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Ein Berliner unter dem Schutz der Dritten Macht

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„Ein Interview mit Dr. Stoll – Der Film“ bietet ab 28. Juli 2015 einen von Expertenstimmen begleiteten Einblick in die Gedanken- und Vorstellungswelt des prominenten rechts-esoterischen Verschwörungstheoretikers Axel Stoll.
Dienstag, 21. Juli 2015

Eine öde Eiswüste in der Antarktis regt bis heute die Phantasie rechter Verschwörungstheoretiker an. 1938/39 war das Nazi-Expeditionsschiff „Schwabenland“ am Südpol, namensgebend für Hitlers Stück Land im Eis. Die Nazis haben dort eine versteckte, unterirdische Militärbasis – auf ihrem „Neuschwabenland“ – errichtet und warten im ewigen Eis bis heute auf einen günstigen Zeitpunkt zur Erlangung der Weltherrschaft. Schon im Zweiten Weltkrieg hatten Nazis Experimente mit neuartigen Antriebsformen für sogenannte „Flugscheiben“ durchgeführt – und mit diesen in den Jahren 1946/1947 sogar die US-Marine angegriffen. Davon sind Verschwörungsgläubige überzeugt.

Ein Teil dieser Verschwörungstheoretiker trifft sich regelmäßig im „Neuschwabenlandforum“ in Berlin, einem Stammtisch im Hinterzimmer einer Kneipe im Stadtteil Britz. Eines der bizarrsten Aushängeschilder dieses Forums war Dr. Axel Stoll, der wie seine Anhänger der Bundesrepublik Deutschland das Existenzrecht absprach und sich als „Reichsbürger“ sah. Laut dem Verbraucherschutz-Wiki Psiram verbreitete Stoll „zahlreiche populäre Verschwörungstheorien, auch der absurdesten Art. So war er der Meinung, dass der Mond ‚in reichsdeutscher Hand‘, die Erde hohl und die Sonne in Wirklichkeit kalt sei“, ferner habe er die Erde als „‚Strafplanet‘ einer ‚galaktischen Föderation‘ Außerirdischer“ gesehen. Sich selbst bezeichnete der promovierte Geologe, der zu DDR-Zeiten unter anderem KGB-Offizier gewesen sein will, als „Fachautor zum Thema Flugscheibentechnik und nonkonventionelle Energien“. Axel Stoll, zuletzt eine der prominentesten Figuren in der rechts-esoterischen Verschwörungstheoretiker-Szene sowie laut eigenen Angaben unter „Templerschutz“ und dem „Schutz der Dritten Macht“, starb am 28. Juli 2014 in seiner Plattenbau-Wohnung in Berlin-Lichtenberg.

Ein knappes Jahr zuvor war es den Psychologen, Publizisten und Podcastern Sebastian Bartoschek und Alexander Waschkau sowie der Ethnologin Alexa Waschkau gelungen, den vor allem durch die Aufzeichnungen seiner Vorträge bei YouTube bekannt gewordenen Verschörungstheoretiker zu einem rund zweistündigen Interview zu überreden. Bis zum Dezember 2013 entstand daraus schließlich das Buch Muss man wissen!. Dieses enthielt eine kommentierte und mit Anmerkungen versehene sowie aufgrund strafrechtlich bedenklicher Äußerungen an einigen Stellen geschwärzte Fassung des Interviews, ergänzt um eine psychologische Einordnung der Persönlichkeit Stolls. Seitdem wurde es nach Angaben des JMB-Verlages rund 3.000 Mal verkauft.

Foto: (c) Ralf Stockmann

Axel Stoll. Foto: (c) Ralf Stockmann

Doch selbst ein Jahr nachdem Stoll leblos in seiner Wohnung aufgefunden wurde, scheint das öffentliche Interesse an seiner Person noch längst nicht versiegt zu sein. Einen Hinweis darauf bietet der Wikipedia-Eintrag zu seiner Person, welcher auch in den letzten Monaten noch viele tausend Mal aufgerufen worden ist. Anlässlich des ersten Todestags von Axel Stoll erscheint nun – passend zu dem offenkundig anhaltend hohen Interesse an ihm – das im September 2013 geführte Interview als Film. Die filmische, gut einstündige Dokumentation des Gesprächs macht es möglich, sich ein wohl letztes Mal auf eine sehr persönliche Weise der Gedanken- und Vorstellungswelt des wahlweise faszinierend-bizarr, erschreckenden oder auch einfach bemitleidenswerten Verschwörungstheoretikers zu nähern. Ergänzt und eingeordnet werden die Ausführungen Stolls durch Erläuterungen und Erklärungen einschlägig versierter Experten aus ganz Deutschland, welche die Macher des Films in den vergangenen Monaten aufgesucht und befragt haben.


Im Netz: nslbuch.de/film