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Buddhistische Ethik

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Der 1926 in Vietnam geborene Meditationslehrer und Zen-Meister Thich Nhat Hanh gilt seit seinem Engagement während des Vietnamkrieges als Vertreter eines Engagierten Buddhismus. Seinen schmalen Band „Gut sein und was der Einzelne für die Welt tun kann“ sieht er als Beitrag für eine globale Ethik.
Dienstag, 7. Oktober 2014
Cover

Die Ursprünge des Engagierten Buddhismus gehen auf die Aktivitäten von Mönchen, Nonnen und Laien gegen den Vietnamkrieg zurück: „Engagierter Buddhismus bedeutet, dass wir Achtsamkeit praktizieren, wo immer wir sind, was immer wir tun und wann immer wir es tun. […] Wir bewahren und stärken unsere Kräfte, um anderen wirklich helfen und mit allem Leben verbunden sein zu können. Engagierter Buddhismus ist also nicht nur Selbsthilfe. Er ermöglicht und, dass wir uns dem Glück aller Wesen verpflichtet fühlen.“ (S. 10)

Thich Nhat Hanh geht von Buddhas „Vier Edlen Wahrheiten“ aus. Dabei sind „Glück und Leiden […] keine Gegensätze, sie gehören zusammen. Die nichtdualistische Sicht, die in dieser Auffassung zum Ausdruck kommt, ist eines der Schlüsselelemente eines buddhistischen Beitrags zu einer globalisierten Ethik. Das Gute ist ohne das Böse nicht möglich. Das Gute existiert, weil es das Böse gibt.“ (S. 18)

Dabei setzt der Autor bei Individuen an: „Ohne Zweifel müssen wir Armut und soziale Ungerechtigkeit beseitigen und mit den Problemen der Erderwärmung und des wirtschaftlichen Niedergangs umgehen. Doch beginnen müssen wir mit den schmerzhaften Gefühlen in uns. Wir müssen uns darum zuerst kümmern. Haben wir uns nicht damit befasst, schaffen wir vielleicht ungewollt noch zusätzliches Leid während unseres Versuchs, es zu mindern.“ (S. 31)

Konkret plädiert er für achtsamen Konsum: „Lasst uns auf eine Weise essen, die unser Mitgefühl lebendig erhält, das Leiden der Lebewesen mindert, unseren Planeten bewahrt und den Prozess des globalen Klimawandels umkehrt.“ (S. 51) Konsequent wäre es z.B., wenig oder besser gar kein Fleisch zu essen, das Fernsehen einzuschränken und den Alkoholkonsum einzuschränken, bzw. ganz aufzugeben. Er spricht sich dafür aus, „die zehn Fesseln, die uns binden“ (S. 57) zu lösen, wie etwa Begierde, Wut, Unwissenheit, Komplexe, Zweifel und Argwohn, Fixiertsein auf den eigenen Körper u.Ä.

Diese aus westlicher Sicht recht asketischen Ideale sind in „Samtusta, das Nicht-nach-etwas-Verlangen“ zusammengefasst, „dass wir mit unseren Lebensbedingungen, so wie sie sind, zufrieden sind. Wir haben bereits genügend Bedingungen, um glücklich zu sein. Wenn Sie acht sam sind, brauchen sie auch nicht mehr. Dann fühlen sie sich sicher und wissen, das Sie bereits jede Menge Bedingungen zum Glücklichsein haben und dass Sie nicht der Zukunft entgegeneilen müssen, um dort noch ein paar mehr Bedingungen zu ergattern.“ (S. 77)

An Kriterien für ein ethisches Leben nennt er u.a.: „Was immer zu Glück führt, ist richtig.“ (S. 81) und „Was immer für Sie, Ihre Gesundheit, Ihr Verstehen und Lernen förderlich ist, ist gut.“ (S. 83). Dabei handelt es sich nicht um ein Plädoyer für ein egozentrisches Verhalten: „Nur wenn wir uns die Zeit nehmen und wirklich tief schauen, werden wir erkennen, dass Glück und Leiden keine individuellen Angelegenheiten sind. […] Wenn wir der Umwelt schaden, schaden wir uns; wenn wir einer anderen Person Schaden zufügen, fügen wir uns Schaden zu.“ (S. 97) Um ein ethisches Leben zu führen, schlägt er u.a. Ehrfurcht vor dem Leben, Großzügigkeit, Verantwortungsgefühl, liebevolles Sprechen und tiefes Zuhören vor.

So mündet seine eher individualistische Ethik in eine globale. Sie unterscheidet sich etwa von der christlichen Ethik durch ein realistischeres Menschenbild, den Verzicht auf Gott und durch den großen Wert, der auf Achtsamkeitsübungen wie bewusstes Atmen, Geh- und Sitzmeditation gelegt wird. Auch wenn der asketische Aspekt stört, ist Thich Nhat Hanhs Buch lesenswert, gerade auch für Humanisten.

Image of Gut sein und was der Einzelne für die Welt tun kann

Thich Nhat Hanh: Gut sein und was der Einzelne für die Welt tun kann. O.W. Barth 2014, Gebundene Ausgabe, 160 Seiten