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„Intensivstation“: Ein Dokumentarfilm von der Grenze zwischen Leben und Tod

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Jedes Jahr werden in Deutschland etwa zwei Millionen Patienten auf einer Intensivstation behandelt. Die Tendenz ist steigend. Der medizinische Fortschritt macht es möglich, Menschen mit schwersten Erkrankungen vor dem Tod zu retten. Doch die Lebensrettungen bleiben für die Patienten nicht immer ohne Folgen.
Dienstag, 29. Oktober 2013
Foto: PR

Vier Monate lang begleitete das Filmteam die Ereignisse auf einer Berliner Intensivstation. Foto: Thomas Weihrauch

Der Film „Intensivstation“ zeigt den Alltag in einem Berliner Klinikum und wirft einen differenzierten Blick auf die hochtechnisierte Welt der Intensivmedizin. Im Rahmen der 37. Duisburger Filmwoche wird „Intensivstation“ am 5. November 2013 im Filmforum Duisburg uraufgeführt.

Was passiert eigentlich, nachdem ein Angehöriger eines Schwerkranken oder eines Unfallopfers einen Notarzt gerufen hat? Was erwartet ihn hinter den verschlossenen Türen einer Intensivstation?

Regisseurin Eva Wolf berichtet über Motive, die sie zur Produktion von „Intensivstation“ bewegt haben: „Die Idee zu dem Film kam mir durch eine Freundin, die damals als Ärztin auf einer Intensivstation arbeitete. Sie erzählte mir von ihrem Kampf mit den dort täglich anstehenden, weitreichenden Entscheidungen. Von Ärzten, die eigenständig die Weiterbehandlung eines Patienten beendeten und von Angehörigen, die sich nicht mit dem Gedanken anfreunden konnten, dass nicht alles im menschlichen Körper reparierbar ist.“

Über einen Zeitraum von vier Monaten begleitete Eva Wolf deshalb gemeinsam mit dem Kameramann Michael Weihrauch die Arbeit und Ereignisse in der Intensivstation der Berliner Charité. Oft kamen sie morgens vor Schichtbeginn und gingen erst weit nach Schichtende. Ärzten, Pflegern und Patienten sind sie bei den Dreharbeiten sehr nahe gekommen.

Der Film will zeigen, wie schwierig es ist, für die schwerkranken und oft auch bewusstlosen Patienten die richtigen Entscheidungen über die Art der Behandlung zu treffen. Er soll klar machen, mit welchen emotionalen und seelischen Herausforderungen Ärzte und Pfleger konfrontiert sind und welche Tragweite ihre Entscheidungen haben.

„Meine Freundin erzählte mir auch von den Arbeitsbedingungen, dem Schichtdienst, den langen Arbeitszeiten der Ärzte und den aufgehäuften Überstunden. Und von schlecht bezahlten Pflegekräften, für die es an Nachwuchs fehlt“, so Eva Wolf weiter.

Foto: PR

„Intensivstation“ will auch zum Nachdenken über die Möglichkeiten und Grenzen der Intensivmedizin anregen. Foto: Thomas Weihrauch

Viele der Entscheidungen stellen die Ärzte vor konkrete ethische Fragen. Fragen, mit denen sich viele ihrer Patienten – vor der oft unerwarteten Behandlung – nicht beschäftigt hatten. Fragen auf die es keine einfache Antwort gibt: Wie wollen wir sterben? Und wie wollen wir leben? Eva Wolf: „Natürlich will ich mit dem Film auch zum Nachdenken über unseren Umgang mit der Intensivmedizin und ihren Möglichkeiten und Grenzen  anregen.“

„Intensivstation“ ist ein Film darüber wie schwer es ist zu entscheiden, ob ein Mensch im Sterben liegt oder noch eine Chance hat, seine Krankheit zu überleben. Denn die Intensivmedizin ist so weit fortgeschritten, dass sie in den Prozess des Sterbens hineinwirken kann und sich die Grenze zwischen Leben und Tod nicht mehr eindeutig bestimmen lässt.

Intensivstation. Dokumentarfilm (2013). Länge: 86 Min. Buch und Regie: Eva Wolf, Kamera: Michael Weihrauch. Ein Produktion von Lemme Film und ZDF / Das kleine Fernsehspiel. Uraufführung am 5. November 2013 im Filmforum Duisburg.