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Humanism – from Social Media to Public Policies

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Am vorletzten Wochenende fand in der rumänischen Hauptstadt Bukarest erstmals eine Osteuropa-Konferenz humanistischer Jugendverbände statt. Marieke Prien (24), Kognitionswissenschaftsstudentin in Osnabrück, berichtet vom erfolgreichen Treffen der rund 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus 21 europäischen Ländern.
Montag, 4. Mai 2015
Foto: IHEYO

Öffentliche Sichtbarkeit, Zugänglichkeit, Vernetzung: Diese drei Dinge sind es, die die Arbeit von humanistischen Verbänden wirksam machen. Doch gerade in Staaten mit hohem Anteil religiöser Einwohner und kleinen oder gar nicht vorhandenen humanistischen Organisationen liegen genau hier die Probleme. Hier fehlt es nichtreligiösen Menschen in der Regel an allem davon.

Aus den Überlegungen, wie hier die Situation verbessert werden könnte, wuchs während des World Humanist Congress in Oxford im August 2014 die Idee zur Humanist East European Conference, die nun schließlich vom 24. vom 26. April in Bukarest stattfand. Ausgerichtet wurde sie von der im Jahr 2008 ins Leben gerufenen Romanian Humanist Association, der 2010 gegründeten Romanian Secular-Humanist Association und der IHEU-Jugendorganisation International Humanist and Ethical Youth Organization. Weitere Organisatoren beteiligten sich als Sponsoren.

Zu dem Motto der Konferenz „Humanism – from Social Media to Public Policies“ gab es ein tolles Programm, das über 50 junge HumanistInnen aus 21 verschiedenen Ländern anlockte. Viele davon wurden von den Verbänden und Jugendorganisationen in den jeweiligen Ländern entsandt, andere kamen einfach so. Ich nahm als Vertreterin der Jungen Humanistinnen und Humanisten in Deutschland und als IHEYO-Membership Officer teil.

Die Vorträge und Workshops lieferten den TeilnehmerInnen tiefere Einblicke in die Funktionsweise der sozialen Netzwerke im Internet und Potentiale ihrer Nutzung. Außerdem ging es um die Gründung und Aktionen humanistischer Organisationen.

Der Workshop von Bob Churchill, Communications Director bei der IHEU, drehte sich um die Frage, wie man das Wissen vom Humanismus und humanistische Ideen weiter verbreiten könnte. Dafür wurde erst einmal der Begriff „Humanismus“ geklärt, um sicherzustellen, dass alle über das gleiche redeten. Es entstand eine interessante und auch lustige Diskussion darüber, was die TeilnehmerInnen unter „Humanismus“ verstehen, was sie in ihm sehen und wo es Probleme gibt.

Im Workshop von Cristina Iacob, Vertreterin der Romanian Humanist Assocation, und Yvan Dheur, der für die belgische Organisation deMens.nu tätig ist, ging es um bestimmte Bereiche in Staat und Gesellschaft, in denen es aus humanistischer Sicht Probleme gibt. Aus zehn Themenbereichen nannten die VertreterInnen der teilnehmenden Staaten diejenigen fünf, die sie als am wichtigsten empfanden.

Foto: IHEYO

Cristina Iacob.

Interessanterweise setzten sich fünf Themen deutlich von den anderen ab: Rechte sexueller Minderheiten, (politische) Apathie in der Gesellschaft, Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche, religiöse Indoktrination und Diskriminierung/Verletzung von Menschenrechten. Zu jedem Punkt wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich über die jeweilige Situation in ihrem Land austauschten und Ideen sammelten, wie man die Situation verbessern kann.

Besonders beeindruckend und inspirierend war der Vortrag von Emil Moise, dem Präsidenten der rumänischen Solidarity for Freedom of Conscience Association, einer Organisation zur Schutz der Gewissensfreiheit. Nachdem Emil Moises Tochter sich 2009 dazu entschieden hatte, nicht am (konfessionellen) Religionsunterricht teilnehmen zu wollen, kämpfte Emil jahrelang vor verschiedenen Gerichten dafür, dass Kinder vom Religionsunterricht befreit werden können, ohne dass die Eltern dies gesondert beantragen müssen. Er bekam am Ende Recht. Seit März gibt es nun die Regelung, dass rumänische SchülerInnen nur am Religionsunterricht teilnehmen, wenn sie sich aktiv dafür entschieden haben. Remus Cernea, Gründer der Solidarity for Freedom of Conscience Association und Abgeordneter im rumänischen Parlament, hat einen ähnlich langen Weg hinter sich. Er berichtete über seinen Kampf um eine deutlichere Trennung zwischen Staat und Kirche, mit dem er im Parlament leider alleine und ohne Unterstützung durch andere Abgeordnete dasteht.

Auch außerhalb der Workshops und Vorträge gab es viel Austausch über humanistische Ideen und Ziele betreffende Themen in den Herkunftsländern der TeilnehmerInnen. Den ganzen Tag und die halbe Nacht unterhielt man sich über Religionsunterricht an Schulen, politische Regelungen zu gleichgeschlechtlicher Ehe, Kirchensteuer und vieles andere. Es wurde viel diskutiert, wobei sich zeigte, dass die HumanistInnen auch untereinander offen, aber auch skeptisch und kritisch sind. So wurde auch während der Vorträge viel hinterfragt und kritisiert, ohne dabei jedoch den Respekt zu verlieren. Es entwickelte sich so eine sehr produktive Atmosphäre, von der ich glaube, dass sie allen TeilnehmerInnen zu neuen Einsichten und Erkenntnissen verholfen hat.

Passend zum Thema der Konferenz wurde natürlich fleißig in den sozialen Netzwerken über die Veranstaltungen berichtet, ständig gab es Updates. NutzerInnen von Facebook und Twitter etwa können das unter dem Hashtag #HEEC2015 nachlesen. Und natürlich tauschen sich die TeilnehmerInnen auch weiterhin darüber aus.

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Mein Fazit: Veranstaltungen wie die Humanist East European Conference sind perfekt für die Ländergrenzen überschreitende Vernetzung. Man kann nicht nur Ideen und Erfahrungen austauschen, sondern die TeilnehmerInnen sehen auch, dass sie überall Gleichgesinnte finden können und mit ihren Problemen, ob nun persönlich oder national, nicht alleine sind: weder in ihrem Land noch in Europa. Es ist daher wichtig, dass solche Treffen gefördert werden und regelmäßig ausgerichtet werden können.

Trotz der kurzen Zeit, die für die Planung blieb, gelang dem Team unter Federführung von Cristina Iacob von der Romanian Humanist Association ein hervorragendes Event. Dass das komplette Team nur aus Ehrenamtlichen bestand und für die Konferenz ein Budget von lediglich etwa 9000 Euro zur Verfügung stand, macht es umso beeindruckender und grenzt – man mag es als Humanistin kaum sagen – an ein Wunder. Die neue Humanist East European Conference soll nun in zweijährlichem Turnus weitergeführt werden. Es ist im Gespräch, sie 2017 in Kroatien oder Serbien stattfinden zu lassen.

Foto: IHEYO

Marieke Prien.

Zusammen mit den European Humanist Youth Days, die für den Sommer 2016 geplant sind, gibt es so jedes Jahr ein großes internationales Treffen junger HumanistInnen. Ich kann nur allen Interessierten empfehlen, selbst einmal an solch einem internationalen Treffen teilzunehmen. Und humanistische und säkulare Organisationen sollten ihren jungen Mitgliedern die Reise ermöglichen, denn alle Seiten werden davon profitieren.

Marieke Prien