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Gedenken zum 125. Geburtstag von Max Sievers

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Am 11. Juli jährte sich der 125. Geburtstag von Max Sievers. Der HVD Berlin-Brandenburg hielt nach der Umbettung der Urne von Max Sievers eine Ehrenstunde am neuen Ehrengrab ab, um seinem Vergessen vorzubeugen. Eine Ausstellung, die ab März 2013 in Berlin zu sehen sein wird, wird ebenfalls an Max Sievers und andere von den Nationalsozialisten verfolgte Freidenker erinnern.
Montag, 23. Juli 2012
Max Sievers 2012

HVD-Vorstand Manfred Isemeyer legt anlässlich des 125. Geburtstages von Max Sievers einen Ehrenkranz des Verbandes an der neuen Grabstelle nieder | Foto: HVD Berlin-Brandenburg

Seit 1922 Geschäftsführer des Vereins der Freidenker für Feuerbestattung und ab 1927 dessen Vorsitzender gelang es Max Sievers mit großem Engagement, den Verein nach und nach vom reinen Bestattungsverein zur politisch-weltanschaulichen Kultur- und Weltanschauungsorganisation zu verwandeln. Es ist im Wesentlichen sein Verdienst, das die Freidenkerbewegung in der Weimarer Republik zu einer Massenbewegung wurde, die gleichzeitig finanziell auf soliden Beinen stand.

Ende März 1933 verhaftet, emigrierte Sievers sofort nach seiner Freilassung nach Saarbrücken und von dort nach dem Beitritt des Saarlands zum Deutschen Reich nach Belgien. Von dort organisierte er dem freidenkerischen Widerstand gegen das NS-Regime. Dabei hilfreich ist die Tatsache, dass er Teile des Verbandsvermögens in weiser Voraussicht bereits vor dem Machtantritt der Nazis ins Ausland geschafft hatte.

Sievers gehörte zu jenen ersten 33 NS-Gegnern, denen das Regime im August 1933 die deutsche Staatsbürgerschaft entzog. Mit der Besetzung Westeuropas durch die Wehrmacht, fiel er im Juni 1943 nach einer Phase in der Illegalität den Nazis in die Hände. Der Volksgerichtshof unter Roland Freisler verurteilte Sievers wegen„Vorbereitung zum Hochverrat mit Feindbegünstigung" zum Tode.

Obwohl sich Max Sievers mit seiner Lebensleistung ein Gedenken verdient hat, ist sein Name heute in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Das hat vor allem politische Gründe. Im restaurativen Klima der Ära Adenauer hatten es Antifaschisten, zumal sozialistische schwer, die ihnen zustehende Anerkennung zu finden.

Zu dieser Geschichte des Vergessens und Verdrängens gehört auch, dass das Unrechtsurteil gegen Sievers erst 1996 vom Landgericht Berlin auf Antrag des Humanistischen Verbandes förmlich aufgehoben wurde. Dagegen konnte der Anklagevertreter gegen Sievers beim Volksgerichtshof, Amtsgerichtrat Edmund Stark, ungeachtet der über fünfzig von ihm beantragten Todesurteile nach 1945 bis zum Posten eines Landgerichtsdirektors in Ravensburg aufsteigen und anschließend bis in die 1980er Jahre als Vorsitzender eines Prüfungsausschusses für Kriegsdienstverweigerer amtieren. Darüber hinaus sprachen bundesdeutsche Gerichte das von den Nazis enteignete Vermögen des Deutschen Freidenker-Verbandes (DFV) nicht dem wiedergegründeten Verband, sondern jener Versicherung zu, die von der Enteignung profitiert hatte.

In der DDR grenzte man den antistalinistischen Sozialisten ebenfalls aus politischen Gründen aus. Max Sievers, der Herausgeber von wichtigen deutschen Exilzeitschriften, fand nicht einmal Aufnahme in das 1970 in der DDR erschienene zweibändige Lexikon Deutsche Widerstandskämpfer 1933-1945. Biographien und Briefe.

Als Beitrag, um Max Sievers vor dem Vergessen zu bewahren, veranstaltete der HVD an der neuen Grabstelle auf dem Friedhof Gerichtstraße in Berlin Wedding eine Ehrung. Der Historiker Michael Schmidt würdigte die Lebensleistung von Sievers, der Vorstand des HVD, Manfred Isemeyer, legte für den Verband einen Kranz nieder.

An Max Sievers wird auch im Rahmen der Ausstellung Verfolgung und Widerstand der humanistischen Bewegung erinnert, die derzeit beim HVD Berlin-Brandenburg konzipiert und erarbeitet wird. Ab März 2013 wird die Schau mit etwa 20 Ausstellungstafeln, in deren Zentrum neben Max Sievers ein weiteres Dutzend freidenkerisch-humanistische Biografien stehen, im Rahmen des Berliner Themenjahres Zerstörte Vielfalt zu sehen sein.