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Der Podcast des Humanistischen Magazins
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Panorama

Stefan Zweig
Donnerstag, 23. Februar 2012

Es gibt nur wenige Schriftsteller, deren Werk derart mit der europäischen Kultur- und Menschheitsgeschichte verwoben ist, wie das des österreichischen Humanisten Stefan Zweig. Kaum ein Werk macht dies deutlicher, als sein am Lebensende entstandener, autobiografischer Rückblick Die Welt von gestern. Darin stellte er sein Werden und Wachsen ganz unbescheiden in den Weltzusammenhang, indem er seine Wiener Kindheit als eine Zeit der Kaffeehauskultur und des Zeitungsstudiums beschrieb. Er beschreibt seine Adoleszenz als sein persönliches Studium der internationalen Weltdeutung, ebenso im politisch-historischen Kontext wie in Bezug auf die literarischen, künstlerischen und musischen Verarbeitungen der Wirklichkeit. Dieses Studium ist der Ausgangspunkt seines eigenen literarischen Schaffens, in dem er stets den Versuch unternahm, die Welt und ihre Wirklichkeit fern aller überirdischen Bezüge zu lesen und zu verstehen.

Dutton Gehirnflüsterer
Mittwoch, 22. Februar 2012

Die Fähigkeit, andere zu beeinflussen, sie so zu manipulieren, dass sie möglichst mit einem Lächeln auf den Lippen, genau das tun oder unterlassen, was wir möchten – diese Fähigkeit möglichst elegant zu beherrschen, Hand aufs Herz, das hat sich jeder schon mal gewünscht. Bloß warum haben wir meistens das Gefühl, dass wir auf andere reinfallen?

Berlinale
Dienstag, 21. Februar 2012

In der vergangenen Woche fragten wir, was denn einen guten Film aus humanistischer Perspektive ausmache und kamen zu dem Schluss, dass der Mensch mit seinen Wünschen, Träumen und Bedürfnissen im Vordergrund stehen sollte. Legt man diesen Maßstab an, dann haben bei der diesjährigen Berlinale vorrangig humanistische Filme reüssiert. Dies ist vielleicht nicht das ungewöhnlichste. Bemerkenswert hingegen ist, dass die Berlinale-Bären zu großen Teilen für Filme vergeben worden sind, in deren Mittelpunkt humanistische Themen und Fragestellungen stehen. Die religiösen Beiträge konnten die Jury offenbar nicht überzeugen.

Was bleibt
Mittwoch, 15. Februar 2012

Was sollte ein guter Kinofilm aus humanistischer Perspektive bieten? Muss er ohne Glauben und religiöse Ansichten auskommen? Oder Fragen der Selbstbestimmung in den Vordergrund rücken? Muss er möglichst aufgeklärt, gar wissenschaftlich sein und für mehr Wissen sorgen? Für den Autor war beim Besuch einiger Berlinale-Veranstaltungen ausschlaggebend, dass der Mensch mit seinen Wünschen, Träumen und Bedürfnissen im Vordergrund steht.

Die Summe meiner einzelnen Teile 1
Dienstag, 24. Januar 2012

Hans Weingarnter lag mit seinen Kinofilmen bisher immer richtig. Kaum ein deutschsprachiger Regisseur hat ein solches Gespür für gesellschaftliche Stimmungen und Atmosphäre. Sein Filmdebüt Das weiße Rauschen, in dem er die Geschichte des schizophrenen Lukas in eindringlichen Bildern erzählt, erschien im Jahr 2002, kurz nach der politischen Agonie Ende der 1990er Jahre in Deutschland und mitten in einem Wahlkampf, in dem Sozialdemokraten nicht mehr von Christdemokraten und Liberalen zu unterscheiden waren. Die Wirklichkeit selbst war schizophren, als Das weiße Rauschen die deutschen Kinos eroberte.

Suck Rubber Baby
Montag, 23. Januar 2012

Es ist selten der Fall, dass sich ein Leser nach der Lektüre eines Comics fragt, was er denn eigentlich schon wisse von all dem, was er da gerade erfahren hat. Howard Cruse versetzt seine Leser mit seinem monumentalen Comic Stuck Rubber Baby in diese Lage. Er lässt darin sein Alter Ego Toland Polk auf die Ereignisse in der kleinen amerikanischen Stadt Clayfield Anfang der 1960er Jahre zurückblicken. Seine Leser bekommen so ein Bild des damaligen Amerika, wie es die meisten schon vergessen haben, geprägt von Rassenhass und Gewalt.

Mann, Frau, Gehirn
Donnerstag, 19. Januar 2012

Überraschend war zunächst, dass 700 Personen an dem turmdersinne-Symposium mit besagtem Thema teilnahmen. Das Thema stieß also auf ein großes Interesse. Nach den vielen populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen mit dem Motto „Frauen können nicht einparken und Männer nicht zuhören" ist das auch nicht erstaunlich. Dahinter liegt aber auch ein wissenschaftlicher Streit der mit Schärfe ausgetragen wird. Die Protagonisten sind die Gendertheoretiker und die Evolutionsbiologen.

Grissemann_Klappe Santa
Donnerstag, 22. Dezember 2011

Wenn es wieder aus allen Rohren waggerlt im Land, so haben wir uns gedacht, als wir die Idee zur Herausgabe dieses Buches hatten, wenn die Werbung wieder die Zimmerlautstärke verlässt und die letzten drei Monate im Jahr klingelt, tutet und brüllt, wenn ausgeglichene, heitere du wohlerzogene Menschen zu kurz angebundenen, grauen Hektikern werden, und wenn man während dieses Weihnachts-Hypes aus den Medien, von den Kanzeln und aus salbungsvollen Politikerreden erfährt, dass nun die stillste Zeit im Jahr angebrochen sei, ist der Blick in die Satire die einzige Rettung.

Christopher Hitchens, The Hitch
Freitag, 16. Dezember 2011

Der radikale Denker, Intellektuelle, Atheist und Kirchenkritiker Christopher Hitchens ist am Donnerstag, den 15.12.2011 seiner Krebskrankheit erlegen, wie Vanity Fair bekanntgab. In Deutschland ist Christopher Hitchens in der säkularen Szene mit seinem Buch Der Herr ist kein Hirte. Wie Religion die Welt vergiftet bekannt geworden. In den englischsprachigen Ländern gehörte er zu den bekanntesten Intellektuellen. Kaum eine Talkshow, in der er nicht zu politischen und religionskritischen Fragen diskutiert. Die Zeitungen rissen sich um seine Analysen und bissige Kommentare. 

Klimawandel
Mittwoch, 14. Dezember 2011

Die Vertreter der UN-Mitgliedstaaten auf dem Klimagipfel im südafrikanischen Durban haben sich nach nächtelangen Verhandlungen, die zwischenzeitlich zu scheitern drohten, schlussendlich darauf verständigt, dass bis 2015 ein neuer Weltklimavertrag zur Begrenzung der Erderwärmung erarbeitet werden und 2020 in Kraft treten soll. Dieser Vertrag soll das Kyoto-Protokoll ablösen, welches bis zu einem neuen Klimaabkommen weiter gilt. Erstmals wollen sich wohl auch die USA und China verbindlichen Zielen zur Minderung ihrer Ausstöße von Treibhausgasen verpflichten. Darüber kann man sich freuen, die bisherige Starrsinnigkeit so mancher Staaten darf darüber aber nicht in Vergessenheit geraten. Die Debatte um den Klimawandel und die menschliche Verantwortung wird mit geradezu religiösem Eifer geführt. Ein Grund, insbesondere für Humanisten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Macknick et al._Die Tricks unseres Gehirns
Montag, 12. Dezember 2011

Sandra Blakeslee, Susana Martinez-Conde und Stephen L. Macknick stellen uns die Ergebnisse ihrer spannenden Forschungsexpedition in die Welt der Magie in dem ersten neurowissenschaftlichen Buch über Zauberkunst unter dem Titel Die Tricks unseres Gehirns – Wie die Hirnforschung von den großen Zauberern lernt vor. Denn womit sich die Neurowissenschaften erst in den letzten Jahrzehnten intensiver beschäftigen, darüber wissen Zauberer schon seit langem gut Bescheid, so ihre Argumentation. Wie Aufmerksamkeit und Bewusstsein funktionieren und wie sie sich manipulieren lassen, erklären die beiden Neurowissenschaftler in ihrem Buch.

Julian Barnes_Vom Ende einer Geschichte
Freitag, 9. Dezember 2011

Wie oft erzählen wir uns unsere eigene Lebensgeschichte? Wie oft rücken wir sie zurecht, schmücken sie aus, nehmen verstohlene Schnitte vor. Und je länger das Leben andauert, desto weniger Menschen gibt es, die unsere Darstellung infrage stellen, uns daran erinnern können, dass unser Leben nicht unser Leben ist, sondern nur die Geschichte, die wir über unser Leben erzählt haben. Anderen, aber – vor allem – uns selbst erzählt haben.

Borasio_Über das Sterben
Freitag, 9. Dezember 2011

Gian Domenico Borasio ist einer der ersten Lehrstuhlinhaber für Palliativmedizin. Er definiert das von ihm vertretene Fachgebiet, dessen Ergebnisse und Problematiken er in Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen vorstellt, als „hochspezialisierte Allgemeinmedizin am Lebensende“. Die Schmerztherapie, mit der Palliativmedizin oft assoziiert wird, ist dabei nur ein Teilgebiet. Für genauso wichtig hält Borasio die Behandlung internistischer Symptome wie Atemnot und die neuropsychiatrischer Probleme wie Verwirrtheit. Noch weit wichtiger ist für ihn aber die „psychosoziale und spirituelle Begleitung“ Sterbender und ihrer Angehöriger.

Chew_Abendmahl
Mittwoch, 7. Dezember 2011

Tony Chu ist ein hartnäckiger Ermittler, den so schnell nichts von seinem Weg abbringen kann. Als „Bulle mit Biss!“ wird er daher auch im Untertitel der us-amerikanischen Comic-Reihe CHEW bezeichnet, in deren Mittelpunkt er steht. Diese Bezeichnung muss man durchaus direkt verstehen, denn Tony Chu ist ein Cibopath. Der lateinische Wortstamm cibo (dt. Tiere füttern) weist darauf hin, dass dieser Ermittler besondere alimentatorische Eigenschaften zu besitzen scheint – und dem ist auch so. Denn Tony Chu enthüllt in der Vergangenheit liegende Geheimnisse, indem er sich die Informationsträger auf der Zunge zergehen lässt. Einem Stück Pizza kann er entlocken, dass sein Belag aus den zusammengefegten Küchenresten besteht, dem Biss in einen Hamburger folgen Visionen zu den letzten Stunden der den Fleischbelag liefernden Kuh und ein zufälliger Blutstropfen auf seinen Lippen lässt Chu imaginieren, was seinem Besitzer in der nahen Vergangenheit widerfahren ist.

Halt auf freier Strecke 1
Montag, 5. Dezember 2011

Hilflosigkeit steht am Anfang dieses Filmes und mit Hilflosigkeit endet er auch. Was bleibt einem Menschen auch, wenn er eine Diagnose bekommt, die schlimmer nicht sein könnte? Frank Lange (Milan Peschel) hat einen inoperablen Hirntumor. Wenige Wochen, vielleicht ein paar Monate bleiben dem jungen Familienvater und Hobbygitarristen noch, um sich von seinem Leben zu verabschieden. Halt auf Freier Strecke von Andreas Dresen erzählt von diesen letzten Monaten, in denen über der Familie das Damoklesschwert des unausweichlichen Todes schwebt.

Hans Joas. Die Sakralität der Person
Donnerstag, 1. Dezember 2011

Konfessionsfreie haben bekannter Weise eine Schwierigkeit mit religiös aufgeladenen Begrifflichkeiten. So stellen sich bei vielen die Nackenhaare auf, wenn sie von einer Verheiligung der Person lesen, selbst wenn von dieser im Zusammenhang mit einem ureigenen Gut des Humanismus, den Menschenrechten, die Rede ist. Deren Entstehungsgeschichte geht der Sozialphilosoph Hans Joas in seinem neuen Buch Die Sakralität der Person in nach.

Kunstsalon Cassirer. 1898-1905
Donnerstag, 1. Dezember 2011

Wenn der Begriff Sisyphusarbeit in der digitalisierten Google-Algorithmus-Moderne überhaupt noch eine Relevanz besitzt, dann in dem, was Bernhard Echte und Walter Feilchenfeldt in den vergangenen Jahren geleistet haben. Mit der Ausdauer des griechischen Helden haben sie in mühsamer Kleinarbeit die nach 1933 zum Großteil verloren gegangene Galeriegeschichte des Kunstsalons Cassirer aus Zeitungs- und Kunstarchiven gehoben

Stephen Fry, Ich bin so fry
Donnerstag, 1. Dezember 2011

Rowan Atkinson, John Cleese, Emma Thompson und Tilda Swinton zählt er zu seinen Freunden, ebenso wie übrigens Hugh Laurie, Charlie Higson, Miranda Richardson, Richard Curtis und Alan Bennett. Mit dem Literaturnobelpreisträger Harold Pinter, dem Historiker Eric Hobsbawm, dem Regisseur Mike Leigh und fast 150 anderen prominenten britischen Juden gründete er eine Organisation unabhängiger jüdischer Stimmen, die sich für einen Frieden im Nahen Osten einsetzt.

Mertes_Siebner_Schule
Mittwoch, 30. November 2011

Ignatius von Loyola (1491- 1556) meint, dass der Schüler „selber denken, nachdenken und abwägen können und dürfen (soll), statt bloß die von der Schule gewünschten Lerninhalte zu übernehmen". Klaus Mertes und Johannes Siebner leiten Jesuitenschulen, die der Pädagogik des Mitbegründers des Jesuitenordens folgen. Ihr Buch Schule ist für Schüler da sollte schon 2009 erscheinen, aber aufgrund der Missbrauchsproblematik schien das Projekt hinfällig, da man zunächst Aufklärungsarbeit und Trauerarbeit an der eigenen Schule zu leisten hatte. Klaus Mertes machte als Schulleiter am Berliner Canisius-Kolleg die Missbrauchsfälle öffentlich und löste den Skandal aus, der die katholische Kirche bis heute schwer belastet. Johannes Siebner leitete bis zum Sommer dieses Jahres das Kolleg in St. Blasien – in dem ebenfalls ein Pater Kinder und Jugendliche in den 1980er Jahren missbraucht haben soll – und wechselte im Juli an das Aloisiuskolleg, um an der Bonner Schule nach der Aufarbeitung der dortigen Missbrauchsfälle den Neuanfang zu begleiten. Mertes und Siebner – beide nicht verwickelt und dennoch im Herzen des Missbrauchsskandals stehend – wollten ihr Buchvorhaben trotzdem realisieren, da die Autoren ihre Vorstellungen über Bildung und Erziehung unbedingt darlegen wollten.

Eine dunkle Begierde_1
Mittwoch, 30. November 2011

Es drehe sich alles ums Sprechen, sagte Erfolgsregisseur David Cronenberg (A History of Violence, Naked Lunch, Tödliche Versprechen) in einem Interview mit der taz über seinen neuen Film Eine dunkle Begierde, welcher das Beziehungsgefüge von Sigmund Freud, Carl Gustav Jung und Sabina Spielrein in der Zeit von 1904 bis 1913 portraitiert. Zwar sprechen die Protagonisten – trefflich dargestellt von Viggo Mortensen, Michael Fassbender und Keira Knightley – freizügig und beinahe schamlos über quälende Phantasien, erregende Träume und die perversen Anteile der eigenen Sexualität. Doch der Film scheitert daran, die besondere Art des Sprechens oder auch Nicht-Sprechens und seiner Bedeutung in der und für die Psychoanalyse darzustellen.