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Geheimbünde

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Der Begleitband zur ZDF-Serie „Terra X“ analysiert Geheimbünde wie die Freimaurer, die Illuminaten, die Rosenkreuzer und Opus Dei. Auch einige weniger bekannte wie „Skull and Bones“ an der amerikanischen Yale-Universität und der antike Mithras-Kult werden von den Autoren besprochen.
Mittwoch, 15. Oktober 2014
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Immer wieder findet sich in den meist um die 30 Seiten langen Artikeln der Hinweis auf Dan Brown, der durch seine Romane das Interesse an fast schon vergessenen, meist recht esoterischen Konzepten neu entfacht hat. Im Zentrum von Browns „Sakrileg“ etwa steht die „Bruderschaft von Zion“, die das angebliche Geheimnis der Nachkommen von Jesus und Maria Magdalena hütet. Diese lebten angeblich in Frankreich, seien später Templer geworden und Ende des 19. Jahrhunderts habe der Priester einer Dorfkirche entscheidende Hinweise gefunden, aber nur zum kleinen Teil veröffentlicht. Soweit eine der obskureren Geschichten des Bandes.

Zu einem großen Nachruhm haben es die „Illuminati“ gebracht. Ihr tatsächliches Vorbild, der Ingolstädter Professor Weishaupt, betrieb mit dem Aufklärer von Knigge den Geheimbund. Angeblich ist er nicht nur für die Französische Revolution verantwortlich, sondern Weishaupt soll auch der wahre erste Präsident der USA gewesen sein. Die historische Wirklichkeit war weit prosaischer. Nach der Auflösung des damals zwar verbotenen, aber immer noch mächtigen Jesuitenordens ist der Aufklärer Weishaupt an der Ingolstädter Universität isoliert. Sein Ziel eines aufgeklärten Absolutismus, den er durch Aufklärer als Berater der Herrscher erreichen will, erweist sich als unrealistisch. Weishaupt muss fliehen und stirbt im Exil. Sein Bund hat zwar in Frankreich einige Anhänger in einer wichtigen Freimaurerloge, aber deren realer Einfluss ist gering.

Tatsächlich unterliegen die Illuminaten den Rosenkreuzern, einem konservativen esoterischen Bund mit großer Begeisterung für die Alchemie. Ihr prominentestes Mitglied ist der preußische König Friedrich Wilhelm II.. Dabei sind die damaligen „Gold- und Rosenkreuzer“ eine Neuauflage der ursprünglichen Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts um Johann Valentin Andreae, die in den Wirren des 30-jährigen Krieges untergingen. Die heutigen Rosenkreuzer gehen auf einen amerikanischen Büroangestellten zurück, der angeblich in einem Traum den Auftrag zur Gründung einer rosenkreuzerischen Organisation erhielt. A.M.O.R.C. mit immerhin weltweit 250.000 Mitgliedern ist heute ein „kommerzieller Dienstleister zur Lebensbewältigungshilfe“ (S. 227). Mit Hilfe von Lehrbriefen können immer höhere geistige Grade erreicht werden – bei einem recht moderaten Jahresbeitrag von 378 Euro.

Weit rigider ist das „Lectorium Rosicrucianum“, das seine weltweit ca. 16.000 Mitglieder (Deutschland: ca. 4.500) darauf einschwört, dass „der Mensch nur durch ein kosmisches Unglück auf die Erde gekommen sei. Eigentliche Heimat des Menschen sei jedoch ein kosmisches Lichtreich.“ (S. 227)

Im Vergleich dazu sind die Freimaurer zumindest in ihrer weltweit dominierenden Version, der Johannismaurerei, eine rationale Bewegung. Ihr Ziel ist die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit. Die z.T. recht obskuren Rituale u.a. mit Sarg und Totenschädel sind eher Beiwerk.

Doch in den v.a. in den USA populären Freimaurerlogen nach dem „Alten und Angenommenen Schottischen Ritus“ mit einer Vielzahl von Hierarchiestufen wimmelt es von pompösen Ritualen. Der Bezug auf die Aufklärung des 18. Jahrhunderts, aus der die europäischen Freimaurer meist hervorgingen, hat sich dort verflüchtigt.

Bei der italienischen P2-Loge, der u.a. Silvio Berlusconi angehörte, handelte es sich um eine verschwörerische Geheimgruppierung mit sehr viel Einfluss. Blutige Attentate, Kontakte zu Geheimdiensten und zur extremen Rechten gehören für P2 zum Programm. Zwar gibt es Konflikte mit vielen Freimaurern, aber der P2-Chef Licio Gelli benützte die Struktur einer Freimaurerloge, um P2 in ein politisch-kriminelles Machtzentrum zu verwandeln, das vermutlich in gewandelter Form bis heute existiert.

Auch der katholische Geheimbund „Opus Dei“ verfügt über eine erhebliche Macht. Nicht nur wurde der Gründer 2002 heiliggesprochen, auch der neue Papst Franziskus hat freundschaftliche Beziehungen zu einer Opus Dei nahestehenden Organisation. Und im Gegensatz zu den im Mittelalter mächtigen Templern, deren Geschichte der Band ebenfalls erzählt, deutet bei Opus Dei derzeit nichts auf einen Machtverlust hin.

Insgesamt bietet der Band informative Artikel, die zwar sparsam aber gelungen illustriert sind. Eine tiefergehende Analyse etwa des sozialen oder psychologischen Hintergrundes sollte man allerdings nicht erwarten. Aber als Einstieg in die Thematik ist der Band gut geeignet.

Image of Geheimbünde: Freimaurer und Illuminaten, Opus Dei und Schwarze Hand

Alexander Hesse, Gisela Graichen: Geheimbünde: Freimaurer und Illuminaten, Opus Dei und Schwarze Hand. Rowohlt 2013, Gebundene Ausgabe, 384 Seiten