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Wer bekommt den Preis der Leipziger Buchmesse?

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In den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung sind jeweils noch fünf Titel im Rennen um den Buchpreis der Leipziger Buchmesse. Was sind das für Titel? Eine Bücherschau.
Mittwoch, 14. März 2012

Belletristik

Eines kann man schon jetzt sagen. In diesem Jahr wird der Leipziger Buchmessepreis nicht an einen Erzählband vergeben. Nachdem im vergangenen Jahr Clemens J. Setz für seine surreale Erzählsammlung Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes ausgezeichnet wurde, ist in diesem Jahr erst gar kein Erzählband nominiert worden. Stattdessen fünf Romane, deren Handlungen um mehr oder weniger skurrile Personen kreisen.

Wolfgang Herrndorf: Sand

In Wolfgang Herrndorfs Thriller Sand, dem temporeichsten Roman unter den fünf Nominierungen, sucht der tragische Held seine eigene Identität und eine Sammlung skurriler Nebenpersonen macht es ihm dabei nicht unbedingt leicht.

Anna Katharina Hahn: Am Schwarzen Berg

Nicht wesentlich leicht hat es Peter, die heimliche Hauptfigur in Anna Katharina Hahns Provinzroman Am Schwarzen Berg, der sich weigert, in dessen Zentrum zu treten und dies seinen sich permanent sorgenden Eltern überlässt, die vor dem Hintergrund seiner Krise auf ihr Leben zurückblicken.

Thomas von Steinaecker: Das Jahr in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen

Einen Blick zurück wirft auch Renate Meißner, die Ich-Erzählerin in Thomas von Steinaeckers Realsatire Das Jahr in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen, die sich des staubigen Charmes der Versicherungswelt nicht entledigen kann.

Jens Sparschuh: Im Kasten

Als Satire verstehen muss man wohl auch Jens Sparschuhs schmalen Roman Im Kasten, dessen Handlung um Hannes Felix' wohlgeordnete Welt kreist, die nicht einmal beim Auszug der eigenen Frau aus den Fugen geraten will.

Sherko Fatah: Ein weißes Land

Aus den Fugen gerät die Welt in Sherko Fatahs Roman Ein weißes Land durchaus, der, als Lebensbeichte des Irakers Anwar geschrieben, vom Faschismus im Irak der 1930er Jahre und den Katastrophen in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts erzählt.

Sachbuch/Essayistik

Carolin Emcke: Wie wir begehren

Im Bereich Sachbuch/Essayistik hat die Jury die Wahl zwischen fünf sehr beeindruckenden und starken Titeln. Ein überaus intelligenter und federleicht geschriebener Beitrag ist der Essay der Journalistin Carolin Emcke, die in ihrem Buch Wie wir begehren den Blick auf die homosexuelle Liebe analysiert, um etwas deutlich zu machen, was eigentlich nur normal sein sollte: dass Begehren weder gut noch schlecht ist, sondern einfach nur ist.

Manfred Geier: Aufklärung

Auch die Aufklärung ist ein Faktum, man könnte sie einfach als gesetzt hinnehmen. Manfred Geier hat dies nicht getan, sondern sich diese seit dem 17. Jahrhundert dauernde Ära der Vernunft für seine Studie Aufklärung. Ein Europäisches Projekt genauer angeschaut.

Wilfried F. Schoeller: Döblin

Alles andere als vernünftig ist das schriftstellerische Werk von Alfred Döblin. Wohl deshalb lag bislang noch keine Biografie zu ihm vor. Wilfried F. Schoeller hat diese Lücke mit Döblin. Eine Biografie, zweifelsohne dem künftigen Standardwerk für die Döblin-Rezeption, geschlossen.

Lothar Müller: Weisse Magie

Für abgeschlossen mag man die Geschichte des Papiers halten, die Digitalisierung greift allenthalben um sich. Lothar Müller setzt dieser These seine wunderbare Kulturgeschichte Weisse Magie über die Epoche des Papiers entgegen, in der wir uns, allen Unkenrufen zum Trotz, immer noch befinden.

Jörg Baberowski: Verbrannte Erde

Eine gewagte These untermauert der Historiker Jörg Baberowski in seiner großen Geschichtsstudie Verbrannte Erde. Er fragt darin, wie es zu der alle Grenzen sprengenden Gewaltherrschaft unter Josef Stalin kommen konnte. Seine Erklärung verblüfft in ihrer Einfachheit und erschlägt in ihrer detaillierten Darstellung.

Übersetzung

Bei den für den Übersetzerpreis nominierten Titeln stellt sich einmal mehr die nur schwer zu beantwortende Frage, welche Leistung der Preis eigentlich honorieren sollte, denn gleich neben der Qualität der Übersetzung steht hier stets auch der Umfang der geleisteten Arbeit.

Leipziger Buchmesse 2012: Übersetzertitel