Die im Dunkeln sieht man nicht: Amazons glänzende Geschäfte mit Arbeitslosen
Der am 13. Februar ausgestrahlte Film berichtet, wie Amazon für das Weihnachtsgeschäft über die Arbeitsagentur in Bad Hersfeld nach Arbeitern suchte. Das Angebot wird von der Arbeitsagentur international verbreitet. Daraufhin werden Arbeitslose aus Spanien, Rumänien, Ungarn und Polen sowie den Rest Europas angeworben. Ein normaler Vorgang mit weitreichenden Folgen. Wie am Beispiel von spanischen Arbeitslosen deutlich wird, lockt Amazon Arbeitslose mit falschen Versprechungen. So kommt das Angebot zwar ursprünglich von Amazon. Doch kurz vor Abreise der Arbeiter wird eine Leiharbeitsfirma zwischengeschaltet. Nach Aussage des Films werden die Arbeiter erst zwei Tage vorher über mögliche Änderungen informiert. Zwar verspricht Amazon eine Anstellung zu fast denselben Bedingungen. Doch in Deutschland sieht die Sache anders aus: Tatsächlich bekommen sie statt 9,62 Euro nur 8,52 Euro brutto. Das sind 12 Prozent weniger Lohn.
Die bekommen so wenig Geld, die betteln teilweise um Kaffee in der Kantine. Wo bleibt denn da die Menschlichkeit.
„Da wir schon einmal da waren, blieb uns nichts anderes übrig, als zu unterschreiben“, beschreibt eine Arbeiterin die Umstände des Vertragsabschlusses. Ein anderer Arbeiter antwortet auf die Frage, ob er denn verstanden hätte, was in dem Vertrag stehe, dass der Vertrag auf Deutsch gewesen sei. Eine Sprache, die er nicht spricht. Ob ein solcher Vertragsabschluss überhaupt rechtmäßig ist, sei dahin gestellt. Auch sind die niedrigeren Löhne nicht der eigentliche Skandal. Schließlich ist der Anstieg des Niedriglohnsektors in Deutschland bekannt.
Noch schwerer wiegt die Tatsache, dass die nur vorübergehend Beschäftigten faktisch rechtlos sind. De jure würde ihnen zwar der volle Katalog der Arbeitsrechts zur Verfügung stehen. De facto macht davon aber niemand Gebrauch, weil für Beschäftigungsverhältnisse unter drei Monaten das Kündigungsschutzgesetz unwirksam ist. Prinzipiell ist es möglich, derartig Beschäftigte von einem auf den anderen Tag rauszuschmeißen. Was am Ende des Films auch passiert. Menschen werden wie Amazon-Päckchen in Busse verpackt, verschickt und können ohne Begründung innerhalb einer Frist wieder zurückgeschickt werden.
Umso erstaunlicher sind die in dem Film gezeigten Einschüchterungsmethoden. Die für die Sicherheit der Arbeitnehmerunterkünfte zuständige Firma mit dem bezeichnenden Namen H.E.S.S. scheint Bespitzelungen bis in die Schlafräume hinein für ein probates Mittel zu halten, die Arbeiter gefügig zu machen. Mehr noch: Die Autoren des Films erkannten bei zwei der Sicherheitsleute Kleidungsstücke der Marke Thor Steinar, die ausschließlich in der rechtsextremen Szene getragen werden. Nicht ohne Grund beteiligt sich Amazon schon seit 2009 nicht mehr an dem Vertrieb der Waren dieser Firma. Weitere Recherchen der Filmemacher bestätigen den Verdacht, dass die Firma Kontakte zur Neonazi-Szene unterhält.
Amazon reagiert
Die Reaktionen auf den nicht einmal 30-minütigen Film waren außerordentlich und setzten Amazon unter Druck. In einer Stellungnahme nach Ausstrahlung des Filmes heißt es:
Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten.
Amazon verspricht zwar, „dass wir jedem Vorfall in unseren Logistikzentren und im Umfeld, der uns von Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht wird, nachgehen und bei Bedarf umgehend Verbesserungen einleiten.“ Doch es ist mehr als fragwürdig, ob sich an der Praxis, Arbeitslose aus Europa als Billiglöhner einzusetzen, die aufgrund der prekären Umstände ihre Rechte nicht wahrnehmen werden, etwas ändern wird. Das Reservoir an billigen Arbeitskräften ist zu groß. Beispiel Griechenland: Neuesten Meldungen zu Folge ist die Arbeitslosigkeit der unter 24-jährigen dort auf über 60 Prozent gestiegen.








