebens“ führte weder zu besserem Pflanzenwachstum noch zu einem besseren Geschmack. In etlichen – im Anhang abgedruckten – Gerichtsurteilen wurde der Firma die Werbung mit angeblichen Behandlungserfolgen verboten. Weder heilt und/oder lindert Grander-Wasser Infektionen, noch hilft es bei Diabetes.

gwup.net: Bekanntester Kritiker der „Grander“-Wasserbelebung vor dem Aus – Über 24.000 Euro Prozesskosten gefährden die Existenz des Biologen Erich Eder. Zum Artikel…

Auch die Behauptungen von Homöopathen, dass Wasser ein Gedächtnis habe, sind wissenschaftlich haltlos. Dies gilt auch für Wasserlösungen mit „Himalaja-Salz“, das übrigens meist aus dem Norden Pakistans stammt und den Himalaya nie gesehen hat.

Helge Bergmann klärt nicht nur die wissenschaftlich belegbaren Eigenschaften von Wasser, darunter einige überraschende Merkmale wie dessen hohe Oberflächenspannung, die es ermöglicht, dass eine Büroklammer aus Eisen auf Wasser schwimmen kann. Zudem geht er auf die Qualität des Trinkwassers ein, das zumindest in Deutschland den Einsatz von Tischfiltern überflüssig macht. Er erklärt die große Nachfrage nach esoterisch angeblich verbessertem Wasser mit dem Placebo-Effekt und der großen mythischen Bedeutung von Wasser in vielen Kulturen. Doch hätten vielleicht Erfahrungsberichte von Betroffenen für weitere Klarheit gesorgt. Auch fehlen leider bei vielen Zitaten die Belegstellen. Trotzdem ist es ein lesenswertes Sachbuch geworden.

Image of Trübes Wasser: Der esoterische Wassermarkt

Helge Bergmann: Trübes Wasser: Der esoterische Wassermarkt. Alibri 2015, Taschenbuch, 173 Seiten