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Spitzenpiratin bekennt sich zu jüdischem Glauben

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Die ehemalige Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, bekennt sich im aktuellen Chrismon-Magazin zu ihrem Gottesglauben. Jüdin und Piratin, das vertrage sich ganz gut, sagte sie dem evangelischen Magazin, da sowohl der jüdische Glaube als auch das Piratendasein auf Diskurs beruhen würden. Marina Weisband ist ein gutes Beispiel dafür, dass man den persönlichen Glauben auch dann bewahren kann, wenn man ihn im politischen Geschäft außen vor lässt.
Sonntag, 30. September 2012
Marina Weisband

Andreas Baum, Sebastian Nerz und Marina Weisband bei der Bundespressekonferenz | Foto: Tobias M. Eckrich

Marina Weisband gehört zu den prominentesten Eichhörnchen der Piratenpartei. Von der ersten Stunde der politischen Bedeutsamkeit der Partei war sie das weibliche Aushängeschild der als Männerverein verschrieenen Partei. Zwischen Mai 2011 und Mai 2012 war sie als Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei aktiv und stellte mit den zwei wichtigsten Piraten neben ihr, Andreas Baum und Sebastian Nerz, die Ziele der Piraten in der Bundespressekonferenz vor. Spiegel-Online schrieb sie beim Programmparteitag im Dezember 2011 zum "neuen Star der Partei". Nichts desto trotz hängte Weisband Ende April 2012 ihr Amt an den Nagel: Burnout.

Seither ist es etwas ruhiger um die geworden, auf die sich alle einigen konnten. Ob dies so bleibt, wird man sehen, positioniert sie sich  im aktuellen Chrismon-Magazin doch so, wie wohl die wenigsten Piraten: gottgläubig. Die in Kiew geborene Jüdin, die in Münster Psychologie studiert, bekennt sich zu ihrem Glauben.

Ich war Atheistin, aber in der Abizeit hat sich das sozusagen über Nacht geändert.

Eine Matheprüfung war schuld, wie sie auch schon im April in der FAZ gestand. Zur Ablenkung las Sie Tolstois Krieg und Frieden und an der Stelle, an der Fürst Bolkonski stirbt, sei ihr klar geworden, dass ihre Sorgen um eine Matheprüfung lächerlich gewesen sei:

Das war ein Moment, in dem ich Gott gespürt habe. Ich habe heute das Gefühl: Was auch immer mir passiert, der Himmel wird über mir sein. Ich vertraue diesem Gott, er passt auf mich auf!

Ihr jüdischer Glaube vertrage sich aber gut mit ihrem Piratendasein, schließlich basiere beides auf Diskurs. Und wenn sie davon spricht, dass jüdische Gläubige aufgefordert sind, "zu hinterfragen und zu zweifeln und sich miteinander zu streiten", dann erkennt man da durchaus einige Parallelen zu den Piraten.

Sie schäme sich aber, das sie in der Zeit als Piratengeschäftsführerin nicht in der Synagoge gewesen sei und wenig an Gott gedacht habe. Das mag all jene wundern, die die Piratenlinie mit den privaten Einstellungen der Eichhörnchen verwechseln. Schließlich ist die Partei für ihre säkulare Haltung bekannt. Die Piraten setzen sich für eine weitgehende Trennung von Staat und Kirche ein. Dass Weisband davon abweichende Meinungen vertritt, kann man auch auf ihrem Blog lesen, in dem Sie allerdings betont, dass die dort veröffentlichten Aussagen keine offiziellen Positionen der Piraten sind.

Kämpferische Atheisten mögen das bemängeln, aber letztlich beweist sich Weisband so als perfekte Besetzung für die Hauptrolle in einem Film, der sich mit der Trennung von Amt und Person befasst. Bei Weisband können sich die meisten aktiven Politiker eine Scheibe abschneiden, denn ihr gelingt, woran die wenigsten auch nur zu denken wagen: Den persönlichen Glauben zu pflegen, ihn im politischen Geschäft aber außen vorzulassen.