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Leben mit dem Tod

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Der Umgang mit dem Sterben und der Trauer über das Ende des eigenen Lebens und dem Anderer stand im Mittelpunkt der ARD-Themenwoche 2012, die vor kurzem zu Ende ging. Eine Rückschau aus humanistischer Perspektive.
Montag, 17. Dezember 2012
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Zuhause sterben – Reportage & Dokumentation

Sendetermin: 12. November 2012, 23.30 Uhr. Link zur Sendung

Befragungen zufolge möchten etwa 90 Prozent der Deutschen zuhause sterben, aber nur noch 10 Prozent ist das möglich. 50 Prozent sterben im Krankenhaus, 20 Prozent im Pflegeheim. Bei deutschlandweit nur 137 stationären Hospizen (2005) bietet sich damit nur einer kleinen Minderheit eine Sterbesituation, die Ähnlichkeiten mit einer häuslichen Umgebung aufweist und darauf spezialisiert ist, die palliativpflegerischen Bedürfnisse Schwerstkranker abzudecken. Um mehr Menschen ein Sterben zuhause zu ermöglichen und gleichzeitig Kosten zu sparen, hat der Gesetzgeber vor nun fünf Jahren einen Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) beschlossen. Diese Reportage klärt darüber auf was SAPV ist, wer Anspruch darauf hat, dass er immer noch nicht flächendeckend eingeführt ist und was Ärzte teilweise in Eigeninitiative tun, um das zu ändern. Auch ein Sohn wird gezeigt, der aufgrund der leidvollen Erfahrung mit dem Sterben seiner Mutter aktiv geworden ist und sich wirkungsvoll für mehr Hospizpätze und die SAPV-Versorgung einsetzt. Eine gute Dokumentation, die helfen kann das Bewusstsein für Anspruch und Möglichkeiten beim häuslichen Sterben zu verbreiten.

Sie bringen den Tod – Sterbehelfer in Deutschland

Sendetermin: 19. November 2012, 20.15 Uhr. Link zur Sendung

Drei ärztliche Sterbehelfer und drei Sterbewillige werden in diesem Beitrag gezeigt. Einer der Sterbewilligen heißt Henning und ist nach einem Motorradunfall seit zehn Jahren bis zum Hals querschnittsgelähmt und auf künstliche Beatmung angewiesen. Mehrfach wurde ihm von verschiedenen Ärzten die legale, so genannte passive Sterbehilfe, nämlich die Beendigung seiner künstlichen Beatmung, verweigert. Der Sterbehelfer und Arzt Uwe Christian Arnold wird gezeigt, wie er Henning mehrfach besucht und sich von der Ernsthaftigkeit und Nachvollziehbarkeit seines Sterbewunsches überzeugt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Henning seine Schmerzen und sein Leiden, kein Mensch und kein Medikament mehr abnehmen kann. Henning selber sagt dazu: „Ich hab‘ meine Würde verloren. Ich möchte nicht so lange warten, bis ich nicht nur meinen Körper hasse, sondern auch mein Wesen.“ Obwohl er von seinen Eltern zuhause aufopferungsvoll gepflegt wird und auch palliativmedizinisch aufs Beste versorgt ist, wünscht er sich, dass endlich alles vorbei sei und er sein Leben nicht mehr nur noch als Qual sehen müsse. Seine Eltern berichten, dass er sich am Ende bei dem Arzt, der seine Beatmung abstellte, bedankt hat und dann friedlich eingeschlafen sei. Anerkennend bemerken sie, dass Arnold für seine Hilfe kein Geld angenommen habe.

Kontrastiert wird dieser Fall mit zwei weiteren Sterbewilligen und Sterbehelfern. Eine pensionierte Ärztin äußert sich anonym zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit, während dem Psychiater Johann Friedrich Spittler nachgesagt wird, dass er seine eigenen, bezahlten Gutachten zum Maß aller Dinge mache und vereinzelt sogar psychisch Kranken beim Suizid helfe.

Hart aber fair: Mut zur Menschlichkeit oder Mord – darf ein Arzt beim Sterben helfen?

Sendetermin: 19. November 2012, 21 Uhr. Link zur Sendung

Frank Plasberg hat den Sterbehelfer Uwe Christian Arnold zu Gast und prüft ihn und seine Haltung mit Hilfe des Politikers Henning Scherf, der Palliativmedizinerin Dr. Barbara Schubert und dem Kapuzinermönch und Moderator von Talk am Sonntag (SAT.1) „Bruder“ Paulus Terwitte. Letzterer glaubt ähnlich wie die Palliativmedizinerin, dass die Bitte um Sterbehilfe eine Zumutung ist und Sterbewillige durch genügend Zuwendung von ihrem Vorhaben abgebracht werden können. Das mag oberflächlich betrachtet tatsächlich so aussehen, denn wer würde seinen Wunsch ein zweites Mal äußern, wenn ihm klar gemacht worden ist, dass sich so was nicht gehört und er dies vom Arzt nicht verlangen dürfe. Frau Dr. Schubert meint 95 Prozent der Menschen helfen zu können und übersieht dabei, dass die fünf Prozent, bei denen sie es nicht kann, immerhin 40.000 Menschen jährlich sind. Von denen hat Arnold gerade mal 20 pro Jahr beim Sterben geholfen, und vielleicht verhindert, dass sie zu harten und andere traumatisierenden Methoden greifen mussten.

Immerhin hat er sich zum Palliativmediziner fortbilden lassen, um den Menschen optimal helfen zu können, und das nicht nur beim Sterben, sondern auch beim besseren Leben vor dem Sterben. Teilweise begleitet er Menschen über Jahre, ohne dass sie seine Zusage, ihnen notfalls beim Sterben zu helfen, in Anspruch genommen hätten. Während der „Gottesmann“ davon sprich, dass sich Sterbewillige „vom Acker machen wollen“ und dem Sterbehelfer provozierend vorschlägt die Menschen mit einer Rasierklinge oder Elektroschock umzubringen, gibt Henning Scherf zu, dass es auch in seiner Alters-Wohngemeinschaft bereits mehrfach Sterbehilfe gegeben hat und Frau Dr. Schubert findet es zumindest in Ordnung, dass diese Möglichkeit für einige Menschen offen steht.

Nah dran – In Frieden sterben dürfen. Der Traum des Michael de Ridder

Sendetermin: 22. November 2012, 22.35 Uhr. Link zur Sendung

Was tut ein Arzt, der 18 Jahre die Unfallstation eines großen Krankenhauses geleitet hat, wenn er in Rente geht? Dr. Michael de Ridder baut ein Hospiz auf, in dem Sterbende es auf ihre letzten Tag noch einmal besonders schön haben sollen. Er sagt: „Die Zentralen Begriffe, die im Hospiz die Arbeit bestimmen sind: Achtsamkeit, Respekt und Herzenswärme.“ Das ist in diesem Beitrag sehr gut zu spüren, der zeigt wie das Hospiz eingerichtet ist, wie die Mitarbeiter und Ärzte mit den Patienten umgehen und wie das Sterben rituell begleitet wird. De Ridder sagt weiter: „Die zentrale ärztliche Aufgabe ist nicht und war nie Lebensverlängerung, sondern war Patientenwohl.“

Zwischenruf: Für den medizinischen Laien war ein Beitrag in "W wie Wissen" am 18. November um 17 Uhr in der ARD zur "Biologie des Todes" ausgesprochen informativ. In dem Video sind sehr anschauliche Computeranimationen zur Physiologie des Sterbens enthalten und Professor Christoph Ostgathe erklärt engagiert den notwendigen Verzicht auf künstliche Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr im Sterbeprozess. – Regine Bernstein-Bothe, 62 Jahre, aus Bremen. Link zur Sendung

Dafür hat er sich auch in seinem Buch „Wie wollen wir sterben“ stark gemacht und mit seiner Kritik an der Hochleistungsmedizin viele Ärzte provoziert, aber trifft genau das, was viele Patienten bewegt, wenn es ums Sterben geht. Dafür erhielt er bereits 2009 den Ossip-K.-Flechtheim-Preis des Humanistischen Verbandes. Damit wurden seine Leistungen, für die Förderung von Aufklärung, Toleranz und Selbstbestimmung in unserer Gesellschaft gewürdigt. Im Hospiz sagt er, soll man über sein eigenes Lebensende nachdenken und sprechen können, letzte Dinge klären und regeln dürfen und in gewisser Weise sein eigenes Lebensende gestalten. Ob man nun glauben muss, dass eine Seele, wenn es die denn gibt, nicht durch ein geschlossenes Fenster entweichen kann, darf bezweifelt werden. De Ridder selber möchte weder in einem Krankenhaus, noch im Hospiz sterben, sondern unter freiem Himmel.

Sterben ohne Glauben

Sendetermin: 24. November 2012, 15.30 Uhr. Link zur Sendung

In diesem knapp halbstündigen Beitrag wird u. a. der Bestatter Patrick Schneider aus Gottsdorf bei Berlin gezeigt, der gefühlvoll individuelle Bedürfnisse Trauernder bedient. Dazu gehört einmal jährlich am 31. Oktober ein so genanntes Ahnenfest, bei dem Briefe an die Verstorbenen einem Lagerfeuer übergeben werden während deren Namen verlesen und eine Klangschale angeschlagen wird. Als Höhepunkt verkündet er einen keltischen Segen: „Der Friede der Wellen des Meeres sei euch. Der Friede des Fließens der Lüfte sei euch. Der Friede der ruhigen Erde sei euch. Mögen Mond und Sterne euch immer leuchten.“ Man darf sich fragen, welch‘ Kelte ihm diesen Segen übermittelt hat.

Was man aber auch fragen kann ist, ob es sich bei diesem Bestatter um den ehemaligen hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter der Abteilung Spionageabwehr handelt, den laut einem Bericht der WELT AM SONNTAG vom 17. Oktober 2010, Berliner Fahnder jahrelang wegen gewerbs- und bandenmäßiger Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Insolvenzverschleppung und Untreue gesucht hatten. 2008 vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, wurde er Bestatter, dem dann durch Gerichtsbeschluss verboten worden war, Bestattungen für 499 Euro zu bewerben. Trotzdem scheint sein Geschäft so gut zu gehen, dass er auf seiner Website Filialen in 32 Orten auflistet und Franchising- sowie Therapieangebote macht.

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Insgesamt 140 Beiträge zur Themenwoche 2012 sind weiterhin in der ARD-Mediathek abrufbar.