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Presseschau: MIZ 2/2013

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Die von Papst Franziskus angestoßene Vision einer Kirche in Armut bildet das Schwerpunktthema der MIZ Nr. 2/2013. Außerdem geht es um die (fehlende) Neigung zur Wahrhaftigkeit christlicher Politiker sowie Dirk Verhofstadts Studie über Papst Pius XII.
Dienstag, 10. September 2013
MIZ 2-2013

Ausgehend von Aussagen und vom Verhalten des neuen Papstes wird die Frage diskutiert, inwieweit dies möglich und von Seiten der katholischen Kirche als Institution gewollt ist. Unbestreitbar bedient Papst Franziskus durch sein bescheidenes Auftreten und seine Kritik an kirchlichem Prunk und Protz die Wünsche vieler Katholiken, wie auch die jüngsten innerkirchlichen Auseinandersetzungen im Bistum Limburg um den offenkundigen Größenwahn des dortigen Bischofs, Franz-Peter Tebartz-van Elst, belegen.

Dennoch ist es nicht vorstellbar, dass die katholische Kirche auf ihren weltlichen Reichtum verzichtet. Eine ihre Stärken als Institution besteht nun einmal darin, dass sie über beträchtliche Reichtümer verfügt. Dass es der katholischen Kirche immer wieder gelungen ist, gegenläufige Bestrebungen zu kanalisieren und zu integrieren, belegt der Beitrag „Nomen est omen“ von Nicole Thies. Mit Bedacht wählt die Autorin das Beispiel des Namensgebers des Papstes, Franziskus, als Beleg.

Im Beitrag „Religionen brauchen Armut“ verweist Frank Welker darauf, dass Religiosität vor allem in Ländern stark verbreitet ist, in denen es wenig materiellen Wohlstand gibt oder wo - wie in den USA -  soziale Sicherungssysteme fehlen. Die Analyse von Karl Marx, dass soziale und ökonomische Ungerechtigkeiten eine wesentliche Grundlage für Religiosität bilden, gilt nach wie vor. Mit den Bestrebungen islamischer Verbände, sich eine kirchenähnliche Struktur zu geben, um Anspruch auf die damit verbundenen Privilegien, u.a. die Erteilung von Religionsunterricht, zu erhalten, befasst sich Roland Ebert.

Am Beispiel des Papiers des Evangelischen Arbeitskreises in der CDU (EAK) zum Thema „Die Grünen und ihr Verhältnis zur Kirche“ belegt Rainer Ponitka, dass Halb- und Unwahrheiten nach wie vor zum Repertoire sich als genuin christlich verstehender Politiker gehören, wenn es darum geht, christliche Privilegien zu verteidigen. Neben dem parteitaktisch geprägten Versuch, die Grünen für eine christlich geprägte Wählerschaft als nicht wählbar hinzustellen, stellt es eine Gesamtabrechnung mit allen Bestrebungen dar, Privilegien und Vorrechte der Kirchen in Frage zu stellen. Ein eindrucksvolles Dokument christlich fundamentalistischen Denkens, das einmal mehr belegt, dass Religionsfreiheit aus dieser Sicht nur auf die allumfassende Verwirklichung der Religionsausübung abzielt. Alle Andersdenkenden sollen sich dem unterwerfen, tun sie es nicht, gelten sie als intolerant.

Ein Interview mit Dirk Verhofstadt, dessen Studie über Papst Pius XII. seit kurzem auch auf Deutsch vorliegt ( Pius XII. und die Vernichtung der Juden ), zum 80. Jahrestag des Reichskonkordats schließt das Heft ab. Auch wenn vieles seiner Kritik der Politik des Vatikan richtig ist, in der Frage der Umstände des Zustandekommens des Konkordats liegt er mit seinem verschwörungstheoretischen Ansatz falsch. Zum einen war Franz von Papen kein maßgeblicher Zentrumspolitiker, wie Dirk Verhofstadt auch in seinem Buch immer wieder behauptet. Papens autoritär-konservative Position war in der katholisch geprägten, jedoch demokratisch orientierten Zentrumspartei, nicht mehrheitsfähig. Nach langen Querelen trat er schließlich, seinem Ausschluss zuvorkommend, im Juni 1932 aus. Und wie die mittlerweile veröffentlichten vatikanischen Dokumente aus jener Zeit belegen ( Papst & Teufel: Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich ), war das Agieren von Vatikan, deutschen Bischöfen und der Zentrumspartei im Umfeld der Machtübernahme der Nationalsozialisten dann doch etwas komplizierter als Dirk Verhofstadt es darstellt.

Das Heft wird abgerundet durch Berichte von diversen Veranstaltungen, u.a. von der Konferenz säkularer Frauen in Dublin und vom Humanistentag in Hamburg und natürlich der internationalen Rundschau, die für säkulare Menschen interessante Nachrichten aus aller Welt aufgreift.

Image of Pius XII. und die Vernichtung der Juden

Dirk Verhofstadt: Pius XII. und die Vernichtung der Juden. Alibri 2013, Taschenbuch, 450 Seiten

Image of Papst & Teufel: Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich

Hubert Wolf: Papst & Teufel: Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich. C.H.Beck 2012, Taschenbuch, 360 Seiten