Direkt zum Inhalt

Presseschau: MIZ 1/2013

Druckversion
Heilig oder nicht heilig ist für den gemeinen Konfessionsfreien keine Frage, denn heilig ist ihm irgendwie unheimlich. Dennoch kommt man nicht umhin, sich mit Heiligen und Geheiligten, Heiligem und Geheiligtem gesellschaftlich auseinanderzusetzen, denn es gibt nun mal Menschen, denen Dinge heilig sind.
Montag, 3. Juni 2013
Presseschau: MIZ 1/2013

Der Staat allerdings sollte sich aus der Debatte um das Heilige heraushalten und seine Neutralität wahren. Schaut man jedoch genau hin, dann erkennt man schnall, dass es zahlreiche Staaten beim obigen Konjunktiv belassen. Von den 198 Staaten weltweit haben 32 eine Gesetzgebung, die Gotteslästerung unter Strafe stellt, 20 besitzen Gesetze gegen den Glaubensabfall und 87 Länder, darunter auch Deutschland, haben legislative Rahmenbedingungen, unter denen Die Diffamierung von Religionen strafrechtlich verfolgt werden kann. Und weil diese Gesetze immer öfter Anwendung finden – keineswegs nur in islamischen Ländern – hat die Redaktion der MIZ das Thema auf den Titel gehoben.

Der geheiligte Status quo heißt es auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe und Redakteur Christoph Lammers schreibt in seinem Editorial, dass sich der Staat vom emotional scharfen und inhaltlich unscharfen Ton der Gotteslästerungsapologeten beeinflussen lasse und „kein Interesse an einer rationalen Auseinandersetzung“ habe, weil an deren Ende womöglich eine Änderung des „geheiligten Status quo“ stünde. Im Heft selbst wird das Thema mit einem Interview mit Assunta Tammeleo aufgegriffen, einer der Stifterin des Kunstpreises „Der freche Mario“, mit dem „lästerliche Kunstwerke“ ausgezeichnet werden, weil diese die Freiheit der Kunst repräsentieren, sowie mit einem lobenden Beitrag zum chinesischen Laizismus, der in seiner Ausschnitthaftigkeit ein tolerantes China skizziert, dass so kaum jemand kennen wird.

Darüber hinaus wird der Arbeitskreis der säkularen Grünen vorgestellt, IBKA-Sprecher Rainer Ponitka äußert sich im Interview zur laufenden Kampagne „Konfessionslos in der Schule“, zu der noch in diesem Sommer eine Neuauflage des gleichnamigen Ratgebers im Alibri-Verlag erscheint. Der Vorsitzende des Bundes für Geistesfreiheit, Theodor Ebert, bezieht Stellung zur Ankündigung der Katholischen Kirche in Bayern, auf die Konkordatslehrstühle außerhalb der theologischen Fakultäten zu verzichten. In seinem Beitrag geht er auch auf die Berichterstattung ein und attestiert der taz eine auffallend kirchenfreundliche Berichterstattung. Rainer Ponitka beleuchtet in einem weiteren Beitrag ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln, demzufolge zwei Kinder infolge der Streitigkeiten der sich trennenden Eltern den Religionsunterricht besuchen müssen.

Peter Ullrich hat darüber hinaus die FES-Studie Die Mitte im Umbruch unter die Lupe genommen und wundert sich, dass die dort attestierte Zunahme von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus keinen Niederschlag in der deutschen Antisemitismusforschung gefunden hat. Der deutsche Diskurs über den Antisemitismus sei einer über den Antisemitismus der anderen, schlussfolgert Ullrich.

Diese und weitere Beiträge (hier eine Übersicht) finden Sie in der aktuellen Ausgabe der MIZ.