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Der Abgrund lauert im Banalen

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Eine Familie bricht auseinander und ihre einzelnen Bestandteile werden auf sich selbst zurückgeworfen. In dem Film "Was bleibt" von Hans-Christian Schmidt werden die Abgründe in unserer sicheren Existenz ausgemessen, auch wenn am Ende einige Fragen im Raum stehen bleiben.
Montag, 18. März 2013
Was bleibt

Was bleibt | Home For The Weekend | Egon Merten, Lars Eidinger | Gerald von Foris © 23/5 Filmproduktion GmbH

Hans-Christian Schmids Filme gehen unter die Haut. 2006 verfilmte er mit Requiem eine Geschichte, die an den Tod der Studentin Anneliese Michel in den 1970er Jahren erinnerte, an der katholische Priester kurz zuvor einen große Exorzismus durchgeführt hatten. Drei Jahre zuvor war sein Film Lichter im Wettbewerb der Berlinale zu sehen. In eindringlichen Szenen und Episoden führt er darin die Schicksale von osteuropäischen Flüchtlingen, Zigarettenschmugglern, Taxifahrern und Arbeitslosen in der ostdeutschen Grenzstadt Frankfurt/Oder zusammen. Mit dem Jugenddrama Crazy ist ihm einer der erfolgreichsten deutschen Filme gelungen. Alle drei Filme sind packende Sozialdramen, die die Absurditäten der Gesellschaften in ihrer Zeit einfangen.

Den gesellschaftlichen Abgründen unserer Zeit widmet sich sein dritter Film Was bleibt, der im vergangenen Jahr im Wettbewerb der Berlinale lief. Mit Lars Eidinger und Corinna Harfouch wirken in seinem wie ein Kammerspiel angelegten Film zwei der besten deutschen Schauspieler mit, die mit jeweils einem Fuß im Film und im Theater stehen. An einem gemeinsamen Wochenende im Elternhaus sollen die Weichen für die Zukunft einer Familie neu gestellt werden, denn der stets geschäftige Verlegervater (Ernst Stötzner) ist in den Ruhestand gegangen und kann sich nun theoretisch seiner Frau (Corinna Harfouch) und den beiden gescheiterten Söhnen Marko (Lars Eidmann) und Jakob (Sebastian Zimmler) widmen.

Doch es kommt zum Eklat, denn das, was all die Jahre verschwiegen wurde, bricht nun zutage. Gitte ist ihrer Rolle als depressives Muttchen überdrüssig, Jakobs Zahnarztpraxis läuft nicht und Markos Ehe steht kurz vor dem Ende. Was bleibt, wenn man sich diese Wahrheiten nicht zugemutet hat? Wie viel Familie und wie viel Vertrauen bleiben nach dem Durchbrch des Unvermeidlichen? Wie viel Wissen teilt man nach Jahren praktizierter Gleichgültigkeit noch miteinander? Und wie kommt man aus den immer gleichen Routinen und Pflichten heraus, die einem das Leben und die Gesellschaft aufzudrücken scheinen? Diese Fragen ergründet Schmids Ensemble auf ebenso grandiose wie albtraumwandlerische Weise.

In Was bleibt werden die Abgründe in unserer sicheren Existenz ausgemessen, auch wenn am Ende einige Fragen im Raum stehen bleiben.

Was bleibt DVD

Hans-Christian Schmid: Was bleibt. Mit Corinna Harfouch, Lars Eidinger, Sebastian Zimmler, Ernst Stötzner. 85 Minuten. 12,99 Euro. FSK: 12 Jahre. 

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