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Skeptical Inquirer

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Das amerikanische Wissenschaftsmagazin befasst sich in seinen aktuellen Ausgaben mit pseudowissenschaftlichen Einflüssen auf psychische und psychotherapeutische Maßnahmen und konnte mit dem renommierten Psychologen Stephen Pinker ein Interview über seine Thesen zur abnehmenden Gewalt führen.
Mittwoch, 2. Oktober 2013
Skeptical Inquirer 4-2013

Sylvia Browne ist eines der berühmtesten Medien der englischsprachigen Welt. Sie tourt durch Fernsehshows und ist omnipräsent auf den amerikanischen Radiowellen. Mit ihren Büchern über verschwundene Personen sowie über paranormale, esoterische und spirituelle Fragen verdient sie jedes Jahr Millionen. Seit Mitte der 1970er Jahr hält sie auch so genannte psychische Sitzungen ab, für die sie inzwischen bis zu 1.700 US-Dollar pro Stunde verlangt.

Die skeptische und rationale Community ist in Brownes Augen ein rotes Tuch, denn seit Jahren weißt sie ihr in steter Regelmäßigkeit nach, dass der Wahrheitsgehalt ihrer „seherischen“ Aussagen und „paranormalen Deutungen“ bei nahezu null liegt. Der Skeptiker James Randi hatte ihr im Rahmen der Larry King Show sogar einmal eine Eine-Million-Dollar-Wette angeboten. Er bot ihr den Millionenbetrag, wenn sie in einer wissenschaftlich kontrollierten Testreihe ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten nachweisen könne. Natürlich hat Browne diese Wette nie angenommen, ihr Renommee als „Medium“ leidet jedoch kaum darunter.

In der aktuellen Ausgabe des Skeptical Inquirer wird einmal mehr nachgewiesen, dass die neuerlichen Weissagungen von Sylvia Browne keinerlei Wahrheitsgehalt innehaben. Gefährlich ist Brownes Tun aber vor allem dann, wenn Sie „Heilung“ und „Rettung“ verspricht, wie sie dies nicht selten tut. In den USA gibt es inzwischen schon zahlreiche Initiativen, die das tun der Amerikanerin stoppen wollen. Vielleicht kann der entlarvende Artikel etwas dazu beitragen.

Dazu passen einige andere Texte der Ausgabe, die sich mit „psychischen Visionen“ und pseudowissenschaftlichen Technologien auseinandersetzen. Aus aktuellem Anlass lesenswert ist ein Beitrag, der dem allgemeinen Mythos, der Klimawandel habe eine Pause eingelegt, Fakten entgegensetzt – wohlgemerkt vor der Veröffentlichung des neuerlichen UN-Weltklimaberichts, der mit aktuellen Prognosen vor einer deutlich schnelleren Erderwärmung warnt. Den Klimaskeptikern – die übrigens nichts mit den Skeptikern zu tun haben, von denen hier gemeinhin die Rede ist – sprechen die Autoren des Beitrags jegliche wissenschaftliche Seriosität ab.

Skeptical Inquirer 4-2013

Überaus Seriös wurden allenthalben die Erkenntnisse des amerikanischen (Evolutions-)Psychologen Stephen Pinker aufgenommen, der in Deutschland zuletzt mit seinen epochalen Studien Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit und Wie das Denken im Kopf entsteht die Aufmerksamkeit aus Fachwelt und Feuilleton auf sich zog. Vor allem die Hauptaussage seiner Gewaltstudie, dass die Gewalt weltweit entgegen der öffentlichen Wahrnehmung nicht zu- sondern rapide abnehme, sorgte für ebenso anregende wie aufgeregte Kontroversen. Für seine vorangegangene Sommerausgabe konnte der Skeptical Inquirer ein überaus lesenswertes Interview mit dem Psychologen führen, in dem er über die globale Geschichte der Gewalt und die besondere Situation in den USA spricht.

Außerdem ging die Redaktion des Wissenschaftsblattes der Geschichte des Meteors nach, der im Frühjahr in der Nähe der russischen Stadt Tscheljabinsk beobachtet worden war. Dabei handelte es sich um den größten Meteor seit dem Eintritt des Sikhote-Alin-Meteoriten am 12. Februar 1947. Die Explosion des Himmelskörpers führte zu einer enormen Druckwelle, die wiederum zahlreiche Schäden, vor allem zerbrochene Fenster, verursachte. Historisch einmalig war vor allem die große Anzahl der verletzten Personen in der Region des Ereignisses. Fast 1.500 Menschen sollen durch Glassplitter und Prellungen verletzt worden sein. Entsprechend schlussfolgern die Autoren, dass nicht überraschend sei, was passiert ist – der Einschlag des Meteors –, sondern was nicht passiert sei – der Ausbruch einer Massenpanik.

Spannend darüber hinaus der Bericht über eine Kampagne Psychology is science, not witchcraft der polnischen Skeptiker, mit der pseudowissenschaftliche Tests aus der klinischen und forensische Psychologie verbannt werden sollen. Eine Angelegenheit, die die deutschen Skeptiker aufgrund der räumlichen Nähe durchaus stärker beleuchten könnten, als sie es bislang tun.

Den Skeptical Inquirer können Sie hier bestellen.

Image of Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit

Steven Pinker: Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit. S. FISCHER 2011, Gebundene Ausgabe, 1216 Seiten

Image of Wie das Denken im Kopf entsteht

Steven Pinker: Wie das Denken im Kopf entsteht. FISCHER Taschenbuch 2011, Taschenbuch, 784 Seiten