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Die Welt der Kirche als Comic?

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Ein Comicbuch über den Kirchenalltag zu schreiben, ist durchaus möglich und kann für interessierte Leser sicherlich auch amüsant sein. Wenn man aber in diesem Rahmen zugleich kirchliche Missstände anspricht, dann wirken die nicht wirklich gelungenen Karikaturen eher verstörend bis skandalös.
Freitag, 7. Dezember 2012
Osinger_Flathead

Rainer M. Osinger, Jahrgang 1970, ist ein österreichischer Illustrator, Gebrauchsgrafiker und Autor. Als Maler arbeitet er an neuen Techniken und Anwendungen, die nach seinen Aussagen seine Werke als Illustrator und Künstler prägen. Neben Comic- und Kinderbüchern veröffentlicht er Plakate, Verpackungsgestaltungen und Gemälde. Er erhielt dafür auch schon einige internationale Preise.

In seinem neuen Comicbuch geht es um Pastor Flathead, wörtlich Dummkopf, der sich immer wieder in Nöte begibt. Dabei passieren ihm auf amüsante Weise Missgeschicke, die zunächst durchaus zum Schmunzeln anregen. Er widmet sich auch Widersprüchen der Kirche, die schamlos aufgedeckt werden. Das ist bemerkenswert und erhält durch die Darstellung in Form des Comics eine spezielle Ausdrucksweise. Das kann man als positiv werten, da viele kirchliche Tabus wie etwa Geben und Nehmen, Pubertät und Kirche, Schwulsein und Unaufrichtigkeit angesprochen werden.

Allerdings entsteht bereits hier schon die Frage, ob und inwieweit sich solche Themen eignen, sie durch das Aufgreifen in der humorigen Form eines Cartoons zu verniedlichen. Problematisch wird es vor allem an den Stellen, die den Missbrauch in der Kirche thematisieren.

Kann man religiösem Alltag generell ironisch begegnen? Das ist sicherlich möglich. Sollte man aber kirchlichen Missbrauch in Form eines Comics darstellen? ich meine, dass man das nicht kann. In dieser Form zumindest nicht. Dass in diesem Buch unreflektiert gearbeitet wurde, macht auch bereits der Klappentext deutlich.

Von peinlichen und witzigen Begebenheiten bis zu religiösem Missbrauch und Irrsinn sind die Cartoons von Pastor Flathead etwa für religiöse und nicht religiöse Menschen zum Schmunzeln und zum Nachdenken.

In einem quasi abgeschlossenen, kirchlichen System besteht, wie auch in anderen geschlossenen Systemräumen, die Gefahr, dass sich bösartige Menschen, physischer und psychischer Missbrauch, Falschheit und Machtmissbrauch unbeobachtet entfalten können. Dies hat in einem „zum Schmunzeln" angelegten Comic jedoch nichts zu suchen.

Selbst wenn Pastor Flatheads argloser Umgang mit diesen Themen dessen „Dummkopfigkeit" – womöglich stellvertretend für die der Kirchenoberen im Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen – symbolisieren und ironisch auf die Spitze treiben soll, dann muss man sagen, dass dies hier ordentlich misslungen ist. Man kann dies als Zugeständnis mutmaßen, deutlich wird es keineswegs.

Osinger hätte sich im Vorfeld darüber mehr Gedanken machen müssen, was er mit seiner Idee bewirken möchte. Alle Probleme der Kirche in einen Topf zu werfen, ohne zwischen lapidaren Alltagsgeschichten und unentschuldbaren menschlichen Verwerfungen zu unterscheiden, zeugt davon, dass sich der Autor mit dem Thema übernommen hat. Und Betroffene können darüber bestimmt nicht lachen.

Rainer M. Osinger: Pastor Flathead & Co. Religiöse Cartoons. Projekte Verlag 2012. 160 Seiten, 10,50 Euro.