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Papst Franziskus

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Während der neue Papst in den Medien begeistert gefeiert wird, findet der aus der katholischen Kirche ausgetretene Theologieprofessor Hubertus Mynarek in seiner Biografie wenig Gutes.
Donnerstag, 9. Juni 2016
Cover: Tectum Verlag

Für Mynarek zeigt sich in der Wahl von Franziskus 2013 eher eine neue PR-Strategie der katholischen Kirche, aber keine substantielle Erneuerung. Tausendfach zitiert wurde Franziskus‘ Satz auf seiner ersten Pressekonferenz: „Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!“ (S. 193). Was Franziskus damit meint, ist aber nicht ein Eintreten für einen radikalen sozialen Wandel oder gar die Aufgabe der materiellen Privilegien der Kirche, sondern, wie er in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“, seiner Regierungserklärung, schrieb: „Für die Kirche ist die Option für die Armen in erster Linie eine theologische Kategorie“, nämlich, dass Gott den Armen „seine erste Barmherzigkeit gewährt“ (S. 197).

Zwar ließ der Papst zur Weihnachtszeit 400 Schlafsäcke für Obdachlose in Rom verteilen, aber ansonsten hapert es bei der praktischen Umsetzung seiner Armutstheologie. Weder plant die katholische Kirche in Deutschland auf die Amtshilfe beim Einzug der Kirchensteuer zu verzichten noch auf die üppigen staatlichen Zuwendungen. Auch beabsichtigt der Vatikan nicht, seinen Immobilienbesitz – in Rom etwa jedes vierte Gebäude – zugunsten von Armen zu nutzen. Selbst der von Franziskus proklamierte Kampf gegen die Mafia stößt schnell an die Grenzen des Kirchenrechts, das eine pauschale Exkommunikation nicht vorsieht.

So folgen den markigen Reden keine ebenso markigen Taten und es ergibt sich der Eindruck, dass der neue Papst zwar Politiker und Unternehmer gelegentlich moralisch verurteilt und sie wie auch jeden Katholiken zur Nächstenliebe aufruft, aber nicht an eine Strukturreform der katholischen Kirche denkt.

Dazu passt auch, dass der Jesuit eine konservative Theologie vertritt. So sieht er den Teufel als Person (während sein Vorgänger immerhin gelegentlich laut darüber nachdachte, ob er nicht der mythische Begriff des radikal Bösen sei). Von der Anwendung von Textanalyse oder gar Textkritik auf die Bibel hält Franziskus nichts, geht er doch von der „totalen Vollkommenheit Jesu“ (S. 125) aus. An Maria als Jungfrau und Gottesmutter lässt er keinen Zweifel.

Seine konservative Grundhaltung wurde auch in seinem Verhalten zu Zeiten der argentinischen Militärdiktatur deutlich, wo er sich als Erzbischof von Buenos Aires weigerte, die protestierenden Großmütter der Plaza de Mayo zu empfangen. Auch schloss er zwei linke Jesuitenpater aus dem Orden aus, die daraufhin monatelang vom Geheimdienst gefoltert wurden.

Franziskus erscheint bei Mynarek als „Herr der Sprüche“  (S. 237), dem es zwar durch ein geschicktes demütiges Auftreten gelang, die katholische Kirche wieder positiv ins Gespräch zu bringen, von dem aber ansonsten wenig zu erwarten ist.

Leider untersucht Mynarek nicht, inwieweit es durch die von Franziskus geförderte Aufbruchstimmung zu einer zumindest ansatzweisen Machtverschiebung innerhalb der katholischen Kirche kommt – weg von den von Benedikt XVI. geförderten ultrakonservativen Kreisen hin zu sozial engagierteren Gruppen und ihren Anliegen.

Image of Papst Franziskus: Die kritische Biografie

Hubertus Mynarek: Papst Franziskus: Die kritische Biografie. Tectum Wissenschaftsverlag 2015, Gebundene Ausgabe, 336 Seiten